Gewerbegebiet auf PFC-verseuchter Fläche in Bühl geplant

Bühl (sre) – In dem Bereich nördlich des Areals Bußmatten plant die Stadt Bühl ein neues Gewerbegebiet. Durch die flächendeckende Bebauung der PFC-verseuchten Fläche soll das Grundwasser geschützt werden.

In Bühl soll ein neues Gewerbegebiet entstehen. Foto: Archiv

In Bühl soll ein neues Gewerbegebiet entstehen. Foto: Archiv

Die Verseuchung von Flächen mit perfluorierten Chemikalien (PFC) stellt Mittelbaden auch langfristig vor große Herausforderungen. Bühl schreitet nun voran und plant, eine verseuchte Fläche als Gewerbegebiet zu erschließen und mit einer Sanierung dabei gleichzeitig zu verhindern, dass weiter Schadstoffe ins Grundwasser eindringen.

Am Mittwoch soll der Gemeinderat über den Entwurf eines Sanierungsplans abstimmen und die nächsten Schritte auf den Weg bringen. Im Rahmen umfangreicher Untersuchungen wurden laut den Sitzungsunterlagen auf Ackerflächen, die sowohl im als auch nördlich des bestehenden Gewerbegebietes Bußmatten liegen, zum Teil erhebliche PFC-Belastungen vorgefunden. Auf einem Großteil der Flächen wird aktuell Ackerbau betrieben, eine Teilfläche wird von der Firma Picosens genutzt. Bevor die Firma dort allerdings ab 2014 ein Forschungsgebäude errichtet hat, wurde auf dem Gelände ebenfalls Ackerbau betrieben. Die Experten gehen davon aus, dass in der Vergangenheit auf dem gesamten Gebiet mit Ausnahme einer einzigen Wiese flächig PFC-haltiger Dünger beziehungsweise Kompost ausgebracht worden ist.

Die Sanierung des dadurch entstandenen Schadens ist kostspielig: Nur in Kombination mit der Erschließung eines Gewerbegebietes sei diese „verhältnismäßig und dadurch auch wirtschaftlich“, heißt es vonseiten der Verwaltung. Sprich: Das Geld, das die Stadt am Gewerbegebiet verdienen kann, benötigt sie, um die Chemikalie im Boden unschädlich zu machen. Letzteres soll durch eine Versiegelung der Oberfläche erfolgen, wie aus den Sitzungsunterlagen hervorgeht.

Komplette Versiegelung notwendig

Bei dieser Sicherungsvariante wird das Versickern von Niederschlagswasser und damit der Transport der Schadstoffe ins Grundwasser unterbunden. Dafür wird die Oberfläche mit einer vollflächigen Bebauung beziehungsweise Versiegelung versehen. Da der komplette Bereich versiegelt werden soll, werden weitere Grundstücke im Norden des Untersuchungsgebietes für Entwässerungsbauten wie einen Entwässerungsgraben und ein Schmutzfangbecken benötigt. Diese sollen im Rahmen der späteren Erschließung errichtet werden.

Bei der Abdichtung der Fläche durch Bebauung werden laut Verwaltung nur die Mehrkosten der Sanierung im Vergleich zu den generellen Erschließungskosten angesetzt. Vor diesem Hintergrund sind Sanierungskosten in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro veranschlagt. Um die Maßnahme umzusetzen, soll sich das Sanierungsgebiet vollständig im Eigentum der Stadt Bühl befinden.

Grundstückseigentümer sollen verkaufen

Die Verwaltung will deshalb mit den Grundstückseigentümern im betroffenen Gebiet Kaufverträge abschließen. Allen Landwirten, die im geplanten Sanierungsgebiet Flächen bewirtschaften, werden von der Stadt Ersatzflächen angeboten.

Um das etwa 12 000 Quadratmeter große Sanierungsgebiet zu versiegeln, muss dieses zunächst eben gemacht werden. Dafür wird mehr Material benötigt, als vor Ort vorhanden ist. Es ist deshalb vorgesehen, auch PFC-verseuchten Aushub aus anderen Bereichen im Landkreis Rastatt oder dem Stadtkreis Baden-Baden zu verbauen. Konkrete Gespräche mit anderen Kommunen habe man diesbezüglich noch nicht geführt, erläuterte Oberbürgermeister Hubert Schnurr auf BT-Nachfrage. Dies sei dann ein weiterer Schritt. Das Landratsamt würde jedoch zu einem solchen Vorgehen grünes Licht geben, das habe man bereits geklärt.

Zum Beispiel wäre es laut den Sitzungsunterlagen möglich, im geplanten Sanierungsgebiet PFC-haltiges Bodenmaterial einzubauen, das aktuell beim Bau der vierten Reinigungsstufe des Abwasserzweckverbands anfällt. Allein dadurch könne der Abwasserzweckverband Entsorgungskosten in Höhe von mindestens 1,5 Millionen Euro vermeiden, argumentiert die Verwaltung. Diese Ersparnis sei bei den 1,4 Millionen Euro Sanierungskosten noch nicht berücksichtigt. Hinzu kämen auch noch die möglichen Erlöse aus dem Verkauf der Gewerbegrundstücke.

Die Idee, eine PFC-verseuchte Fläche zum Gewerbegebiet zu machen, ist bei der Bühler Stadtverwaltung entstanden und in dieser Form noch nirgendwo in Mittelbaden realisiert worden. „Das wäre ein Pilotprojekt“, macht Schnurr im BT-Gespräch deutlich. So könne man sich der Bewältigung des PFC-Problems praktisch nähern.

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Erstellt:
6. Juli 2020, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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