Gleiche Strecke, unterschiedlicher Preis

Karlsruhe (juwel) – Der Luftlinien-Tarif in und um Karlsruhe verspricht einfaches, günstiges Reisen im ÖPNV. Je nach Haltestelle und Handy können Fahrpreise aber variieren.

•Einchecken per Handy: Der Luftlinientarif soll vor allem für kurze Strecken attraktiv sein. Bei Haltestellen mit mehreren Stationen kann es aber zu Unterschieden kommen. Foto: Julia Weller

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•Einchecken per Handy: Der Luftlinientarif soll vor allem für kurze Strecken attraktiv sein. Bei Haltestellen mit mehreren Stationen kann es aber zu Unterschieden kommen. Foto: Julia Weller

Zwei Fahrgäste steigen an der Haltestelle Mathystraße in eine Bahn der Linie 5. Zuvor starten beide auf ihren Handys – das gleiche Modell – per Standortbestimmung die automatische Abrechnung ihrer Fahrt über den neuen Luftlinientarif des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV). Beide steigen am Ettlinger Tor um und am Karlsruher Marktplatz wieder aus. Beide beenden in der sogenannten Fairtiq-App, über die der Luftlinientarif berechnet und bezahlt wird, ihre Reise. Eine Person bekommt nun einen Fahrpreis von 1,62 Euro angezeigt, ihr Begleiter hingegen muss 1,82 Euro zahlen.

Schon wenige Meter können einen Unterschied machen

Wie kann das sein? Mathystraße und Marktplatz trennt ungefähr ein Kilometer. Der genaue Wert von Haltestelle zu Haltestelle kann jedoch variieren: Denn beide Stationen sind zweigeteilt, haben jeweils Bahnsteige in Nord-Süd- sowie in Ost-West-Ausrichtung. Der Kartendienst Google Maps misst Distanzen zwischen einem und 1,1 Kilometer – je nachdem, von welchem Bahnsteig und zu welchem Teil der unterirdischen Doppelhaltestelle Marktplatz man rechnet. Beim Kauf eines klassischen Tickets spielt all das keine Rolle, Haltestelle ist schließlich Haltestelle. Beim KVV-Luftlinientarif können sich aber in solchen Grenzfällen schon wenige Meter Unterschied auf den Preis auswirken – weil nämlich je angefangenem Kilometer 22 Cent berechnet werden.

Dabei verwendet das System für jede Haltestelle festgelegte Koordinaten, um den Preis zu ermitteln. Es macht also beispielsweise keinen Unterschied, an welchem Ende eines Bahnsteigs man ein- oder auscheckt. „Man kann sich auch bereits auf dem Fußweg zur Haltestelle einchecken“, erklärt KVV-Sprecherin Sarah Fricke. Der Fahrpreis steigt dadurch nicht.

Komplikationen bei Haltestellen mit mehreren Bahngleisen

Kompliziert wird es aber bei größeren Haltestellen mit mehreren Bahnsteigen, wie in der Mathystraße oder am Marktplatz. Diese haben teilweise mehrere vorab festgelegte Koordinaten für die verschiedenen Bahnsteige beziehungsweise Haltepunkte unterschiedlicher Linien. „Es ist also tatsächlich so, dass gewisse Fahrten, die im klassischen Tarif denselben Preis haben, hier aufgrund einer Differenz in der Luftliniendistanz unterschiedlich bepreist werden“, so Fricke.

Ein weiteres Beispiel dafür stellt die Route vom Marktplatz zum Durlacher Tor dar. Auch hier beträgt die Entfernung ziemlich genau einen Kilometer. Fährt man mit der Linie 2 ab Marktplatz-Pyramide, gibt die KVV-Fahrplanauskunft einen Preis von 1,62 Euro an. Für die Linie 1 ab Marktplatz-Kaiserstraße liegt der Luftlinientarif hingegen bei 1,84 Euro.

Qualität der Standortdaten ist entscheidend

Die Fairtiq-App ermittelt nach dem Aussteigen anhand der Ortungs- und Fahrplandaten, mit welcher Linie ein Kunde gefahren ist. Das Beispiel der zwei Reisenden von der Mathystraße zum Marktplatz zeigt aber, dass die gefahrene Route nicht immer korrekt erfasst wird. Nur bei einer der beiden Personen hat die App den Umstieg am Ettlinger Tor registriert. „Ob die richtige Linie erkannt wird, hängt maßgeblich von der Qualität der Standortdaten ab“, erklärt Fricke. „Fairtiq kann den Standort des Kunden nur so genau erfassen, wie die Daten, die das Mobiltelefon sendet, sind.“

Diese Datenqualität unterscheide sich je nach Geräte-Hersteller teilweise sehr deutlich. Auch Stromsparmodi könnten dazu führen, dass Ortungsdaten nicht mehr so häufig und nicht mehr so akkurat erfasst werden, was für die Fahrtaufzeichnung zu entsprechenden Fehlern führen könne.

KVV-Sprecherin Fricke betont, dass beide Reisende trotz solcher Fehler weit unter dem normalen Preis einer Zwei-Waben-Karte von 2,80 Euro gelandet sind. „Das sollte auch beachtet werden und zeigt den Sinn und Zweck des neuen Tarifs. Für kurze Strecken ist er sehr attraktiv und im Handling auch schlicht einfach.“

Ihr Autor

Von unserer Mitarbeiterin Julia Weller

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Erstellt:
8. Januar 2022, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 45sec

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