Gewinner in der Corona-Krise

Baden-Baden/Malsch (vo) – Die Freizeitfahrzeug-Branche eilt bundesweit von Rekord zu Rekord. Auch bei Gast in Malsch steigen die Umsätze.

Flexibilität im Urlaub und auf Reisen: Das Zuhause auf vier Rädern wird bei den Deutschen immer beliebter. Foto: CIVD

© CIVD

Flexibilität im Urlaub und auf Reisen: Das Zuhause auf vier Rädern wird bei den Deutschen immer beliebter. Foto: CIVD

„Von solchen Umsätzen haben wir jahrelang geträumt“, sagt Armin Gantner. Zusammen mit seinem Partner Klaus Strickfaden verkauft und vermietet er seit nunmehr 30 Jahren Wohnmobile sowie Caravans. Einen solchen Boom wie in diesen Pandemie-Zeiten hat er jedoch noch nicht erlebt. Die gesamte Branche in Deutschland eilt von Rekord zu Rekord und ist eine der wenigen Gewinner der Corona-Krise.

So viele Freizeitmobile zugelassen wie noch nie

Nachdem bereits im vergangenen Jahr bundesweit 12,5 Milliarden Euro (Plus sechs Prozent) umgesetzt werden konnten, rechnet die große Mehrheit der Hersteller und Händler mit einer weiteren Steigerung vor allem auf dem Heimatmarkt. Die bisherige Entwicklung bestätigt diese Einschätzung: In den ersten vier Monaten des Jahres sind in Deutschland so viele Freizeitmobile zugelassen worden wie noch nie. Die Zahl stieg nach aktuellen Angaben des Verbandes CIVD im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 27,8 Prozent auf 35.322.

Gefragt waren vor allem Wohnmobile: 27.568 Neuzulassungen bedeuteten ein Plus von 39,2 Prozent. Selbst im Caravan-Segment zeichnet sich ein Aufschwung ab. Die Neuzulassungen von Wohnwagen hatten nämlich unter anderem aufgrund der Wiederanhebung der Mehrwertsteuer, aber auch wegen geschlossener Campingplätze in der Pandemie einige Federn gelassen. In den ersten vier Monaten des Jahres lagen sie noch 1,1 Prozent unter dem Niveau von 2020. Grundsätzlich habe die Nachfrage durch die Corona-Pandemie einen zusätzlichen Schub bekommen, da Urlauber mit Reisemobil oder Caravan individuell und autark verreisen könnten, heißt es beim Verband.

„Wir werden von den Kunden geradezu überrannt“

Armin Gantner ( Foto: Gast) kann dies bestätigen. „Wir werden von den Kunden geradezu überrannt“, sagt er. 2020 war für seine Firma Gast Caravaning in Malsch ein Rekordjahr mit nahezu 900 verkauften Fahrzeugen sowie einem Umsatzsprung von 45 Prozent. Und die ersten Monate in diesem Jahr deuten sogar auf eine noch bessere Entwicklung hin. Momentan reichen selbst die Kapazitäten in der betriebseigenen Service-Werkstatt nicht mehr aus. Kunden müssten mit mehrwöchigen Vorlaufzeiten rechnen, so der Geschäftsführer.

Schon drei Jahrzehnte sind Gantner sowie Partner Klaus Strickfaden in der Branche tätig und haben so manche Höhen und Tiefen erlebt. Seit 2006 ist die Firma am Standort in Malsch nahe der A5 zuhause. Dort bietet Gast Caravaning auf rund 16.500 Quadratmetern ein Rundum-Paket für Käufer und Mieter mit allen bekannten Marken an, inklusive Service-Werkstatt und Zubehör-Shop. Außerdem gibt es eine Niederlassung im schwäbischen Riederich (bei Metzingen). Dort und in Malsch sind aktuell 55 Mitarbeiter beschäftigt.

Erhebliche Preiserhöhungen

Gast Caravaning ist mit seinen Wohnmobilen in einem Preissegment zwischen 35.000 und 150.000 Euro angesiedelt. Hier gibt es traditionell die größte Nachfrage seitens der Kunden. Allerdings kündigen sich erhebliche Preiserhöhungen für das kommende Jahr an. Grund dafür seien die deutlich gestiegenen Rohstoffpreise, betont Gantner. Darüber hinaus hakt es aktuell vielerorts bei der Nachbestellung von Fahrzeugen. „Den Herstellern fehlen wichtige Teile. Die Lieferketten sind teilweise unterbrochen“, sagt Gantner. Er selbst habe rechtzeitig genügend Modelle ordern können und sei von den Engpässen glücklicherweise nicht betroffen.

Dass sich immer mehr Deutsche für Caravaning-Urlaub begeistern, zeigen nicht nur die steigenden Neuzulassungen von Freizeitfahrzeugen. Auch eine Studie der GfK aus dem Jahr 2019 belegt das Potenzial dieser Urlaubsform. Dem größten deutschen Marktforschungsinstitut zufolge können sich 14,2 Millionen Deutsche über 18 Jahre vorstellen, in den nächsten fünf Jahren einen Caravaning-Urlaub zu unternehmen. Das ist fast ein Viertel der Erwachsenen.

Ihr Autor

Von Jürgen Volz

Zum Artikel

Erstellt:
12. Juni 2021, 16:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 44sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.