Giftköder in Bühl und Umgebung

Bühl/Rheinmünster (urs) – Tödliche Gefahr für Hunde: Ein junger Vierbeiner ist in Rheinmünster vergiftet worden. In Hügelsheim und Plittersdorf wurden noch mehr toxische Köder gefunden.

Immer wieder werden Gift-Köder ausgelegt – wie zum Beispiel mit Hackfleisch gespickte Angelhaken. Manchmal wird Rattengift in Leberwurst versteckt. Foto: Ursula Klöpfer

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Immer wieder werden Gift-Köder ausgelegt – wie zum Beispiel mit Hackfleisch gespickte Angelhaken. Manchmal wird Rattengift in Leberwurst versteckt. Foto: Ursula Klöpfer

Sie werden meist dort platziert, wo Hunde regelmäßig anzutreffen sind: Giftköder. Die mit Gift oder scharfkantigen Gegenständen versehenen Wurststückchen, Hackfleischbällchen oder Leckerlis werden in den meisten Fällen sehr gerne von den Fellnasen gefressen – mit tragischen Folgen.

Der Fantasie der Täter sind hier kaum Grenzen gesetzt. So werden zum Beispiel immer wieder Angelhaken in Hackfleisch oder Rattengift in Leberwurst versteckt. Die Folge ist: Der Hund stirbt dadurch grausam, Herrchen oder Frauchen erleiden einen möglichst schmerzvollen Verlust.

Eine Familie aus Rheinmünster, die namentlich nicht genannt werden möchte, musste so eine Attacke gegen ihre Fellnase dieser Tage hinnehmen. Ihr sechs Monate alter Hund Ben hat eine akute Vergiftung erlitten, nachdem er in Schwarzach am Sportplatz mit Herrchen unterwegs gewesen war. „Zwei Stunden später bekam er schlimme Krämpfe“, erzählt der Tierhalter heute noch geschockt. Die Hundebesitzer fuhren sofort in die Tierklinik nach Gaggenau. Dort wurde die Vergiftung vom Tierarzt bestätigt, der Hund für einen Tag in der Tierklinik aufgenommen. Nach Infusionen und Medikamenten ist jetzt alles wieder im Lot. Der Hund ist wieder fit, doch Herrchen ist vorsichtiger geworden: „Ich lasse Ben nur noch ungern von der Leine.“ Anzeige haben die Tierbesitzer nicht erstattet.

Gespickte Fleisch- und Wurstköder

Gerade in den sozialen Netzwerken wird immer wieder vor Giftködern gewarnt. Auch der Tierschutzverein Achern und Umgebung wies auf Giftköder von Bodersweier bis Freistett im Wald hin. Das BT sprach mit der Polizeikommissaranwärterin Rebecca Vetter des Polizeipräsidiums Offenburg, Stabstelle Öffentlichkeitsarbeit, über das Auslegen von Giftködern, die damit verbundenen Gefahren und Konsequenzen für die Täter. „Seit Jahresbeginn wurden in Hügelsheim am Rheinniederungskanal in zwei Fällen Gift-Köder gefunden und angezeigt, Fleisch- und Wurststücke waren gespickt mit Schrauben“, informiert die Polizeianwärterin. Auch in Plittersdorf sei es im Januar zu Vorfällen gekommen, bei denen Hunde in die Tierklinik gebracht werden mussten.

Allerdings kann das Polizeipräsidium Offenburg eine Anhäufung von Giftköder-Anschlägen nicht bestätigen, „momentan ist keine Zunahme zu erkennen“, erklärt die Polizeianwärterin. Und weiter: „Gerade die Situation in Hügelsheim wird jedoch von den Kollegen der Hundestaffel Rheinmünster kritisch beobachtet, da bei den hier offensichtlich feindselig ausgelegten Ködern eine extreme Gefahr für das Leben der Tiere besteht.“

Gründe nicht nachvollziehbar

Was bewegt Menschen, Giftköder auszulegen? Vetter kann die Beweggründe schlecht nachvollziehen: „Der Antrieb ist schwer einzuschätzen. Es sind noch keine Fälle bekannt, bei denen Giftköder genutzt wurden, um einem bestimmten Tier beziehungsweise dessen Besitzer aus einer Streitigkeit heraus zu schaden. Ein möglicher Beweggrund ist der allgemeine Hass gegenüber Hunden, ausgelöst durch beispielsweise deren Hinterlassenschaften oder negative Erfahrungen.“

Wie viele Fälle jährlich im Einzugsgebiet des BT vorkommen, ist schwer nachzuweisen. „Hierzulande werden leider keinerlei Statistiken geführt. Auch die Zahl einer möglichen Dunkelziffer ist daher schwer abzuschätzen. Gerade im Internet wird schnell von Giftködern geschrieben, jedoch ist nicht jedes Stück Fleisch oder Wurst, welches herumliegt, ein Giftköder“, gibt Vetter zu bedenken.

Eines ist jedoch sicher: Wer bei solch einer schändlichen Tat erwischt wird, kommt ohne Strafe nicht davon. „Nimmt ein Hund einen Giftköder auf, ist dies ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Legt ein Täter einen Giftköder aus und es kommt nicht zum Schadensfall, liegt eine versuchte Sachbeschädigung vor“, erklärt Vetter die Gesetzeslage.

Um den Tätern habhaft zu werden, sei eine Anzeige mit genauen Informationen dringend notwendig. Die Polizei sei bei der Aufklärung solcher Fälle auch immer stark auf Hinweise von Zeugen angewiesen, betont Rebecca Vetter abschließend.

Bei Verdacht sofort zum Tierarzt

Hegt ein Hundehalter auch nur den kleinsten Verdacht, dass sein Tier einen Giftköder aufgenommen haben könnte, rettet oft nur die sofortige Behandlung das Leben des Vierbeiners. Die Pressereferentin Sonja Slezacek von der Tierschutzorganisation Tasso verweist auf die Internetseite der Organisation: Einige Giftköder verursachen schon binnen kürzester Zeit erste Vergiftungsanzeichen. Mögliche Symptome sind Erbrechen, übermäßiges Hecheln, vermehrt weißer Speichel, blasse Schleimhäute, veränderte Pupillen, Durchfall oder eine allgemeine Teilnahmslosigkeit. Hundehalter sollten ihren Hund keinesfalls zum Erbrechen bringen. Wurden ihm ätzende Stoffe oder scharfkantige Gegenstände verabreicht, könnte dadurch sein Zustand verschlimmert werden. Hat der Hund tatsächlich einen Giftköder gefressen, sollten Tierhalter zudem Strafanzeige bei der Polizei oder der zuständigen Staatsanwaltschaft erstatten und einen Strafantrag stellen. Denn gemäß Paragraf 1 des Tierschutzgesetzes darf niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.


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