Grausame Bilder, oft jugendliche Täter

Offenburg (fk) – Die Verbreitung und Herstellung von Kinder- und Jugendpornografie nimmt immer mehr zu – auch in Mittelbaden. Dabei sind es oft Jugendliche, die Bilder und Videos weiterleiten.

Immer häufiger ermittelt die Polizei auch gegen Minderjährige, die kinder- und jugendpornografische Inhalte teilen. Foto: Armin Weigel/dpa

© dpa

Immer häufiger ermittelt die Polizei auch gegen Minderjährige, die kinder- und jugendpornografische Inhalte teilen. Foto: Armin Weigel/dpa

Über 62.000 Hinweise auf mögliche strafbare Handlungen im Bereich der Kinder- oder Jugendpornografie gingen in Deutschland im Jahr 2019 beim Bundeskriminalamt (BKA) ein. 21.600 Fälle ergaben sich daraus. Und das nur aus den Hinweisen einer US-amerikanischen Organisation namens NCMEC, die mit den großen Internetfirmen zusammenarbeitet und etwa deren Nachrichtenprogramme filtert.

Drei Millionen solcher pornografischen Bilder werden im gleichen Jahr insgesamt in der EU hergestellt und verbreitet. Seit Jahren gehen die Zahlen nach oben, die Täter sind oft Jugendliche. NCMEC steht für National Centre for Missing and Exploited Children. Die Organisation arbeitet mit amerikanischen Internetanbietern und Serviceprovidern wie Facebook, Microsoft, Yahoo oder Google, die ihre Datenbestände und die über ihre Dienste verbreiteten Daten mittels modernster Filtertechnologien permanent nach Missbrauchsabbildungen scannen, so das BKA. Dass dabei auch so viele Fälle für Deutschland abfallen, liegt vor allem daran, dass die meisten Messengerdiente wie Whatsapp den amerikanischen Megakonzernen gehören und dort auch ihre Server haben.

Fallzahlen steigen weiter

„Hinter vielen dieser Bilder und Fälle steckt ein tragisches Schicksal, ein brutaler Missbrauch, der psychische Schäden verursacht, die nicht mehr zu reparieren sind“, sagt Wolfgang Jaeger, Leiter der Kriminalpolizei in dem für Mittelbaden zuständigen Offenburger Präsidium. Und die Fallzahlen steigen immer weiter. Das Gebiet zwischen Lahr und Malsch bildet da keine Ausnahme. 195 Fälle zum Besitz und zur Verbreitung von Kinderpornografie verzeichnet das Offenburger Präsidium für seinen Bereich 2020. Mehr als doppelt so viele wie 2019. Wodurch dieser starke Anstieg ausgelöst wird, wissen die Beamten selbst noch nicht so genau. Die Analyse laufe noch, sagt Jaeger. Er vermutet aber, dass eine Chatgruppe auf sozialen Medien mit vielen Mitgliedern den Fahndern ins Netz gegangen ist, was die Fallzahlen natürlich explodieren lasse.

Denn nicht nur das Anfertigen solcher Aufnahmen ist eine Straftat. Auch die Verbreitung und der Besitz. Ein neuer Gesetzentwurf, der bald in Kraft treten soll, enthält zudem strafrechtliche Verschärfungen. Wörtlich soll es dazu künftig in Paragraf 184b StGB heißen, dass sich jeder strafbar macht, der „inkriminierte Bilder und Videos beschafft, verbreitet oder auch nur besitzt“. Laut den Offenburger Beamten stellt all das ein Verbrechen dar, das ein Strafmaß von mindestens einem Jahr nach sich zieht.

Täter sind nur selten pädophil

Die Täter hinter all dem sind nur in den seltensten Fällen Pädophile. Nur in etwa 25 Prozent stünden überhaupt Menschen mit einer pädophilen Neigung hinter diesen Taten; und nur in etwa fünf Prozent handele es sich um Menschen, die überhaupt bereit wären, eine pädophile Missbrauchstat auszuführen. „Der Rest sind oft Jugendliche“, sagt Volker Olbrisch. Er leitet die am 1. Februar gegründete, 13-köpfige Ermittlungsgruppe KiPo beim Offenburger Präsidium. Sie bekommt die von der NCMEC übermittelten Daten, unter anderem IP-Adresse und Telefonnummer eines Handys, vom BKA für den Bereich Mittelbaden weitergeleitet. „Wir stehen oft vor schockierten und verdutzten Eltern, die gar nicht wissen, was ihr Kind da verbreitet oder auf dem Handy hat“, sagt Olbrisch. Die Jugendlichen fühlten sich oft cool, wenn sie die Bilder weiterschickten, oder wollten zumindest nicht uncool sein, so die Offenburger Experten. Bei den Auswertungen von beschlagnahmten Geräten bei einer Durchsuchung würden aber auch oft gewaltverherrlichende und menschenverachtende Bilder gefunden. Die psychische Belastung für die Beamten sei entsprechend groß: „Man kann sich nicht vorstellen, was wir alles zu sehen bekommen“, sagt Olbrisch.

Seine Kollegin Susanne Steudten weiß, dass viele Jugendliche in den Chatgruppen oft ungewollt mit solchen Bildern konfrontiert werden. Sie empfiehlt: „Verbotene Inhalte unverzüglich löschen und sich durch schriftliche Willensbekundung – etwa ,Hör auf! Ich will das nicht!‘ – sofort und deutlich distanzieren und aus der Gruppe austreten. Verbotene Inhalte der relevanten Plattform und den zuständigen Stellen melden.“ Ansonsten könne man sich nach den Gesetzesvorgaben selbst straffällig machen.

Strafmündig ist man ab 14 Jahren. Jugendliche sollten deshalb – etwa der ersten großen Liebe – auch keine anzüglichen Fotos schicken, die später missbraucht werden könnten, so die Beamten.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.