Gespanntes Warten auf die Zeit nach Corona

Gaggenau (stn) – Im September 2020 ist Sabine Meißner mit ihrem Laden „To Bee – EinFach Dein Fach“ in die Bahnhofspassage gezogen. Trotz Corona hat sie diese Entscheidung bis heute nicht bereut.

Sabine Meißner darf ab sofort wieder ihr gesamtes Sortiment zum Verkauf anbieten. Foto: Nora Strupp

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Sabine Meißner darf ab sofort wieder ihr gesamtes Sortiment zum Verkauf anbieten. Foto: Nora Strupp

Seit zehn Jahren bieten Gerhard und Sabine Meißner selbst gemachte Stickereien und Näharbeiten auf Kunsthandwerkermärkten an. „Doch dann kam Corona – und auf einmal gab es solche Märkte nicht mehr. Auch viele andere Künstler hatten somit keine Chance mehr, etwas zu verkaufen. Dann ist uns der Laden in der Bahnhofspassage sozusagen zugeflogen“, erzählt Sabine Meißner lachend. „Wir dachten, es wäre eine schöne Idee, Ware für andere Kunsthandwerker zu verkaufen.“

So entstand die Idee der Regalfachvermietung. Das Konzept „Mietfach“ ist simpel: Wer selbst gemachte Waren herstellt und damit gerne Geld verdienen möchte, kann sich mit Meißner in Verbindung setzen. In ihrem Ladengeschäft stehen Fächer, Kleiderstangen, Ständer und Stellflächen unterschiedlicher Größe zur Verfügung. Diese können gegen Gebühr und für einen bestimmten Zeitraum angemietet werden. Dort werden dann die Produkte der Kunsthandwerker ansprechend präsentiert und zum Verkauf angeboten.

Laden trotz Lockdown normal geöffnet

Während des Lockdown waren bislang nur die kulinarische Ecke und der Stickservice des Geschenkartikelladens geöffnet – wer andere Produkte kaufen wollte, benötigte einen Termin. Doch gestern dann plötzlich die große Überraschung: „Wir haben ab sofort wieder normal geöffnet“, verkündet Meißner. Nun darf sie wieder ihr komplettes Sortiment anbieten – einen Termin benötigen Kunden jetzt nicht mehr; auch einen negativen Corona-Test muss niemand vorlegen. „Das Ordnungsamt hat uns heute Morgen das Okay gegeben“, erläutert Gerhard Meißner auf BT-Nachfrage gestern. „Geschäfte mit Mischsortiment dürfen alle Waren verkaufen, wenn die Produkte für den täglichen Bedarf zu 60 Prozent überwiegen. Und da wir unseren Hauptumsatz mit der Stickerei machen, trifft das auch auf uns zu.“

Da Sabine und Gerhard Meißner zunächst testen wollen, wie die Einkaufsmöglichkeit von den Kunden angenommen wird, hat „To Bee“ erst einmal geänderte Öffnungszeiten. Am heutigen Samstag sind die beiden von 10 bis 12 Uhr für ihre Kunden da. Die Öffnungszeiten für nächste Woche werden an diesem Wochenende bekannt gegeben. Sie stehen unter anderem auf einer Tafel vor dem Geschäft.

Meißner: „Es gibt immer was zu tun“

Aber auch in den Phasen, in denen Meißner nicht im Geschäft ist, ist sie telefonisch erreichbar und keineswegs untätig. „Ich bin kreativ. Ich nähe und mache viel selbst. Es gibt immer irgendetwas zu tun.“ So schickten etwa die Mieter der Regale neue Ware, die eingeräumt und ins Kassensystem eingepflegt werden müssten. Dadurch ist ihr Beruf „immer schön abwechslungsreich“.

Um sich während der Schließungsphase über Wasser zu halten, hatte sie in den vergangenen Wochen sämtliche Produkte aus den Fächern abfotografiert und – mit Nummern versehen – auf ihre Internetseite gestellt. Telefonisch konnten Kunden dann unter Angabe der entsprechenden Fachnummer die Artikel käuflich erwerben.

„Wir haben auch Videotelefonie angeboten und konnten so mit den Kunden durch den Laden gehen. Aber bei Geschenkideen ist es schon besser, sie mit eigenen Augen sehen zu können.“ Dass sie ihre Türen nun wieder öffnen dürfen, freut Sabine und Gerhard Meißner deshalb sehr.

Trotz der turbulenten Corona-Zeit hat Meißner bis heute nicht bereut, ihr Geschäft gegründet zu haben. „Es wurde von Anfang an super angenommen. Wir dachten, dass es Zeit braucht, sich zu präsentieren, aber wir sind sehr zufrieden damit, wie es gelaufen ist. Aber wir freuen uns natürlich auch darauf zu sehen, wie es ohne Corona ist.“

Ihr Autor

BT-Volontärin Nora Strupp

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Erstellt:
19. März 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 41sec

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