Gesundheitsamt Rastatt seit Pandemie am Anschlag

Rastatt (kos) – Bei einem Besuch im Rastatter Gesundheitsamt wird klar, dass die Ausnahmesituation, die längst zur Regel geworden ist, bei den Mitarbeitern körperlich und seelisch Spuren hinterlässt.

Noch herrscht Papierkrieg: Eva Schultz (links) und Ute Friess hoffen auf mehr Digitalisierung im Corona-Management. Erste Schritte wurden schon unternommen. Foto: Konstantin Stoll

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Noch herrscht Papierkrieg: Eva Schultz (links) und Ute Friess hoffen auf mehr Digitalisierung im Corona-Management. Erste Schritte wurden schon unternommen. Foto: Konstantin Stoll

Bis zu 1.000 Corona-Fälle pro Tag setzen der Belastbarkeit der Mitarbeiter unvermindert zu. Neben den Pflegekräften leisten diese „Corona-Manager“ auch im Rastatter Gesundheitsamt einen Großteil der Pandemiebekämpfung.

„Wir sind alle an der Belastungsgrenze“: Verwaltungsmitarbeiterin Lena B., die anders heißt, aber lieber anonym bleiben will, kann kaum noch überblicken, wie viele Corona-Fälle in den vergangenen Wochen etwa auf ihrem Schreibtisch gelandet sind. Der Arbeitsaufwand sei vor allem mit der deutlich ansteckenderen Omikron-Variante ins schier Unermessliche gestiegen. „Man funktioniert nur noch“, fasst sie ihre Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre zusammen, die sie im Rastatter Gesundheitsamt, das auch für den Stadtkreis Baden-Baden zuständig ist, gesammelt hat.

Berichte von psychischer und körperlicher Belastung

Nicht nur bei ihr habe das Spuren hinterlassen, womit sie nicht nur für sich spricht: Unter ihren Kollegen habe sie von psychischen, aber auch von körperlichen Folgen erfahren. Schuld sei die kaum zu bewältigende Arbeitsmasse, die auf zu wenig Personal zurückzuführen sei, berichtet sie. Insgesamt 34 Vollzeit-Kräfte seien schlicht zu wenig. Auch Arbeitstage mit rund zehn bis zwölf Stunden seien keine Seltenheit, sagt sie.

Daher sei auch kein privater Ausgleich mehr möglich, zumal die Pandemie auch nach Büroschluss keinen Feierabend mache. Auch wenn zeitweise die Bundeswehr und andere Behörden des Landratsamts Mitarbeiter zur Unterstützung abgestellt hatten, könne das Personal eine vollumfängliche Kontaktnachverfolgung schlicht nicht mehr leisten, so Lena B. Aber nicht allein die Überstunden, die durch die enormen Infektionszahlen im Land- und Stadtkreis entstehen, setzen ihr und ihren Kollegen zu.

Lockerungen werden mit Sorge gesehen

Mitunter sorgen die regelmäßigen Änderungen der Corona-Landesverordnung für Durcheinander – vermehrt auch am Freitagnachmittag kurz vor Dienstschluss, was dann für zusätzlichen Stress sorgen würde. Die aktuell diskutierten Öffnungsschritte werden im Gesundheitsamt mit einer gewissen Sorge gesehen: Durch den Wegfall zahlreicher Kontaktbeschränkungen befürchtet man dort eine neue Flut von Infektionsfällen. Lena B. erschließe sich die Kombination von Lockerung mit den nach wie vor explodierenden Infektionszahlen nicht.

Zum Problem sei das auch durch die Omikron-Welle geworden. Während im Jahr 2020 zwischen März und Oktober rund 1.000 Fälle gemeldet wurden, sei es mittlerweile gängig, diese Anzahl an einem einzelnen Tag zu erhalten. Wenn pro Corona-Fall im Schnitt mit drei Stunden Kontaktnachverfolgung gerechnet wird, sei dieser Workload schlicht nicht mehr zu bewältigen, so Lena B.

Das bestätigt auch Eva Schultz, Leiterin des Gesundheitsamts. Mit weniger Beschränkungen würden auch die Aufgaben exponentiell ansteigen. Das macht sich auch optisch im Büro bemerkbar: Der immer wieder berufene Papierkrieg der Behörden existiert auch in Rastatt: „Die Zettelwirtschaft wird noch gefüttert“, erklärt Schultz. Der Grund dafür ist einfach: „Viele um uns herum arbeiten noch nicht digital“, sagt Ute Friess, zuständig für das Meldewesen. Da viele Bürger ihre Ergebnisse altmodisch per Fax oder Hauspost schicken und es noch keine für alle zugängliche Meldeplattform gibt, sei ein rein digitales Arbeiten noch nicht möglich, erklärt Friess. Zudem müssten Ergebnisse von Schnelltests immer noch auf Papier ausgedruckt werden. Das lasse sich nie ganz verhindern, fügt Friess hinzu.

Erste Schritte in die digitale Zukunft unternommen

Ein möglicher Lichtblick für das Problem könne aber das Programm „Sormas“, eine Software zum Maßnahmenmanagement der Epidemiebekämpfung, sein. Damit könne man Infektionsfälle automatisiert an die betroffenen Gemeinden übermittel werden. In Rastatt habe man dafür als „Pilotgesundheitsamt“ in Baden-Württemberg an der Erprobung dieses Systems teilgenommen und gute Erfahrungen gemacht, meint Schultz.

Ihr Autor

BT-Volontär Konstantin Stoll

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Erstellt:
23. Februar 2022, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 45sec

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