Gesundheitsversorgung zieht Senioren nach Baden-Baden

Baden-Baden (hez) – Laut dem Statistischen Landesamt liegt Baden-Baden beim Anteil der Hochbetagten in der Bevölkerung an der Spitze. Das habe mit der Gesundheitsversorgung vor Ort zu tun.

Senioren fühlen sich wohl in Baden-Baden, das neben allgemeiner Lebensqualität auch eine gute medizinische Versorgung bietet.Foto: Uli Deck/dpa

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Senioren fühlen sich wohl in Baden-Baden, das neben allgemeiner Lebensqualität auch eine gute medizinische Versorgung bietet.Foto: Uli Deck/dpa

Auch wenn die Kurstadt in den vergangenen Jahren besonders durch die Schaffung von Wohnraum für junge Familien interessanter geworden ist, so wird man wohl auch auf längere Sicht eine Spitzenposition im Land nicht verlieren. Mit 3,9 Prozent ist der Anteil der Hochbetagten (über 85 Jahre) an der Gesamtbevölkerung größer als in allen anderen Stadt- und Landkreisen.

Schauspieler Gustav Knuth hat einmal gesagt: „Alle wollen alt werden, aber keiner will es sein!“ Da mag er schon recht haben, aber wenn man denn schon alt ist, dann offensichtlich am liebsten in Baden-Baden. 2.172 Hochbetagte wurden Ende 2020 an der Oos gezählt, rund zwei Drittel davon sind Frauen. Damit gehört jeder 26. Einwohner zu dieser Altersgruppe. Dies ist eine leichte Zunahme gegenüber dem Jahr 2019, als 2.079 Baden-Badener mindestens 85 Jahre alt waren. Erhöht hat sich hier auch die Zahl der Menschen im Alter von 100 Jahren oder mehr: 24 Personen haben ein „dreistelliges“ Alter erreicht, Ende 2019 waren es noch 16.

Generell höhere Lebenserwartung

Auf Landesebene hat die Zahl der Hochbetagten seit Gründung des Südweststaats 1952 nun einen neuen Höchststand erklommen. Die Gründe für diese Entwicklung sind laut Statistischem Landesamt zum einen auf die Altersstruktur der Bevölkerung und zum anderen auf die stetig zunehmende Lebenserwartung zurückzuführen. Ein neugeborener Junge kann heute in Baden-Württemberg auf eine durchschnittliche Lebenserwartung von knapp 80 Jahren hoffen, ein neugeborenes Mädchen sogar auf gut 84 Jahre. Damit liegt die Lebenserwartung Neugeborener um knapp zehn Jahre bei den Frauen beziehungsweise um gut elf Jahre bei den Männern höher als zu Beginn der 70er Jahre.

In Baden-Baden ist die Entwicklung bei den 85-Jährigen und Älteren nicht kontinuierlich und der jetzige Stand auch kein Spitzenwert. Immer wieder gab es zwischendurch auch Rückgänge. Ein sehr hoher Wert war allerdings im Jahr 2010 festzustellen, als 2.332 Hochbetagte an der Oos für einen hohen Bevölkerungsanteil von 4,3 Prozent sorgten. Da liegt man momentan doch noch etwas drunter.

Vor allem mehr 70- bis 80-Jährige ziehen her

Auch bei dem Anteil der Senioren allgemein (ab 65 Jahre) gibt es in Baden-Baden ein gewisses Auf und Ab, wenn auch langfristig ein ansteigender Trend zu bemerken ist. Und daran wird sich laut einer Bevölkerungsvorausrechnung des Statistischen Landesamts auch nichts ändern. Erwartet wird, dass die Zahl der ab 65-Jährigen in der Kurstadt von 14.482 (Ende 2020) bis 2035 auf 18.189 klettern wird.

Baden-Badens grundsätzliches Bevölkerungswachstum und auch die Entwicklung bei den höheren Altersgruppen hängt mit der Zuwanderung zusammen. Baden-Baden wies zwar auch in den Jahren 2015 bis 2018 einen positiven Wanderungssaldo auf; dieser ist aber gegenüber dem des Zeitraums 2000 bis 2003 gesunken, heißt es in einer Analyse der Landesstatistiker. Wanderungsgewinne gab es zuletzt vor allem in der Altersgruppe der 70- bis unter 80-Jährigen. Hier erzielte Baden-Baden – wie bereits im Zeitraum 2000 bis 2003 – den höchsten positiven Saldo der 44 Stadt- und Landkreise.

Und warum ziehen die Senioren so gerne in die Kurstadt Baden-Baden? Die Statistiker haben sich auf die Suche nach den Umzugsursachen gemacht und kommen zu dem Schluss, dass die Kurstadt besonders interessant ist für den sogenannten „Wanderungstyp 2“. Dieser ist oftmals durch nachlassende Gesundheit und zunehmenden Hilfebedarf der Älteren gekennzeichnet, heißt es. Die Gesundheitsversorgung vor Ort spielt deshalb hier eine wesentliche Rolle.

Ihr Autor

BT-Redakteur Henning Zorn

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Erstellt:
18. November 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 44sec

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