Grenke: Keine Hinweise auf Geldwäsche

Baden-Baden (vo) – Aufatmen bei Grenke: Der Vorwurf der Geldwäsche scheint ausgeräumt. Allerdings übt die von der Bafin eingesetzte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mazars auch Kritik.

Bleibt weiter im Fokus: Der Baden-Badener Leasingspezialist Grenke. Foto: Uli Deck/dpa/Archiv

© dpa

Bleibt weiter im Fokus: Der Baden-Badener Leasingspezialist Grenke. Foto: Uli Deck/dpa/Archiv

Der Vorwurf der Geldwäsche scheint ausgeräumt. Die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) eingesetzte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mazars habe ihn nicht bestätigt, teilte das Unternehmen mit. Gleichwohl enthält der Mazars-Bericht eine Reihe von nicht unerheblichen Kritikpunkten.

Grenke war im vergangenen Jahr mit seinem Geschäftsmodell und der Behandlung von Franchise-Gesellschaften ins Kreuzfeuer von Leerverkäufern am Aktienmarkt geraten. Der britische Investor Fraser Perring warf dem Unternehmen Manipulation vor. Seitdem versucht Grenke unter anderem mit eigenen Sonderprüfungen wie von KPMG oder der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton (WKGT), die Vorwürfe zu entkräften. Die Bafin-Sonderprüfer von Mazars wiederum werfen Grenke in ihrem aktuellen Bericht Mängel in einer Reihe von Bereichen vor.

Geldwäsche:
Hier hält Mazars die internen Kontrollmaßnahmen für nicht effektiv. Die Funktion des Geldwäschebeauftragten weise wesentliche Mängel auf. Anhaltspunkte für eine systematische und aktive Geldwäsche fanden die Prüfer jedoch nicht. Das Unternehmen hatte bereits auf vorangegangene Bafin-Vorwürfe mit Blick auf Schwächen im internen Kontrollsystem, der internen Revision und der Compliance reagiert. Der zuständige Vorstand Marc Kindermann musste gehen, im Vorstand wurde eine neue Position Chief Risk Officer (CRO) geschaffen, wo nun wesentliche interne Kontrollfunktionen wie Risikocontrolling, Compliance, Geldwäscheprävention und Datenschutz verantwortet werden.

Leasing-Geschäft:
Mazars zufolge gebe es keinen Zweifel an der Existenz des Leasing-Geschäfts, das mit 5,6 Milliarden Euro das Kerngeschäft von Grenke darstellt. Dies war auch schon von der KPMG-Prüfung im Dezember 2020 bestätigt worden. Mazars habe keine Anhaltspunkte für den Vorwurf des systematischen Betrugs durch Händler gefunden, jedoch Schwächen im internen Kontrollsystem festgestellt.

Franchise-Unternehmen:
Shortseller Perring hatte Grenke vorgeworfen, in der Vergangenheit verlustreiche Franchiseunternehmen, deren Eigentümer mit Grenke eng verbunden waren, zu teuer gekauft zu haben. Damit habe Grenke die Firmen zu überhöhten Werten in der Konzernbilanz gehabt und so seine Gewinne aufgebläht. Mazars stellt jedoch fest, dass keine systematischen Fehler bei der Überprüfung der Werthaltigkeit des sogenannten Goodwills auf bereits erworbene Franchiseunternehmen gemacht wurden. Auch die Kaufpreise seien nicht systematisch überzeichnet gewesen. Allerdings kritisieren die Prüfer in diesem Kontext die überhöhte Rendite der CTP, einer Handels- und Beteiligungsfirma, die seit Anfang 2020 Wolfgang Grenke gehört hatte, und über die Firmen im Ausland übernommen wurden.

Bilanzierung Franchisegeschäft:
Hier liegt ein wesentlicher Kritikpunkt von Mazars. Die Prüfer sind der Ansicht, dass die Franchiseunternehmen bereits bei deren Gründung im Konzernabschluss hätten konsolidiert werden müssen. Das hat Grenke nun rückwirkend im Konzernabschluss 2020 für das Jahr 2019 korrigiert. Außerdem sollen die Franchiseunternehmen, die bislang noch nicht vom Unternehmen gekauft worden waren, noch in diesem Jahr integriert werden.

Related Parties:
Ein heikler Punkt in Verbindung mit der Person von Firmengründer Wolfgang Grenke. Mazars bemängelt, dass Corina Stingaciu als eine ihm nahestehende Person nicht als solche in den Jahresabschlüssen genannt wurde – obwohl die Beziehung zum Firmengründer innerhalb des Konzerns bekannt gewesen sei. Als Reaktion auf den Vorwurf will das Unternehmen Stingaciu und die von ihr beherrschten Gesellschaften im Jahresabschluss 2020 als Related Parties aufführen – vorsorglich auch für das Vorjahr. Auswirkungen auf das Zahlenwerk habe dies nicht. Wolfgang Grenke selbst lässt momentan sein Aufsichtsratsmandat ruhen.

Grenke-Bank:
Dort gibt es Kritik am Kundenkreditgeschäft, wo Kredite für kleine und mittlere Unternehmen über 37 Millionen Euro ohne oder mit nicht ausreichender Sicherheit vergeben worden seien. Grenke hatte aufgrund der Corona-Pandemie seit Frühjahr 2020 kein weiteres Neugeschäft angenommen und will jetzt dieses Kreditgeschäft komplett einstellen. Mazars stuft die dort erkannten Mängel als ebenso schwerwiegend ein wie jene bei der Geldwäscheprävention der Bank. Auch dort habe die Prüfung jedoch keine Anhaltspunkte ergeben, dass die Grenke-Bank systematisch und aktiv der Geldwäsche Vorschub geleistet habe. Das Unternehmen will nun mit einer zusätzlichen Vorstandsfunktion reagieren.

Vorstandschefin Antje Leminsky versprach am Freitag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten, dass Transparenz und lückenlose Aufklärung für den Konzern nach wie vor gelten. Sie sprach von „schweren und vielfältigen Anschuldigungen“, die Untersuchungen seien „sehr komplex“. Zumal viele Vorwürfe sich auf Dinge beziehen, die teils Jahre oder gar Jahrzehnte zurücklägen.

Aufgrund der aufwendigen Prüfungen hat das Unternehmen bislang noch keinen Geschäftsbericht für das vergangene Jahr vorgelegt. Üblicherweise ist der Termin dafür Anfang bis Mitte Februar. Jetzt wird das Ergebnis in Abstimmung mit dem Prüfer KMPG erst im zweiten Quartal festgestellt.

Anleger und Investoren nahmen den Zwischenbericht zur Grenke-Prüfung am Freitag positiv auf. Der Kurs der im S-DAX gelisteten Aktie stieg zeitweise um mehr als 15 Prozent. Im Zuge der Vorwürfe gegen das Unternehmen war der Kurs vorübergehend um mehr als 50 Prozent eingebrochen. Für eine abschließende Bewertung der Vorgänge bei Grenke sei es momentan noch zu früh, war von Händlerseite zu hören.

Ihr Autor

BT-Redakteur Jürgen Volz

Zum Artikel

Erstellt:
26. Februar 2021, 16:04 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 24sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.