Glühwein daheim statt auf dem Weihnachtsmarkt

Bühl/Baden-Baden (kkö) – Die Winzer in der Region, auch in Bühl und Baden-Baden, haben vorsichtshalber nur wenig Glühwein in Kanister abgefüllt. Außerdem hält sich Glühwein in Flaschen zwei Saisons.

Seltenes Bild: Auf den Weihnachtsmärkten ist in dieser Saison nicht viel Glühwein geflossen.  Foto: Jens Kalaene/dpa

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Seltenes Bild: Auf den Weihnachtsmärkten ist in dieser Saison nicht viel Glühwein geflossen. Foto: Jens Kalaene/dpa

Die Schließung der Weihnachtsmärkte wenige Tage nach ihrer Eröffnung hat nicht nur die Standbetreiber selbst getroffen, sondern auch deren Lieferanten. Glühweinproduzenten zum Beispiel. Auf Anfrage unserer Redaktion berichtet Stefan Steinel, Kellermeister der Affentaler Winzer mit Sitz in Eisental, von gewissen Vorahnungen.

„Angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen hatten wir vorsichtig abgefüllt. Wir haben unsere Kunden kontaktiert und eine Erstbestückung gemacht. Die vergleichsweise kleine Menge des abgefüllten Glühweins konnten wir dann weitgehend verkaufen, zumal wir ja auch Gastronomen beliefern.“ Hauptsächlich sei das Produkt in Literflaschen statt in Kanister gefüllt worden. „Auf die Weise hält sich der Glühwein.“

Immerhin sei etwas vermarktet worden: „2020 lief quasi gar nichts.“ Spürbar sei, dass in der Vinothek und im Lebensmittelhandel ein wenig mehr Glühwein für den Privatverbrauch verkauft werde als in Vor-Corona-Jahren. „In der Gastronomie allerdings wird nur noch ein Bruchteil dessen abgesetzt, was früher üblich war. Da wirkt sich die Pandemie schon sehr negativ aus.“

Auch kein Umsatz an Fastnacht

Für die Affentaler Winzer, sagt er, bedeute dieser Einbruch nicht, „in ein Loch zu fallen“: „Wir sind recht breit aufgestellt, mit verschiedensten Vertriebswegen. Mit der kompletten Schließung der Weihnachtsmärkte hatten wir nicht gerechnet, aber da wir mit kleinen Mengen kalkuliert hatten, war sie nicht ganz so schlimm. Wäre es gut gelaufen, hätten wir jederzeit reagieren und doch mehr abfüllen können.“

Ähnlich wie Steinel äußert sich auch Volker Maier, Inhaber des gleichnamigen Bio-Weinguts in Baden-Baden, der auch Rebflächen in Neuweier und Bühlertal bewirtschaftet. „Wir hatten sowohl mit Blick auf Kanister für die Weihnachtsmärkte als auch bei der Flaschenanzahl stark reduziert, zumal wir schon vorher wussten, dass die Weihnachtsmärkte in Haueneberstein und Kuppenheim ausfallen würden und uns nur Baden-Baden blieb. Wir hatten Glück, die in Kanistern abgefüllte Menge bekamen wir verkauft, natürlich teilweise an Gastronomen.“

Bei den Flaschen werde indes einiges übrig bleiben, nicht zuletzt, da auch die großen Faschingsumzüge entfielen. „Glühwein ist aber bis zu zwei Saisons haltbar, da sehe ich kein Problem.“ Im Winter 2020, blickt Maier zurück, sei für Privatpersonen und Einzelhandel wenig Glühwein verkauft worden, die Nachfrage sei allerdings in diesem Jahr gestiegen. „Dabei spürt man auch das wachsende Interesse an Bio-Qualität. Und ich denke, die Menschen freuen sich, wenn sie wenigstens in kleiner Runde daheim einen guten Glühwein trinken können.“

Winzer-Jahr generell nicht positiv

Über das Hin und Her der politisch Verantwortlichen mit Blick auf die Weihnachtsmärkte ärgert er sich: „Die Gesamtlage war zum Start genauso absehbar wie eine Woche später. Entweder, man entscheidet sich dafür oder dagegen. Gerade für die Standbetreiber war es ein Schlag ins Gesicht, aufzubauen und dann wenige Tage später wieder abbauen zu müssen. Außerdem ist bekannt, dass die Ansteckungsgefahr im Freien gering ist, unter all den Auflagen hätte ich da wenige Risiken gesehen.“

Insgesamt, bilanziert er, habe er in dieser Saison rund 30 Prozent der vor der Pandemie üblichen Glühweinmenge produziert. Auf die Frage, ob er das finanziell ausgleichen könne, reagiert er mit humorvollem Sarkasmus: „Klar, wir hatten ja sowieso nur eine sehr kleine Weinlese.“ Das Jahr sei für Winzer wirklich nicht positiv gewesen, so sein Fazit. „Gerade für kleine Betriebe wie meinen.“

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Erstellt:
31. Dezember 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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