Gewinner und Verlierer des Saisonabbruchs

Gernsbach (rap) – Das Coronavirus und der Saisonabbruch hat weitreichende Folgen für etliche Fußballclubs aus dem Bezirk: Aufstiegsträume wurden zerstört, andere blieben dank Covid-19 in der Liga.

Müssen aufgrund der abgebrochenen Corona-Saison weiter in der Kreisliga A, Staffel Nord die Gegner ausdribbeln: Thorben Schmidt (am Ball) und der FC Obertsrot. Foto: Frank Vetter

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Müssen aufgrund der abgebrochenen Corona-Saison weiter in der Kreisliga A, Staffel Nord die Gegner ausdribbeln: Thorben Schmidt (am Ball) und der FC Obertsrot. Foto: Frank Vetter

„Oft, sehr oft“, lautet die schnelle Antwort von Angelo Marotta auf die Frage, wie oft er denn in der letzten Zeit das Coronavirus mit all seinen Folgen verteufelt habe. Die Stimme von Angelo Marotta, Trainer des Fußball-Kreisligisten FC Obertsrot, wirkt dabei hörbar gedämpft, leise führt er aus: „Natürlich sportlich, beim Blick auf die Tabelle, aber auch gerade gesellschaftlich. Ich vermisse das Training mit meinen Jungs und die gemeinsame Zeit.“

Der 35-jährige Murgtäler wird noch einige Wochen auf Einheiten mit seiner Mannschaft auf dem idyllisch gelegenen Sportplatz am Hungerberg im Gernsbacher Ortsteil verzichten müssen. Covid-19 hat die Bundesrepublik – und auch Mittelbaden – weiter fest im Würgegriff, die Fallzahlen galoppieren geradezu wieder in die Höhe, die Intensivstationen stoßen an ihre Grenzen.

Und auch den Amateurfußball trifft die Pandemie ins Mark. Seit vergangenen Freitag steht schließlich fest, dass die Saison 2020/21 abgebrochen werden muss, ohne Wertung. Ohne Auf- und Absteiger. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg.

Vor allem der FCO hätte durchaus allen Grund zu hadern, warum – bitte schön – der Fußballgott die Murgtäler mit aller Macht in der Kreisliga A, Staffel Nord halten möchte. Scheiterten die Murgtäler in der Saison 2018/19 in zwei packenden Relegationsspielen gegen den FC Schwarzach noch auf sportlichem Wege am Aufstieg in die Bezirksliga, grätschte im März 2020 schließlich das Coronavirus dazwischen. Auf Tabellenplatz zwei – hinter dem Gaggenauer Starensemble – lagen die Blau-Weißen damals, also wieder ganz klar auf Kurs Relegation. Doch dann kam die Pandemie, ein paar Wochen später beschloss der Südbadische Fußballverband auf seinem außerordentlichen Verbandstag, dass die Saison abgebrochen und mithilfe der Quotientenregel gewertet wird. Der Erstplatzierte, also der VFB Gaggenau, durfte aufsteigen, Verfolger Obertsrot schaute bedröppelt in die Röhre, da der SBFV beschloss, keine Relegation durchzuführen. So weit, so schlecht für das Marotta-Team.

Vom Virus abgegrätscht

Dann, so die Vorstellung der FCO-Verantwortlichen, sollte der große Wurf, die Meisterschaft und der Bezirksliga-Aufstieg, eben in der Saison 2020/21 gelingen. Und der Start war verheißungsvoll: Siege gegen die Mitkonkurrenten Iffezheim und Au am Rhein, nach acht Spieltagen, Ende Oktober 2020, lagen die Murgtäler an der Tabellenspitze. Dann brach die zweite Corona-Welle über Deutschland herein, der Ball rollte nicht mehr – bis jetzt. Was folgte, war die Annullierung der Saison. Und wieder wurde dem FCO vom vermaledeiten Virus die Chance auf den Aufstieg geklaut. „Das ist für unsere Jungs total bitter. Aber wir müssen mit der Situation leben und sie so annehmen“, sagt Marotta.

Während der FCO ohne Zweifel zu den Corona-Verlierern zu zählen ist, gibt es aber auch Teams, die von der Pandemie profitiert haben. Nämlich jene Mannschaften, die im Tabellenkeller standen. In der A Nord etwa waren es sowohl in der Saison 2019/20 als auch 20/21 der FC Gernsbach, der SV Forbach und der 1. SV Mörsch II. Noch mehr von Fortuna geküsst wurde gar die SG Lauf/Obersasbach, die es in den beiden vergangenen Spielzeiten in 26 Partien auf zwei Siege und ein Remis gebracht hat, sich aber trotzdem weiter Bezirksligist schimpfen darf. Auch der TSV Loffenau und der FV Ottersweier in der Landesliga, beide Teams waren während der zwei Corona-Saisons ständige Mitstreiter im Abstiegskampf, haben durch die Annullierung das Landesliga-Ticket sicher.

Hassenstein ärgert „fehlende Weitsicht“

In eben jener Liga spielt auch der VfB Bühl, jedoch meist in den obersten Tabellenregionen. Als „Corona-Verlierer“ sieht Trainer Alexander Hassenstein seinen Verein aber mitnichten. In der gerade abgebrochenen Runde habe der VfB „keine gute Phase und viele Verletzte gehabt“, sagt Hassenstein, obwohl die Zwetschgenstädter Ende Oktober auf Rang fünf lagen, mit Tuchfühlung zum zweitplatzierten SV Niederschopfheim. Eine Saison zuvor aber belegte der VfB den zweiten Rang, der bekanntlich für die Relegationsspiele gereicht hätte, so denn sie denn gespielt worden wären. „Das“, sagt Hassenstein, „hat mich schon etwas geärgert. Wir hatten eine richtig gute Phase und eine große Chance, vielleicht doch in die Verbandsliga aufzusteigen“. Vielmehr hat den Pädagogen aber die „fehlende Weitsicht des SBFV“ geärgert. „Ich hatte es damals schon gesagt, dass man die Runde 2019/20 hätte strecken müssen. Die ausstehenden Partien hätte man im vergangenen Herbst absolvieren können. So wäre zumindest eine Saison gerettet gewesen“, findet Hassenstein.

Trostpflaster Pokal für Ottenau und Luft?

Von einer perfekten Abschiedssaison träumte in den vergangenen Monaten Hubert Luft mit seiner Spvgg Ottenau in der Bezirksliga. Mit der Meisterschaft und dem Aufstieg in die Landesliga wollte sich der Trainer verabschieden – und es sah auch alles danach aus. Die Murgtäler, die sich vor der Runde mit den oberligagestählten Alexander Merkel und Norman Riedinger prominent verstärkt hatten, pflügten durch die Liga, waren der Konkurrenz bereits nach neun Spieltagen und acht Punkten Vorsprung enteilt. Dann wurde auch die Spvgg rüde vom Coronavirus gestoppt. „Was soll man machen. So ist es halt“, sagt Luft lapidar. „Klar, die Meisterschaft wäre ein schönes Abschiedsgeschenk für uns alle gewesen, aber wir müssen uns mit der Situation abfinden“, so der scheidende Spvgg-Coach. Ein kleines Trostpflaster hat Luft jedenfalls noch in der Hinterhand. Die Spvgg ist noch im Bezirkspokal-Halbfinale vertreten, träfe dort – laut Bezirks-Boss Vito Voncina peilt man Mitte/Ende Juni als Spieltermin an – auf den FV Bad Rotenfels. So denn es die Corona-Lage zulässt, was jedoch bei den derzeit vorherrschenden Inzidenzwerten ziemlich bezweifelt werden muss. „Wenn es möglich ist, spielen wir“, sagt Luft, „so einen Pokalsieg samt kleiner Abschiedsfeier wäre schon toll.“

Eine Feier würde auch gerne Angelo Marotta erleben, im Idealfall im Juni 2022, verbunden mit dem Aufstieg in die Bezirksliga. „Aber“, so der FCO-Coach, „es geht wieder bei Null los, die Konkurrenz hat aufgerüstet. Es wird verdammt schwer.“ Angelo Marotta hat freilich einen ganz anderen Wunsch: „Einfach wieder ein Stück Normalität zurückbekommen, sonntags auf den Sportplatz gehen und kicken.“ Dann nämlich wäre eine Sache weit, weit weg – das Coronavirus.


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