Baden Board: Gläubiger nehmen Insolvenzplan an

Der traditionsreiche Karton- und Verpackungsmittelhersteller, der inzwischen Baden Board heißt, ist seit jeher Anlaufstelle für Murgtäler Schulabgänger auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Hier ein Bild von der Ausbildungsmesse in Gernsbach im März 2019. Foto: Stephan Juch

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Der traditionsreiche Karton- und Verpackungsmittelhersteller, der inzwischen Baden Board heißt, ist seit jeher Anlaufstelle für Murgtäler Schulabgänger auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Hier ein Bild von der Ausbildungsmesse in Gernsbach im März 2019. Foto: Stephan Juch

Der Schuldenbereinigungsplan, den die Baden Board GmbH in ihrem Insolvenzverfahren vorgelegt hat, ist am Freitag durch die Gläubigerversammlung und das zuständige Amtsgericht Baden-Baden einstimmig angenommen worden. „Damit ist der Weg frei für die Entlassung aus dem Schutzschirmverfahren“, erklärte die Geschäftsleitung des traditionsreichen Murgtäler Karton- und Verpackungsmittelherstellers am Freitag.

Die Baden Board GmbH hatte sich Ende November 2019 freiwillig in eigener Entscheidung in ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung (Schutzschirmverfahren) begeben, um sich so von den hohen bilanzierten Schulden zu befreien, welche die Gesellschaft in der Vergangenheit aufgebaut hatte. Dabei handelte es sich nach BT-Informationen um knapp 40 Millionen Euro. Diese standen der Aufnahme von Finanzierungsgeldern für dringend benötigte Investitionen im Weg und hätten nach Einschätzung der Geschäftsleitung in absehbarer Zukunft zum unweigerlichen Aus für den Traditionsbetrieb geführt.

Mit dem nun angenommenen Schuldenbereinigungsplan werde die Bilanz um circa 27 Millionen Euro Verbindlichkeiten entlastet und so eine „industrietypische Bilanzstruktur erreicht, welche Attraktivität für Finanzierung und Zugang zu Investitionsgeldern nicht bereits an den fundamental-betriebswirtschaftlichen Kennzahlen scheitern lässt“, sagt Stefan Böll, CFO (Chief Financial Officer) der Gesellschaft. Diese neue Basis sei hart errungen und mit einem für alle Gläubiger schmerzhaften Forderungsverzicht verbunden.

„Wir arbeiten effizienter als vor einem Jahr“

„Für die Zustimmung zu diesen Einschnitten möchte ich mich bei allen Gläubigern bedanken, insbesondere, aber nicht zuletzt, bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die unter anderem mit Verzicht auf Gehalt und einer Erhöhung der Wochenarbeitszeit zu dieser Entlastung beitragen“, ergänzt Robert Ferstl, Geschäftsführender Gesellschafter der Baden Board. Im Gegenzug beteiligt er die Mitarbeiter am Unternehmen und stellt wesentliche Sicherungsgüter für die Finanzierung der weiteren geplanten Investitionen bereit.

Ursprünglich war der Abschluss des Verfahrens für Endes zweiten Quartals 2020 angestrebt. Die Corona-Krise mit den einhergehenden Beschränkungen und Komplikationen habe jedoch zu Verzögerungen geführt. Nichtsdestotrotz sei der Geschäftsbetrieb der Baden Board GmbH über die Dauer des Verfahrens unverändert und unterbrechungsfrei auf hohem Niveau weitergelaufen. Auch konnten während dieser Phase erste Investitionen in Stabilität und Qualität der Produktionsanlagen getätigt werden.

„Im Ergebnis haben wir bereits jetzt deutlich weniger Produktivitätsverluste und arbeiten effizienter als vor einem Jahr“, betont Robert Ferstl. „Diesen Weg wollen und müssen wir konsequent weitergehen und in die Zukunftsfähigkeit von Anlagen, Technologien und Produkten investieren um die Baden Bord als nachhaltigen Produzenten von Recyclingkarton und Recyclingverpackungen zu etablieren. Die Erfolgsaussichten dafür sind nun mit Abschluss des Verfahrens gegeben“.

Die Baden Board GmbH ist ein mittelständisches Familienunternehmen mit rund 300 Mitarbeitern mit Sitz in Gernsbach und Weisenbach. Im Betriebsteil Baden Karton (Obertsrot) werden Angaben des Unternehmens zufolge jährlich rund 150 000 Tonnen Faltschachtelkarton für die Lebensmittel- und Konsumgüterindustrie aus 100 Prozent Altpapier gefertigt.

Der Betriebsteil Baden Packaging (Weisenbach) ist Verpackungsspezialist und Hersteller von innovativen Verpackungslösungen aus Karton. Jährlich werden dort rund 60 000 Tonnen Faltschachtelkarton zu bedarfsgerechten Verpackungen für Kunden der Food-, Non-Food und Getränkeindustrie verarbeitet.

„Schmerzgrenze absolut erreicht“

„Ich habe das Gefühl, dass das Unternehmen auf einem guten Weg ist.“ Das sagt Gewerkschaftssekretär Dirk Schmitz-Steinert, der bei der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) für die Baden Board GmbH zuständig ist. In einem „sehr herausfordernden Diskussionsprozess haben wir unseren Beitrag geleistet, damit das Unternehmen überleben kann“, betont der Gewerkschafter. Damit meint er insbesondere den ausgehandelten Ergänzungstarifvertrag, der seit Juni Gültigkeit hat und der nun durch die gestrige Zustimmung des Insolvenzgerichts eine Laufzeit bis Ende 2024 hat.

Er sieht unter anderem vor, dass es bis Ende 2024 keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird, die Mitarbeiter ihre Wochenstundenarbeitszeit temporär von 38 auf 40 erhöhen, ohne dafür einen finanziellen Ausgleich zu bekommen. Die Hälfte dieser zusätzlichen Stunden wird für Qualifizierungsmaßnahmen der Mitarbeiter verwendet werden, erklärt Schmitz-Steinert im BT-Gespräch weiter: Im Jahr 2022 wird wieder sukzessive auf eine 38-Stunden-Woche und das frühere Lohnniveau zurückgefahren werden; mit diesem Lohnverzicht werden notwendige Investitionen getätigt, die das Unternehmen braucht, um es langfristig zu sichern.

Mit der Reduzierung des Bruttojahresentgelts um etwa zehn Prozent sei die „Schmerzgrenze absolut erreicht“, unterstreicht Schmitz-Steinert das große Entgegenkommen der IG BCE-Mitglieder unter der Belegschaft, um die Arbeitsplätze des traditionsreichen Murgtäler Karton- und Verpackungsmittelherstellers zu erhalten.


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