Gewerbegebiete: Rastatt ziemlich blank

Rastatt (ema) – Die Stadt Rastatt ist beim Angebot von Gewerbeflächen ziemlich abgemagert. Ein Schlaglicht auf das dürre Potenzial ist gerade mit dem bevorstehenden Abzug der Firma Medifa gefallen.

Gerade beim Cronauer-Areal entlang der Rauentaler Straße (Mitte) setzt die Stadt auf neue Impulse durch einen Eigentümerwechsel. Foto: Willi Walter

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Gerade beim Cronauer-Areal entlang der Rauentaler Straße (Mitte) setzt die Stadt auf neue Impulse durch einen Eigentümerwechsel. Foto: Willi Walter

Die Wirtschaftsförderung setzt nun nach Eigentümerwechseln auf neue Impulse im Gewerbegebiet Ost.
Medifa-Chef Wolfgang Hohnhaus konnte sich kürzlich einen Seitenhieb Richtung Barockstadt nicht verkneifen. Die Stadt Rastatt habe nicht gerade große Ambitionen gezeigt, um das Unternehmen zu halten, erklärte der Geschäftsführer beim symbolischen Spatenstich für die neue Firmenzentrale in Steinbach.

Der Rastatter Wirtschaftsförderer Torsten von Appen hält die Kritik für ungerechtfertigt. Denn: Ein offizielles Schreiben von Medifa zur Standortsuche für ein 3,5 Hektar großes Areal habe man erst Mitte Mai erhalten. Allerdings gab es bereits seit Mai 2020 einen ersten Austausch zu dem Thema.

Doch selbst wenn der Kontakt früher zustande gekommen wäre: Die zwei vom Unternehmen genannten wichtigen Kriterien, Planungssicherheit in einem unbelasteten Gelände und sofortige Verfügbarkeit der Fläche, könnte die Stadt derzeit gar nicht erfüllen. Im städtischen Eigentum befinden sich noch ein 5.000 und ein 16.000 Quadratmeter großes Grundstück im Rotacker. Das Problem: Beide Flächen – für die kleinere interessiert sich der Schutzbekleidungshersteller Dach – sind stark mit PFC verseucht. Aber auch im Privateigentum gibt es laut Appen derzeit kein Grundstück, das den Erfordernissen von Medifa entsprochen hätte. Die Stadt sieht sich derweil weiter mit vielen Interessenten konfrontiert. Allein in diesem Jahr habe man schon mehr als 30 Anfragen nach Gewerbegrundstücken registriert.

Von Offensive wenig zu spüren

Ein Ass glaubte die Stadt immer mit dem Gewerbegebiet Ost im Ärmel zu haben. Groß war die Hoffnung, als man im Jahr 2014 mit finanzieller Förderung der Landesregierung das Projekt „Kooperative Entwicklungsoffensive im Rastatter Alt-Gewerbegebiet Ost“ anstieß. 51 Hektar umfasst das Gebiet; rund zwölf davon liegen brach, die man aktivieren will in Kooperation mit den Eigentümern. Ziel war und ist es, die heterogenen Bereiche neu zu ordnen und Perspektiven für eine innere Erschließung sowie einer kleingewerblichen Struktur aufzuzeigen.

Doch von Offensive bei diesem städtebaulichen Entwicklungskonzept ist nicht viel zu spüren. Vor zwei Jahren legten Verwaltung und Gemeinderat nach, als man für einen Teil der Großfläche den Bebauungsplan „Gewerbegebiet Rauentaler Straße 47-49“ auf den Weg brachte. Der Geltungsbereich umfasst im Wesentlichen die ehemaligen Fabriken Cronauer, RTR sowie angrenzende Wohnhäuser. Wesentliche Ziele: ein Gewerbegebiet mit hochwertigen Nutzungen im Bereich Dienstleistungen, Produktion und Handwerk. Dabei will man ganz bewusst Logistiker vermeiden, die viel Fläche verbrauchen und Lkw-Verkehr erzeugen. Hoffnung hegt der Wirtschaftsförderer speziell beim rund 40.000 Quadratmeter großen Cronauer-Areal, nachdem sich dort ein Eigentümerwechsel abzeichnet. Man führe „vielversprechende Gespräche“ mit dem potenziellen Erwerber. Auch die umliegenden Eigentümer wolle man einbeziehen, so von Appen.

In den Blick nimmt die Wirtschaftsförderung auch den Bereich Hardbergstraße. Gestern Abend brachte der Gemeinderat dazu zwei Bebauungspläne auf den Weg. Im Westen will man eine kleingewerbliche Struktur mit Schwerpunkt auf Büro- und Dienstleistungsnutzung sowie ein Gründer-/Fertigungszentrum für junge Firmen entwickeln. Im Osten ist eine am Bestand orientierte Entwicklung mit Gewerbe sowie Produktions- und Verarbeitungsbetrieben vorgesehen.

Ruhig bleibt es hingegen beim Rosen-Binz-Areal, das sogar insgesamt 52.000 Quadratmeter zwischen Bahnlinie, Rauentaler Straße und Steingerüst umfasst. Das Areal gehört einer Erbengemeinschaft; laut Wirtschaftsförderer ist offen, ob irgendwann die Gesamtfläche oder einzelne Parzellen auf den Markt kommen.

Nur eines liegt für von Appen auf der Hand: Die Stadt selbst wird hier als Grundstückskäufer nicht in Aktion treten.

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Erstellt:
19. Oktober 2021, 17:25 Uhr
Lesedauer:
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