Grammophon verwandelt sich in La Piazza

Gernsbach (stj) – Rolf Zimmermann verpachtet sein Wirtshaus am Kelterplatz an den Jungunternehmer Omar Wahidi, der dort seit 2. Januar eine Pizzeria betreibt.

Hat sich mit der Übernahme des früheren Grammophon am Kelterplatz einen lang gehegten Traum erfüllt: Pizza-Bäcker Omar Wahidi. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Hat sich mit der Übernahme des früheren Grammophon am Kelterplatz einen lang gehegten Traum erfüllt: Pizza-Bäcker Omar Wahidi. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Mit der Übernahme des Wirtshauses am Kelterplatz und der Eröffnung des „La Piazza“ hat sich Omar Wahidi einen lang gehegten Traum erfüllt. Das Handwerk des Pizzabackens erlernte der Afghane in den zurückliegenden neun Jahren bei einem italienischen Pizzabäcker in der Region. Ab sofort stellt er seine kulinarischen Fähigkeiten im früheren „Grammophon“ unter Beweis.

Corona und die Schließung aller gastronomischen Betriebe machen den Neuanfang natürlich nicht einfach. Sie hielten ihn aber nicht davon ab, den erstmaligen Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Im Gegenteil: „Es ist die beste Zeit dafür“, betont Wahidi im Gespräch mit dem Badischen Tagblatt. So habe er die Gelegenheit, sich seit dem 2. Januar ganz auf den Außerhausverkauf seiner Pizzen zu konzentrieren. Nach kurzer Zeit habe sich bereits herumgesprochen, dass diese von hoher Qualität seien, freut sich der neue Pächter im Erdgeschoss des Kelterhochhauses. An den Wochenenden würden sich regelmäßig Kundenschlangen vor dem Ausgabefenster bilden.

„Zimbo“ seit 35 Jahren in der Gastronomie

Nicht zuletzt deshalb ist sich auch Rolf Zimmermann sicher: „Der packt das!“ Für den Eigentümer der Immobilie endet mit der Verpachtung des Wirtshauses, das er zusammen mit Tochter Verena am 30. November 2016 eröffnet hatte, eine 35 Jahre lange Ära, in der er die Gastronomie im Murgtal geprägt hat. Insbesondere in Gernsbach, wo er über drei Jahrzehnte lang sechs verschiedene Lokale geführt hat. Ab sofort will sich „Zimbo“, wie ihn seine Freunde nennen, auf das Pachtgeschäft beschränken, die aktiven Zeiten hinter der Theke seien vorbei.

Dass dies jetzt doch ziemlich plötzlich kam, liegt laut Zimmermann auch an der Stadt Gernsbach. Von ihr habe der altgediente Gastronom nicht genug Wertschätzung verspürt, blickt er auf die letzten Jahre zurück. Immer wieder habe es Unstimmigkeiten und hohe verwaltungstechnische Hürden zu überspringen gegeben, seit er im August 2015 den alten Netto-Markt im Kelterhochhaus gekauft hatte, um ihn in ein schickes Lokal zu verwandeln. Auch seitens der Kommunalpolitik hatte es damals Vorbehalte gegeben, die „Zimbo“ nicht nachvollziehen konnte. Zuletzt ärgerte ihn die Ungleichbehandlung zwischen den Altstadtgastronomen und „dem Rest“, die seiner Meinung nach von der Stadt über den Altstadtsommer 2020 betrieben worden sei. Dies sei letztlich der Auslöser gewesen, die ein, zwei Jahre, die er eigentlich noch im Grammophon machen wollte, früher zu beenden und das Wirtshaus am Kelterplatz an einen von mehreren Interessenten, die es während der Corona-Zeit gegeben habe, zu vermieten.

Mitarbeiter bleiben an Bord

Den Zuschlag erhielt schließlich Oma Wahidi, von dem Zimmermann viel hält. Deshalb werde er ihn beim Neuanfang in Gernsbach auch noch eine Weile tatkräftig unterstützen. Die Gernsbacher werden „Zimbo“ also zunächst weiter im Kelterhochhaus antreffen. Im jetzigen „La Piazza“ bildet inzwischen ein großer Pizzabackofen das Herzstück des Gastraums. Außer dem werde sich für die ehemaligen Grammophon-Mitarbeiter aber nichts ändern – alle seien weiterhin mit an Bord. Ein zweiter Koch soll noch eingestellt werden, wenn der Normalbetrieb nach Corona starten kann, kündigt Wahidi gegenüber dem BT an.

Der 39-Jährige kam vor 30 Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland. Seit 22 Jahren ist er in der Gastronomie tätig. Der Job mache ihm richtig Spaß, erzählt Wahidi. Zudem stehe bei ihm das Geldverdienen nicht unbedingt an erster Stelle, sondern die Zufriedenheit seiner Kunden und deren positives Feedback, versichert der Jungunternehmer. Dies sei sein erklärtes Ziel – erst recht, wenn Restaurantbesuche irgendwann wieder erlaubt sein werden.


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