Gespräche um altes Kino in Baden-Baden laufen

Baden-Baden (sga) – Baubürgermeister Alexander Uhlig sieht bei dem Gebäude, in dem das alte Kino beheimatet gewesen ist, dringenden Handlungsbedarf. Aktuell laufen diesbezüglich Gespräche.

Baustelle: Während die Lichtentaler Straße im Zuge der Sanierung umgestaltet wird, stehen für die beiden Häuser noch keine genauen Pläne fest. Foto: Sarah Gallenberger

© sga

Baustelle: Während die Lichtentaler Straße im Zuge der Sanierung umgestaltet wird, stehen für die beiden Häuser noch keine genauen Pläne fest. Foto: Sarah Gallenberger

Eins will Alexander Uhlig künftig auf keinen Fall in der Lichtentaler Straße sehen: „Außen hui, innen pfui.“Als Baubürgermeister finde er es „natürlich nicht toll“, wenn ein Gebäude oder gar ganzes Ensemble über mehrere Jahre leer steht. Doch an dieser Stelle sei das „nicht so einfach“. Zwischen dem Rathaus und dem Eigentümer des Gebäudes, in dem einst das Kino beheimatet war, herrsche ein „Verwaltungsrechtsstreit“. Was ist da los?

Wo früher einmal warmes Popcorn ausgegeben wurde, kleben heute Graffitireste an der Außenwand – und auf dem Gelände direkt daneben sieht es nicht besser aus. Büsche und Sträucher erschweren die Sicht auf ein Gebäude. „Das gehört dem gleichen Eigentümer“, weiß Uhlig.

Oberstes Ziel: Weitestgehender Erhalt

Ihm sei bewusst, dass sich an dem „Schlüsselensemble“ in der Lichtentaler Straße seit Jahren nichts mehr getan habe: „Das soll sich ändern.“ Oberstes Ziel: „Der weitestgehende Erhalt.“ Auch deshalb, weil sich der gesamte Komplex im Sanierungsgebiet Südliche Neustadt befinde.

Doch das ist gar nicht so einfach. Die Fassade des Gebäudes, in dem sich zuvor das Kino befand, steht unter Denkmalschutz. Das Haus daneben zwar nicht, „aber es befindet sich im Bereich der Gesamtanlagenschutzsatzung“. Will heißen: Es darf prinzipiell abgerissen werden, jedoch keine Brachfläche entstehen. Uhlig: „Es muss stimmig sein.“

Bisher sind sich laut dem Baubürgermeister der Eigentümer und die Verwaltung darüber nicht einig geworden. Deshalb sei auch lange nichts passiert. Doch auf Nachfrage dieser Zeitung habe er sich auf den aktuellsten Stand bringen lassen.

Heruntergekommen: An der Fassade des Gebäudes kleben zahlreiche Graffiti. Foto: Sarah Gallenberger

© sga

Heruntergekommen: An der Fassade des Gebäudes kleben zahlreiche Graffiti. Foto: Sarah Gallenberger

Deshalb könne er auch die Information bestätigen, dass sich eine Ingenieurgesellschaft aus Baden-Baden mit dem Fall vertraut gemacht hat. Und: Es werde ein Architekturbüro aus der Kurstadt hinzugezogen, mit dem er „sehr zufrieden“ sei – dessen Namen er jedoch noch nicht verraten möchte.

„Im Moment bin ich sehr zufrieden“, betont Uhlig im Gespräch mit dieser Zeitung. Das sei nicht immer so gewesen: „Früher waren hier Akteure im Spiel, da schüttelt es einen nur noch. Die haben gedacht, in Baden-Baden kann man gut Geld machen.“ Seit einem Wechsel der Beteiligten herrsche jedoch ein „gutes Miteinander“.

Verwaltung, Eigentümer, Ingenieurgesellschaft und Architekturbüro müssen nur noch eine geeignete Lösung für den Gebäudekomplex finden. Eine wichtige Rolle spiele dabei auch die GSE als Sanierungsträger. Als Anreiz spricht Uhlig von möglichen Förderungen, von denen man durch das Sanierungsgebiet Südliche Neustadt profitieren könne. Voraussetzung: „Eine ganzheitliche Sanierung. Es muss dem Sanierungsziel entsprechen.“ Ergibt sich künftig eine Lösung, mit der alle einverstanden sind, ist laut Uhlig „die Klage hinfällig“. Derzeit sehe es gut aus, die Gesprächsbasis sei sehr positiv: „Jetzt müssen wir abwarten und hoffen, dass der Streit irgendwann überflüssig ist.“

Zum Thema

Das Land hat der Stadt Baden-Baden für die Erneuerungsmaßnahme zwischen Augustaplatz und Russischer Kirsche eine Finanzhilfe aus dem Bund-Länder-Programm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ in Höhe von 1,9 Millionen Euro bewilligt. Der Bewilligungszeitraum für die Ausführung der Sanierungsmaßnahme wurde der Stadt zufolge bis zum 30. April 2025 festgelegt. In diesem Zeitraum sollen die vorhandenen städtebaulichen Missstände beseitigt werden. Geplant sind laut Verwaltung neben dem fertiggestellten Kreisverkehr am Bertholdplatz unter anderem die Umgestaltung der Lichtentaler Straße unter Berücksichtigung des ruhenden Verkehrs, der Radwege sowie der Fußgänger, die Umgestaltung des Augustaplatzes, die Sanierung und Gestaltung der Maria-Viktoria-Straße und die Qualitätssteigerung der öffentlichen Räume durch Begrünungs- und Beleuchtungskonzepte.

Eine Lösung muss her

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger kommentiert
Und noch ein Gebäude, das seit Jahren so da steht, wie es einst verlassen worden ist. In einer Stadt wie Baden-Baden ist das natürlich tragisch, glänzt sie ansonsten doch mit prachtvollen Bauten, deren Architektur beim Touristen oft Erinnerungen an den letzten Urlaub in Paris wecken. Doch wie jede andere Stadt hat auch diese den einen oder anderen Schandfleck anzubieten. Blöd nur, dass die Lichtentaler Straße nicht so einfach zu verstecken ist – auch nicht, wenn man über die Jahre einfach Busch und Strauch wachsen und die Sicht auf Weiteres einschränken lässt, wie es bei der Hausnummer 52 der Fall ist. Zugegeben: Aus Sicht der Verwaltung gibt es bestimmt Einfacheres, als Einfluss auf Grundstücke zu nehmen, die sich gar nicht im eigenen Besitz finden. Dass in diesem Fall gar ein Rechtsstreit, wie Bürgermeister Alexander Uhlig es betitelt, brodelt, macht es auch nicht einfacher. Dennoch: Eine Lösung muss her. Nicht nur, weil das Gemecker über zu wenig Wohnraum auf der einen Seite und das Verwahrlosen von Bauten auf der anderen Seite nach unzufriedenen Bürgern schreit, sondern weil vor allem die Lichtentaler Straße im Fokus aller Beteiligten stehen sollte. Immerhin weiß da jeder, wovon die Rede ist, weil sich alle an schönere Zeiten erinnern können, zu denen in der Nummer 50 noch Filme abliefen und das Kino zu gemütlichen Abenden einlud. Und dann liegen die Häuser auch noch in einem Gebiet, das aktuell von Grund auf saniert wird. Wie viel Sinn macht so eine Verschönerung, wenn mittendrin zwei heruntergekommene Gebäude stehen?

Sarah Gallenberger. Foto: Nadine Fissl

© nad

Sarah Gallenberger. Foto: Nadine Fissl

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

Zum Artikel

Erstellt:
12. Januar 2022, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 34sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.