Gesundheitsamt: am Rande der Belastungsgrenze

Rastatt (naf) – Das Rastatter Gesundheitsamt hat alle Hände voll zu tun – Kitaschließungen stehen trotzdem nicht zur Debatte. Außerdem wurde die Quarantäneregel bei Kontakt mit Kontaktperson gekippt.

Riesige Anforderungen an das Rastatter Gesundheitsamt: Die Kontaktnachverfolgung wird beschwerlicher. Foto: Jochen Denker/Archiv

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Riesige Anforderungen an das Rastatter Gesundheitsamt: Die Kontaktnachverfolgung wird beschwerlicher. Foto: Jochen Denker/Archiv

Es fühlt sich an wie ein Déjà-vu: Die Infektionszahlen steigen und Diskussionen über schärfere Auflagen flammen wieder auf. Die Situation im Rastatter Gesundheitsamt ist außerdem „mehr als angespannt“, sagt Pressesprecher Benjamin Wedewart. Die Mitarbeiter seien am Rande der Belastungsgrenze.

Die Infektionsketten könnten zwar nach wie vor nachvollzogen werden, so der Pressesprecher, allerdings nur mit zeitlicher Verzögerung. Vor allem die Virusmutanten würden dafür sorgen, dass die Lage im Gesundheitsamt „sehr angespannt“ ist.

Um die Mitarbeiter dort möglichst zu entlasten, unterstützen weiterhin Soldaten bei der Kontaktnachverfolgung. „Jeder, der im Haus abkömmlich ist, steht im Dienst des Gesundheitsamts“, bestätigt Wedewart. Trotzdem kommen die Mitarbeiter kaum hinterher. „Mit immer mehr Öffnungen haben die Kontaktermittler auch wesentlich mehr zu tun“, erklärt er. Es sei nun mal ein Unterschied, ob man nur eine handvoll oder über zehn Kontaktpersonen erreichen müsse. Bei der Frage nach Konsequenzen aus dieser Entwicklung schaut das Landratsamt auf die Ministerpräsidentenkonferenz am kommenden Montag. „Eine politische Entscheidung muss getroffen werden“, sagt Wedewart. Bis das der Fall ist, wolle man keine Allgemeinverfügung erlassen, um beispielsweise Kitas zu schließen. „Das würde die Lage auch nicht hergeben, wir müssten das ja auch dementsprechend begründen“, schließlich liegen weit über 100 Kitas im Zuständigkeitsgebiet.

Flächendeckende Entscheidung soll her

Mannheim ist diesen Schritt bereits gegangen – seit gestern sind alle Kitas zu. Als Grund wird der gestiegene Inzidenzwert genannt sowie mehrfache Ansteckungen in den Einrichtungen. In Mannheim lag der Wert gestern bei 119, im Landkreis Rastatt bei 168. Doch das Landratsamt hofft auf eine flächendeckende Entscheidung von der Landesregierung – auch eine mögliche Maskenpflicht in der Grundschule betreffend.

Der Städtetag hingegen will den Verzicht auf Mund- und Nasenschutz an Grundschulen auf den Prüfstand stellen. Laut dpa werde der Verband das Thema bei einem Treffen mit dem Kultusministerium erörtern.

Unterdessen kam es gestern bereits zu einer weiteren Änderung der Landesverordnung. Kontaktpersonen von Menschen, die mit einem – mit einer Virusvariation – Infizierten in Berührung gekommen sind, müssen sich selbst nicht mehr in Quarantäne begeben. Ein Ehepaar hatte gegen die aus seiner Sicht unverhältnismäßigen Quarantäneregeln für Kontaktpersonen von Kontaktpersonen erfolgreich geklagt. Konkret nennt das Land dabei das familiäre Umfeld von Schülern, die an der Schule mit einem anderen positiv getesteten Schüler aus der eigenen Klasse Kontakt hatten.


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