Glückliche Gäste und Gastronomen

Rastatt (fuv) – Seit Samstag darf die Gastronomie wieder Gäste bewirten, Museen öffnen, und seit Pfingstmontag lockt auch das Freibad Natura zum Schwimmen. Ein Rundgang durch die Barockstadt.

Juliane Henrich und Wolfgang Wingert stoßen vor dem „Ratsstübl“ in der Innenstadt auf die neue Freiheit an. Foto: Frank Vetter

© fuv

Juliane Henrich und Wolfgang Wingert stoßen vor dem „Ratsstübl“ in der Innenstadt auf die neue Freiheit an. Foto: Frank Vetter

Dass es ein besonderer Samstag werden würde, kann man bereits an den Warteschlangen vor den Corona-Teststationen sehen. So viele Personen wie am Samstag hätten sie bisher noch nie an einem Tag getestet, berichtet Lorena Beqiraj von Lisa-Test. Fünf Testzentren betreibt das Unternehmen in der Barockstadt. Entspannte Menschen sitzen in der Innenstadt an den Tischen von Gaststätten und Cafés, genießen die zurückgewonnene Lebensqualität. „Einfach herrlich“, meint Reimund Hammer strahlend auf die Frage, wie das Bier denn nun so schmecke, und nimmt gleich noch einen Schluck. Er sitzt zusammen mit seiner Freundin Sabine Sawatzky vor dem „Ratsstübl“ in der Kaiserstraße. Beide sind froh, dass sich das Leben nun wohl langsam normalisiere. Das ganz besondere Feeling ist es, „nach dem Marktbesuch ein Bier gebracht zu bekommen“, betont er die Tatsache, dass das „to go“ nun wohl der Vergangenheit angehört. „Heute Abend gehen wir Schnitzel essen und morgen auch“, verkündet Sabine Sawatzky die Pfingstplanung. Stammgast Wolfgang Wingert spricht von einem schönen Erlebnis, ein frisch gezapftes Pils in der Sonne zu trinken. Endlich wieder die vermissten sozialen Kontakte pflegen zu dürfen, das sei „super“. Seine Lebensgefährtin Juliane Henrich betont, man müsse die Wirte unterstützen.

Eine einsame Schwimmerin zieht im Natura ihre Bahnen. Foto: Frank Vetter

© fuv

Eine einsame Schwimmerin zieht im Natura ihre Bahnen. Foto: Frank Vetter

„Ratsstübl“-Wirtin Bianca Dotzauer sagt: „Ich freue mich über alle meine Gäste.“ Es liege eine lange Durststrecke hinter ihr. „Es wurde jetzt finanziell schon eng“, blickt sie auf die vergangenen Monate zurück. Sie hofft, dass es keinen weiteren Lockdown geben wird. Die beiden ersten Gäste hätten ihn gleich zu einem Bier eingeladen, erzählt Dietmar Licht, Wirt des „Rheinau-Pubs“, am Pfingstsonntag: „Mir gefiel die Freude im Gesicht der Gäste, die Herzlichkeit.“ Einem Stamm-Essensabholer sagte Licht, dass er jetzt auch im Pub essen könne. „Da sah man förmlich die Freude am Telefon“, so Dietmar Licht. Für das kochende Personal in der Gastronomie freut sich Vanessa Montalbano, Küchenchefin im Niederbühler „Schnick-Schnack“, dass sie nun die Speisen wieder auf einem Teller anrichten kann. ,,Meine Leute sind noch in Italien; wir haben von der Dehoga ja erst am Freitag erfahren, dass es mit der Gastronomie wieder losgeht“, erklärt Guiseppe Cimino von der Eisbar Fruchthalle, weshalb er erst einmal nur Eis zum Mitnehmen anbieten kann. Die Flugverbindung Sardinien – Söllingen gibt es derzeit nicht. Seine Mitarbeiter müssen nun erst einmal mit der Fähre aufs Festland. Er werde am 1. Juni mit nur 50 Prozent der Sitzkapazität öffnen. Für einen reibungslosen Anmeldeservice bietet er auch die Luca-App an. Er möchte kein Risiko eingehen, sich genauestens an die Vorgaben halten. „Die drei G (Getestet, Geimpft, Genesen) sind ein absolutes Muss. „Corona kam mir persönlich sehr nahe. Ich habe Fälle von leichtem Verlauf bis hin zu einem Todesfall im Bekanntenkreis erlebt,“ erzählt Cimino. Nicht alle Gastronomen nehmen es angeblich am Samstag mit den Corona-Bestimmungen so ganz genau, erzählt ein Rastatter, der eine kleine Kneipentour unternommen hatte. Dafür hat Frank Hildenbrand, Wirt des „Schnick-Schnack“ und Vorsitzender der Dehoga Rastatt, überhaupt kein Verständnis. Wegen schwarzer Schafe zum Pandemietreiber zu werden, dürfe nicht passieren. „Es geht schließlich um die Gesundheit von allen“, unterstreicht Hildenbrand.

Köchin Vanessa Montalbano freut sich darüber, dass sie ihr Essen wieder auf Tellern anrichten kann. Foto: Frank Vetter

© fuv

Köchin Vanessa Montalbano freut sich darüber, dass sie ihr Essen wieder auf Tellern anrichten kann. Foto: Frank Vetter

Mit der Öffnung der Rastatter Museen nimmt das kulturelle Leben wieder Fahrt auf. Den Besucherandrang im Stadtmuseum und in der Galerie Fruchthalle beschreiben die Damen an den Kassen mit „ein paar Krümelchen“.

Wenig Zuspruch erfahren die Trimm-dich-Pfad-Angebote der Stadtteilarbeit West und Rheinau-Nord und von Schulsozialarbeitern im Stadtpark und am Murgdamm. In Rheinau-Nord zerschnitten Unbekannte eine der Aufgaben-Tafeln, eine weitere wurde abgerissen, sodass eine Fortführung der Rallye-Route mit Rätselaufgaben kaum möglich ist. Im Freibad Natura wagten sich am Pfingstmontag einige wenige Mutige ins mit 18 Grad noch recht kühle Nass. Eine Neu-Rastatterin stellt strahlend fest: „Ein absoluter Hochgenuss“, wendet, und zieht eine weitere Bahn durch das Sportbecken.

Die von der Stadtteilarbeit entwickelte Route mit Rätselaufgaben für die Ferien wird zum Auftakt teilweise zerstört. Foto: Frank Vetter

© fuv

Die von der Stadtteilarbeit entwickelte Route mit Rätselaufgaben für die Ferien wird zum Auftakt teilweise zerstört. Foto: Frank Vetter


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.