Gewässersituation in Mittelbaden dramatisch

Rastatt (fk/red) – Im Bereich des Landkreises ist die Lage der Gewässer dramatisch schlecht. Das Umweltamt hat daher die Wasserentnahme strikt untersagt.

Unterhalb der Rastatter Franzbrücke hat die Murg nur noch die Breite eines Bachlaufs. Foto: Frank Vetter/BT

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Unterhalb der Rastatter Franzbrücke hat die Murg nur noch die Breite eines Bachlaufs. Foto: Frank Vetter/BT

Knapp 15, 16 Zentimeter hoch steht das Wasser in der Murg am Pegel Rotenfels am Dienstag, der Abfluss liegt teilweise bei weniger als zwei Kubikmeter pro Sekunde. „Das ist gerade mal noch ein Achtel des Mittelwerts“, verdeutlicht Wolfgang Hennegriff, Leiter des Umweltamtes im Landratsamt Rastatt, die dramatische Situation. Die Behörde sieht sich deshalb dazu veranlasst, Wasserentnahmen aus den mittelbadischen Gewässern strikt zu untersagen.

Das hatte die Behörde zwar schon am 28. Juli getan, aber seitdem habe sich die Situation noch mal verschärft. Geringe Niederschläge und hohe Lufttemperaturen hätten dafür gesorgt, dass die Fließgewässer zum Teil nur noch wenig Wasser führen. Besonders in den Nebenflüssen und Zuflüssen der größeren Flüsse sei das wirklich dramatisch, unterstreicht Hennegriff gegenüber dem Badischen Tagblatt. „Sie sind zum Teil komplett ausgetrocknet.“ Wasser stehe nur noch in Vertiefungen im Bachbett.

Niedriger Sauerstoffgehalt

Sie seien der letzte Rückzugsraum für die Fische und die übrige „wassergebundene Fauna“. Würde aus solchen „Gumben“ noch Wasser entnommen, wäre das Hennegriff zufolge quasi ein Todesurteil für die Lebewesen. Denn auch der Sauerstoffgehalt eines entsprechenden Gewässers werde immer niedriger, je weniger Wasser durch das Bett laufe. Hinzu kämen die anhaltend hohen Temperaturen, die diesen Trend verstärkten.

Einzelne lokale Schauer hätten das Wasserniveau der Gewässer nicht nachhaltig verbessert, heißt es aus dem Landratsamt. Und weiter: „Gemäß den Wettervorhersagen ist auch weiterhin nicht mit größeren Niederschlagsmengen, die zu einer Entspannung der Niedrigwassersituation und Erholung der Gewässer beitragen können, zu rechnen.“ Führten die Bäche nicht ausreichend Wasser, werde neben den Beeinträchtigungen für die Fauna auch die Selbstreinigungskraft der Gewässer vermindert.

Auswirkungen auf Wasserversorgung

Der „Gemeingebrauch“ erlaubt der Behörde zufolge die Wasserentnahmen zum Gießen des Gartens in geringen Mengen. Das dürfe jedoch nur soweit gehen, dass noch genügend Wasser im Gewässer bleibe und erst recht in Zeiten von Niedrigwasser keine Beeinträchtigung des Wasserhaushalts und der sensiblen Gewässerökologie erfolge. Daher gilt: „Bei den derzeitigen Wasserständen ist das Abpumpen und Abschöpfen selbst geringer Wassermengen kritisch und kann die vielfältigen Funktionen des Gewässers gefährden und zu gewässerökologischen Schäden der Tier- und Pflanzenwelt führen.“

Das Landratsamt Rastatt sieht aus diesem Grund jeden Einzelnen in der Verantwortung, den Wasserhaushalt zu schonen und Wasserentnahmen aus Bächen und Flüssen derzeit zu unterlassen.

Die Folgen der allgemeinen Gewässerentwicklung betrifft dem Referatsleiter für Fließgewässer Ökologie bei der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), Uwe Bergdolt, zufolge auch die Landwirtschaft. Und Kraftwerke könnten betroffen sein, weil sie große Mengen Kühlwasser brauchen. Zudem leide die Schifffahrt (wir berichteten).

Bergdolt hatte schon vergangenen Woche gemahnt, dass vermutlich auch Auswirkungen auf die Wasserversorgung hinzukommen. Bereits jetzt schließen sich nach Bergdolts Angaben Regionen zu Verbünden zusammen, um Knappheit gegenseitig ausgleichen zu können.

Ein Interview mit Wolfgang Hennegriff aus der BT-Serie „Vier Fragen an“ können Sie hier lesen.

Ihr Autor

Florian Krekel

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Erstellt:
16. September 2020, 15:50 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 26sec

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