„Goldener Löwe“ in Lichtental: Tränenreicher Abschied

Baden-Baden (cri) – Familie Franz beendet nach 36 Jahren ihr Engagement im „Goldenen Löwen“ in Lichtental. Die Stadt sucht nun einen neuen Pächter für das Traditionslokal.

Ende einer Ära: Auf Gäste im Gasthaus „Goldener Löwe“ in Lichtental zu warten ist für die Wirtin Christa Franz nun Vergangenheit. Foto: Christa Hoffmann

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Ende einer Ära: Auf Gäste im Gasthaus „Goldener Löwe“ in Lichtental zu warten ist für die Wirtin Christa Franz nun Vergangenheit. Foto: Christa Hoffmann

Tränenreich und voller Abschiedsschmerz waren in den vergangenen Tagen die Begegnungen in der Gaststätte „Goldener Löwe“ in Lichtental, aber auch geprägt von vielen schönen Erinnerungen. Der Grund: Die Familie Franz hatte am Aschermittwoch das letzte Mal geöffnet und beendete nach mehr als 36 Jahren ihr Engagement als Pächter des Traditionslokals, das über die Grenzen Baden-Badens hinaus bekannt war für seine sehr gute badisch-schwäbische Küche. Die Stadt sucht nun einen neuen Pächter.

Die 70-jährige Wirtin Christa Franz verabschiedet sich in den wohlverdienten Ruhestand, ihre ältere Tochter, Küchenmeisterin Stephanie Franz, die in der Küche seit Jahren das Sagen hatte, unterrichtet nun in Vollzeit an der Robert-Schuman-Schule. Franz bedankt sich nicht nur bei allen Gästen – darunter unzählige Vereine – für die jahrelange Treue, sondern auch bei ihren Mitarbeitern, im Besonderen bei Josef Kast, der eigentlich nur als Seppl bekannt ist, und am längsten mit dabei war.

Viele regionale Lieferanten haben mit ihrer Qualität dafür gesorgt, dass die Gerichte so gut ankamen: Maultaschen und Rostbraten, Cordon bleu und frische Salate, um nur einige zu nennen, sonst läuft einem gleich das Wasser im Mund zusammen. Ein weiteres Qualitätsmerkmal: die Auszeichnung durch Slow Food.

Ganze Familie engagiert sich im Betrieb

Bei ihrer Rückschau auf ihren Start, der „schwierig war“, so Christa Franz, darf ihr Mann Wolfgang nicht fehlen, der ebenso wie sie vom Fach und mit Herzblut Gastgeber war. Die ganze Familie, auch die jüngere Tochter Christiane, engagierte sich in dem Betrieb. Alle wohnten eine Etage höher in der Pächterwohnung. „Nach und nach haben wir viele Stammgäste gewonnen“, erzählt Christa Franz, die damals selbst in der Küche das Kommando hatte. Ihr Mann kümmerte sich an der Theke um die Bestellungen, bis er schwer chronisch erkrankte und nurmehr nahe des Tresens auf seinem Stammplatz das Geschehen verfolgen konnte. Er starb mit 54 Jahren an Silvester 2000. „Ohne die vielen treuen Mitarbeiter hätte ich es danach nicht schaffen können“, ist sich Christa Franz sicher.

Ein wichtiges Datum im Kalender waren immer die Fastnachtsveranstaltungen mit einem Alleinunterhalter, bei denen es brechend voll und die Stimmung unvergleichlich war. Nicht zu verwechseln mit Veranstaltungen im „Löwen“-Saal, wie es immer wieder passiert, den ausschließlich die Stadt vermietet. Und so manches Catering gab es für das Kloster Lichtenthal, zu deren Bewohnerinnen Christa Franz ein herzliches Verhältnis hat.

Unvergessen ist ihr auch das Hochwasser von 1998 in Lichtental, bei dem sie Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und viele andere Helfer mit Suppe versorgt hat. Sogar provisorische Betten habe man in der Weinstube aufgestellt und Decken verteilt an jene, die über Nacht blieben, berichtet sie.

Gebäude ist etwa 500 Jahre alt

Mit vielen Baumaßnahmen habe man sich im Laufe der Zeit arrangieren und manchmal wochenlang schließen müssen, so die Wirtin. So habe es zu Beginn nur die zwei Kachelöfen in der Weinstube und im Hauptgastraum gegeben, eine Zentralheizung sei erst viel später eingebaut worden.

Die Besitzerin des etwa 500 Jahre alten Gebäudes, in dem sich die Gaststätte mit ihren 110 Sitzplätzen in vier Räumen befindet, ist die Stadt. Diese will „das Lokal in seiner bisherigen Betriebsform belassen, um auch weiter gute badische Küche gewährleisten zu können“. Allerdings werde es, sagte Oberbürgermeisterin Margret Mergen auf BT-Anfrage weiter, aufgrund eines großen Sanierungsstaus zu einer vorübergehenden Betriebsschließung kommen. „Gerade im Küchen- und Thekenbereich sind umfangreiche Maßnahmen notwendig“, aber auch im Bereich Abwasserbehandlung, Lüftung und Stromnetz.

„Sie gehört einfach zu uns“

„Sie gehört einfach zu uns“, betont Christian Riese, Vorsitzender des Lichtentaler Musikvereins mit Blick auf die „einzigartige, traditionelle Gaststätte“. Deshalb sei es ihnen ein großes Anliegen, und da spreche er sicher auch im Namen vieler anderer Vereine, wenn das Lokal „in der jetzigen Form oder zumindest in ähnlicher Art und Weise weitergeführt würde“. Sicher seien „der Charakter und die Beliebtheit der Gaststätte auch durch die liebevolle und herzliche Art des Personals geprägt“ worden.

Christa Franz zieht nun in ihre alte Heimat Oberderdingen zurück und will erst einmal ausspannen, ihre Sprachkenntnisse auffrischen und dann bei Reisen vor Ort vertiefen. Sie verlässt Lichtental mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Aber so war es schon immer: Am Aschermittwoch ist alles vorbei!

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Erstellt:
2. März 2022, 22:00 Uhr
Lesedauer:
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