Gottesdienste der etwas anderen Art

Rastatt (sb) – Die ersten Pfarreien haben am Sonntag wieder einen Gottesdienst angeboten. Das BT war in St. Alexander dabei.

Nur 78 Besucher dürfen pro Gottesdienst in die katholische Stadtkirche St. Alexander. An Festtagen feiern hier mehr als 500 Menschen. Bei jedem Gottesdienstbesucher werden die Hände desinfiziert, wenn er die Kirche betritt. Fotos: Friedrich

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Nur 78 Besucher dürfen pro Gottesdienst in die katholische Stadtkirche St. Alexander. An Festtagen feiern hier mehr als 500 Menschen. Bei jedem Gottesdienstbesucher werden die Hände desinfiziert, wenn er die Kirche betritt. Fotos: Friedrich

Rastatt (sb/red) – „Wort-Gottesdienste im Fernsehen oder per Youtube können eine Feier im Hause des Herrn einfach nicht ersetzen“: Der katholische Stadtpfarrer Ralf Dickerhof spricht aus, was viele Gläubige denken. Am gestrigen Sonntag durften sie erstmals in der Corona-Pandemie und erstmals seit Mitte März wieder gemeinsam einen Gottesdienst feiern, wenn auch unter strengen Auflagen.
So mussten sich die Katholiken für einen der drei Gottesdienste am gestrigen Sonntag vorab telefonisch anmelden. „Die Leitung stand nicht mehr still“, freut sich Dickerhof im Gespräch mit dem Badischen Tagblatt. Schnell waren alle Plätze vergeben. Denn wo an Festtagen mehr als 500 Menschen feiern, waren gestern nur maximal 78 Besucher zugelassen. Jede zweite Reihe war gesperrt und pro Reihe durften nur drei Personen Platz nehmen. So werden die geltenden Sicherheitsabstände eingehalten. Ausnahmen gab es nur bei Familien, sie durften nebeneinander sitzen

Solistin im Einsatz

Der weitreichende Sitzabstand aber ist nicht die einzige Neuerung. Jeder Besucher wird samt Telefonnummer in einer Liste notiert, sodass nachvollziehbar ist, wer welchen Gottesdienst besucht hat. Im Fall der Fälle lassen sich so Infektionsketten nachvollziehen. Die meisten Besucher betreten die Stadtkirche gestern mit Mundschutz, obwohl dies nicht vorgeschrieben ist, und ziehen diesen meist an ihrem Platz aus. Am Eingang wird vom Helferteam Desinfektionsmittel gereicht und jeder wird persönlich zu einem nummerierten Platz gebracht. Die Türen und Fenster sind geöffnet, um für eine gute Belüftung zu sorgen. Wer sich nicht angemeldet hat, der muss meist vor der Tür bleiben. Da es beim ersten Gottesdienst gestern um 9.30 Uhr nur zwei Personen sind, dürfen diese durch die geöffnete Tür mitfeiern.

Neu ist auch, dass die Gemeinde nicht singen darf. Stattdessen singt eine Solistin stellvertretend für alle. Für viele ist das ungewohnt. „Wie so vieles in den aktuellen Zeiten. Aber unsere Gottesdienste sind ein Schritt in Richtung Normalität“, freut sich der Geistliche über die Gemeinschaft mit den Gläubigen. Da die Abstandsregeln gelten, wird auf einen Handschlag oder eine Umarmung auch beim Friedensgruß verzichtet. Stattdessen wird dem Nachbarn freundlich zugelächelt. Bei vielen ist es eher schon ein Strahlen, so sehr freuen sie sich, endlich wieder mit anderen einen Gottesdienst zu feiern. „Die Gemeinschaft ist mir besonders wichtig und hat mir in den letzten Wochen sehr gefehlt“, berichtet Gisela Schindler stellvertretend für viele. Auch für Marcelina Rybka und ihren Mann bedeutet der Gottesdienstbesuch viel. Deshalb haben sich die beiden sofort angemeldet.

Erlaubt ist trotz Corona das Austeilen der Heiligen Kommunion, die von Dickerhof berührungsfrei verteilt wird. Eine Mundkommunion ist bis auf Weiteres nicht erlaubt. Neu ist für viele Besucher auch die Verabschiedung. Statt wie sonst gemütlich zusammenzustehen, sind alle aufgefordert, die Kirche rasch zu verlassen. Danach werden die Bänke für die nächsten Besucher desinfiziert. Auch am kommenden Sonntag, 17. Mai, und an Christi Himmelfahrt wird in der katholischen Stadtkirche ein zentraler Gottesdienst für alle Gemeinden angeboten. Danach hofft Dickerhof, dass auch in den anderen Gemeinden wieder Gottesdienste angeboten werden dürfen.

Die evangelischen Christen feierten gestern in der Petrusgemeinde ihren ersten Gottesdienst seit gut zwei Monaten. Die anderen evangelischen Gemeinden wollen ab 17. Mai wieder Gottesdienste anbieten. Auch hier wird es spezielle Regeln geben, die vor allem Abstand zwischen Besuchern vorsehen. In der Petrusgemeinde verzichtete man auf eine Anmeldung. Die Stuhlreihen waren so ausgedünnt, dass 70 Gläubige Platz gefunden hätten, schließlich waren es 45 Besucher, die den von Pfarrer Albrecht Berbig gestalteten Kurz-Gottesdienst erlebten.


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