Gesucht: Neue Führer für die Rastatter Schlösser

Rastatt (uc) – Die Besucherzahlen in den Schlössern Rastatt und Favorite sind während der Pandemie dramatisch eingebrochen. Die Schlossverwaltung will jetzt neu durchstarten.

Zentraler Raum: Der Ahnensaal wurde wie das ganze barocke Residenzschloss Rastatt unter der Bauherrschaft des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden von Hofbaumeister Domenico Egidio Rossi um 1700 erbaut. Foto: Ulrich Coenen

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Zentraler Raum: Der Ahnensaal wurde wie das ganze barocke Residenzschloss Rastatt unter der Bauherrschaft des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden von Hofbaumeister Domenico Egidio Rossi um 1700 erbaut. Foto: Ulrich Coenen

Die Besucherzahlen in den Schlössern Rastatt und Favorite sind während der Corona-Pandemie dramatisch eingebrochen. Die Schlossverwaltung will jetzt neu durchstarten. Magda Ritter, Leiterin der Schlossverwaltung Rastatt der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, hat aber keineswegs Angst um die wertvolle Bausubstanz. Ihr geht es um den Bildungsauftrag, der durch die Pandemie gefährdet wird.
Führungen konnten in den beiden vergangenen Jahren im Residenzschloss Rastatt und in Schloss Favorite nur sehr eingeschränkt stattfinden. Das hat für das landeseigene Unternehmen auch finanzielle Auswirkungen. Die Eintrittsgelder, die zum Erhalt der Kulturdenkmäler beitragen, fehlen in der Kasse. Einige Schlossführer haben gekündigt. Ritter schreibt aktuell neue Stellen aus.

Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Schlösser und Gärten, blickt kummervoll zurück. „Nicht nur die Besucherzahlen und die Einnahmen, sondern auch die Aktualität und Relevanz der Schlösser als potenzielles Besuchsziel sanken dadurch dramatisch.“

Schlösser wieder als Erlebnisorte in die Köpfe bringen

Hörrmann will jetzt durchstarten. „Unsere große Herausforderung für 2022 besteht darin, die Schlösser rasch wieder als attraktives Ausflugsziel und besonderen Erlebnisort in Köpfe der potenziellen Besucherinnen und Besucher zu bringen, sowohl aus dem Nah- wie Fernbereich. Darauf konzentrieren wir unsere Anstrengungen in diesem Jahr.“

Insgesamt betreut die Schlossverwaltung Rastatt acht Monumente. Die barocken Schlösser Rastatt und Favorite sind die einzigen, die vom Landesbetrieb selbst bewirtschaftet werden. Die anderen sind verpachtet. Dazu gehören das Alte Schloss und Burg Alt-Eberstein in Baden-Baden, aber auch die römische Badruine in Badenweiler.

Die Burgruine Yburg über dem Baden-Badener Rebland, die seit dem vergangenen Jahr geschlossen ist, hat Sanierungsbedarf. Sie wurde im Oktober 2021 deshalb vorübergehend aus dem Portfolio der Rastatter Schlossverwaltung herausgelöst, bis die Arbeiten abgeschlossen sind. Verantwortlich ist jetzt das Amt Pforzheim des Landesbetriebs Vermögen und Bau.

In der Schlossverwaltung Rastatt sind 23 Mitarbeiter tätig, darunter elf Schlossführer. Die Schlösser Rastatt und Favorite sind die wichtigsten Aufgaben, weil sie mit eigenem Personal betrieben werden. Dazu gehören nicht nur Führungen, sondern auch Veranstaltungen wie Konzerte. Im Gartensaal von Schloss Favorite sind auch standesamtliche Trauungen möglich.

Magda Ritter erinnert sich mit Grauen an das erste Pandemiejahr 2020. „Am 15. März haben wir die Sommersaison in Schloss Favorite eröffnet“, berichtet sie. „Nach nur einem Tag war wegen Corona bereits wieder Schluss.“ Weil Favorite im Gegensatz zu Schloss Rastatt im Winter für das Publikum nicht zugänglich ist, ist die Wiedereröffnung regelmäßig mit erheblichem Aufwand verbunden. „Wir hatten alles vorbereitet, sind von null auf hundert gestartet und mussten eine Vollbremsung hinlegen“, erinnert sich Ritter.

Auch das 2021 verlief problematisch

Am 28. Mai 2020 durfte Favorite mit einem Hygienekonzept eröffnet werden. Das gilt bis heute. Führungen waren aber damals nur sehr eingeschränkt möglich und beschränkten sich auf das Erdgeschoss. Die Beletage mit den Repräsentationsräumen blieb dem Publikum vorübergehend verborgen. „Außerdem mussten wir sämtliche Veranstaltungen absagen“, sagt Ritter. „Alle Verträge für Konzerte und Trauungen wurden storniert.“

Das Jahr 2021 verlief nicht minder problematisch. Erst Ende Juni wurde das Schloss geöffnet. „Wir haben auf viele Eintrittsgelder verzichten müssen und konnten bei den reduzierten Führungen natürlich auch nicht das volle Eintrittsgeld verlangen“, erklärt Ritter.

Fabienne Neumann, die als Führerin in Rastatt und Favorite arbeitet, berichtet, dass die Größe der Gruppen aus Hygienegründen reduziert wurde. Statt 20 waren nun nur noch zwölf Teilnehmer möglich. Der Besuch der Beletage steht aber inzwischen wieder auf dem Programm.

Die Schlossführer, die Rastatt und Favorite betreuen, mussten in der Pandemie Überstunden abbauen und ihren Resturlaub nehmen. „Wir waren allerdings nicht untätig und haben interne Online-Fortbildungen angeboten und Gästebriefe in drei Sprachen erstellt“, erklärt Ritter.

Die Verwaltungschefin hofft endlich auf ein normales Jahr. Die Vorbereitungen dafür sind abgeschlossen. Alleine für Schloss Favorite sind 19 Sonderveranstaltungen geplant. Jetzt muss nur noch die Pandemie mitspielen.

Zum Thema: Einbruch der Besucherzahlen

Die Besucherzahlen brachen durch Corona dramatisch ein. In Schloss Favorite fanden 2019 noch 21.178 Führungen statt. Im Jahr 2020 waren es lediglich 3.761 und 2021 nur 3.771. Die Situation im Residenzschloss ist noch gravierender. Nach 119.413 Führungen im Jahr 2019 sank die Zahl 2020 auf 8.815 und 2021 auf 10.876.

Insgesamt betreuen die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg 62 Kulturdenkmäler vom Schloss bis zum Kloster. Es handelt sich um eine Anstalt des öffentliches Rechts mit 480 Mitarbeitern. Rund vier Millionen Besucher kommen in normalen Jahren, um die Monumente zu sehen. Es gibt elf Ortsverwaltungen, zu denen Rastatt zählt.

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