Glückliche Hühner legen bunte Eier

Rastatt (as) – Bei Dr. Michael Götz aus Wintersdorf ist das Eierfärben zu Ostern kein Thema. Denn er weiß, wo und wie er natürlich bunte Eier bekommt – aus artgerechter, ökologischer Haltung.

Direkt vom Hof: Dr. Michael Götz und seine „Natur-Ostereier“. Foto: Frank Vetter

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Direkt vom Hof: Dr. Michael Götz und seine „Natur-Ostereier“. Foto: Frank Vetter

Bei Dr. Michael Götz aus Wintersdorf ist das Eierfärben zu Ostern kein Thema. Denn der Tierarzt und passionierte Hühnerzüchter von Kindesbeinen an weiß, wo und wie er natürlich bunte Eier bekommt, die zudem aus artgerechter, ökologischer Haltung stammen.
Götz geht einfach in den Hühnerstall hinter seiner Praxis. Denn dort legen seine Sundheimer, eine alte „und die einzig badisch-elsässische Hühnerrasse“, wie er betont, fast jeden Tag ein Ei.

Die Eier sind cremefarben bis braun-gesprenkelt. Sollte die Ausbeute seiner aktuell 14 Hennen nicht ausreichen, gibt es vor Götz’ Praxis in der Wintersdorfer Hechtstraße 15 im jüngst installierten Verkaufsautomaten ebenfalls Eier aus artgerechter Haltung, vom Rieder Hühnermobil. Götz ist einer der Gründer der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die mit mittlerweile drei mobilen Hühnerställen im Ried Öko-Eier produziert, die teils auch noch natürlich bunt sind. Grün, türkis, rotbraun oder bläulich schimmern die Eier, neben den Klassikern weiß und braun sowie braun gesprenkelt.

Bunte Rassenmischung gibt bunte Eier

„Wenn man eine bunte Mischung an Eierfarben will, dann braucht man nur eine bunte Rassenmischung“, erklärt der passionierte Hühnerzüchter. Araucana beispielsweise, eine bei einem Indianerstamm in Südamerika entdeckte Hühnerrasse, legen türkis- bis olivgrüne Eier. „Vom Gallengang geht bei denen ein Ausgang in den Legedarm“, erläutert Götz, dass der Gallenfarbstoff die Eierfarbe beeinflusst. Durch Kreuzungen der Araucana mit anderen Hühnerrassen kommt es unter anderem zu bläulichen Eiern. Schokobraune Eier legen wiederum Marans, die aus Frankreich stammen.

Alte badische Zweinutzungsrasse: Sundheimer im Garten von Michael Götz. Foto: Frank Vetter

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Alte badische Zweinutzungsrasse: Sundheimer im Garten von Michael Götz. Foto: Frank Vetter

Götz und die anderen Gesellschafter der Rieder Hühnermobil GbR setzen ausschließlich auf sogenannte Zweinutzungsrassen, also Hühner, die zum Eierlegen (Hühner) und zur Schlachtung (Hähne) verwendet werden. Die Ausbeute an Eiern sei bei denen zwar geringer, sagt Götz, doch die Rieder Hühnermobile GbR ist nicht in erster Linie gewinnorientiert.

Vielmehr stehen artgerechte, ökologische Freilandhaltung im mobilen Hühnerstall und die Erhaltung alter Hühnerrassen im Vordergrund. Das hat seinen Preis: Vier Euro kosten zehn Eier. Gefüttert wird mit einer speziellen Futtermischung von einem regionalen Erzeuger, zudem gibt es Obst und Salat – oder auf den Wiesen rund um Plittersdorf Fallobst, Würmer, kleine Mäuse oder was die Allesfresser sonst so aufpicken. „Essensreste sind wegen der möglichen Krankheitsübertragung nicht erlaubt“, betont Götz, zudem müsse man aufpassen, dass man keine Ratten anlockt oder Wildvögel anfüttert, die die Vogelgrippe in den Bestand einschleppen könnten.

„Deshalb ist es gesetzlich vorgeschrieben, Hühner im Stall zu füttern“, sagt Götz, und sich als Tierhalter beim Veterinäramt (in diesem Fall im Landratsamt Rastatt) registrieren zu lassen. Nur dann könne man im Seuchenfall auch informiert werden. Wer über Hühnerhaltung nachdenkt, dem empfiehlt er zudem, sich einem Kleintierzuchtverein anzuschließen, wo man von Beratung, gemeinsamen Impfangeboten und dem Informationsaustausch profitieren könne. Zehn Quadratmeter Auslauf pro Huhn wären optimal, sagt er über den Platzbedarf.

Bei Michael Götz wird ein glückliches Huhn schon mal 14 Jahre alt, auch wenn die Legeleistung dann abnimmt. Jährlich zieht er rund 30 Küken groß, die Hälfte davon Hähne. Die schlachtet er meist für den Eigenbedarf. Zwei Hähne hat er momentan auch, um auf die Hennen aufzupassen. „Für das Sozialverhalten der Hennen ist es immer besser, wenn auch ein Hahn dabei ist“, hat er festgestellt. Ob Hühnerhaltung auf dem eigenen Grundstück überhaupt erlaubt ist, dazu könnten in der Regel die Kommunen Auskunft geben.

Hühnerhaltung muss angemeldet werden

Hühner zählen zu den Kleintieren, ihre Haltung im Garten zur privaten Nutzung ist grundsätzlich erlaubt. Die Tiere benötigen einen Stall zum Übernachten, wo sie gefüttert werden und Eier legen. Damit frei laufende Hühner nicht wegfliegen, reicht laut Michael Götz ein Zaun von circa 1,20 Meter Höhe. Bei Stall und Zaun kann es sich um bauliche Anlagen handeln, die eventuell genehmigt werden müssen. Das ist mit der zuständigen Baurechtsbehörde zu klären, informiert das Landratsamt Rastatt. Für die Eierversorgung einer vierköpfigen Familie benötigt man fünf bis sechs Hühner. Die Hühnerhaltung muss beim Veterinäramt (VA) angezeigt werden. Das vergibt eine Registrierungsnummer. Für ausschließlich private Hühnerhaltungen gibt es keine rechtsverbindlichen Vorgaben, wie die Tiere zu halten sind (hinsichtlich Stallgröße, Auslaufgröße, Ausgestaltung der Haltungseinrichtung). Es ist lediglich die allgemeine Vorschrift des § 2 Tierschutzgesetzes (artgerechte Haltung, Ernährung und Pflege der Tiere) zu beachten.

Naturschutzrechtliche Belange sind in der Regel nur bei Vorhaben im baurechtlichen Außenbereich betroffen, so das Landratsamt. https://www.landwirtschaft.de/landwirtschaft-erleben/landwirtschaft-hautnah/in-der-stadt/huehner-halten-im-eigenen-garten

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Erstellt:
17. April 2022, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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