Grenke: Prüfungen bislang ohne Auffälligkeiten

Baden-Baden (vo) – Die Sonderprüfungen beim Leasinganbieter Grenke zeigen nach dessen eigenen Angaben bislang keine Unregelmäßigkeiten. Das geht aus einer Mitteilung des Unternehmens hervor.

Grenke: Prüfungen bislang ohne Auffälligkeiten

Die Sonderprüfungen bei Grenke hätten laut einer ersten Einschätzung des Vorstands bislang keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten ergeben. Foto: Uli Deck/dpa/Archiv

Dabei handele es sich zunächst um eine eigene Einschätzung, wie der Grenke-Vorstand betont. Da die Prüfungen noch nicht abgeschlossen seien, lägen – mit Ausnahme des Teilberichtes zum Nachweis der Zahlungsmittel – noch keine Zwischenberichte der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften vor, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Die Übernahmen der bisher überprüften Franchiseunternehmen könnten demnach als positiv bezeichnet werden. Der Leasingvertragsbestand werde durch Stichprobenprüfung und Nachweis der Zahlungseingänge von Leasingnehmern validiert. Außerdem seinen sowohl Geschäftsmodell wie auch Geschäftsorganisation bis dato ohne wesentliche Auffälligkeiten, so der Vorstand.

Fraser Perring hatte über sein Analysehaus Viceroy Research die Bilanzierung und die Franchisestruktur beim Grenke-Konzern scharf kritisiert. Unter anderem bezeichnete er Teile des Geschäftsmodells als Betrugskonstrukt. Weitere Vorwürfe gingen bis hin zu Geldwäsche und Bilanzbetrug (wir berichteten). Daraufhin verlor die Grenke AG einen großen Teil ihres Börsenwerts.

Das Unternehmen hatte sich wie sein Gründer Wolfgang Grenke von Anfang an gegen die Angriffe gewehrt und in Teilen, mit Blick auf den Vorwurf, die im Halbjahresfinanzbericht 2020 ausgewiesen Zahlungsmittel gäbe es zum Großteil nicht, bereits widerlegt. Die von Grenke beauftragte Prüfungsgesellschaft KPMG hat demnach die Guthaben durch Bankbestätigungen mit 99,4 Prozent zum 30. Juni 2020 und 99,2 Prozent zum 15. September 2020 bestätigt.

Als zweite Prüfungsgesellschaft ist Warth & Klein Grant Thornton (WKGT) im Auftrag von Grenke mit der Überprüfung der Vorteilhaftigkeit und Marktüblichkeit der Übernahme von Franchise-Unternehmen befasst. Auch hier sei die Einschätzung des Vorstands, dass Übernahmen der bisher überprüften Franchiseunternehmen als positiv bezeichnet werden könnten. WKGT hat den Angaben zufolge zunächst vier ausgewählte Transaktionen zwischen 2008 und 2018 detailliert untersucht (nach 2018 sei keine weitere Übernahme mehr erfolgt). Bei diesen vier Fällen handele es sich um die größten Übernahmen, die zusammengenommen rund 60 Prozent der gezahlten Kaufpreise für alle bisher erworbenen Franchise-Gesellschaften umfassten. Die Nachweise für die Auszahlungen der Kaufpreise der untersuchten Franchiseübernahmen seien erbracht worden und würden abschließend überprüft, so der Vorstand.

„In den letzten Wochen wurde sehr fokussiert an den Prüfungen gearbeitet. Ich bin zuversichtlich, dass alle Untersuchungen schnellstmöglich abgeschlossen werden. Gleichzeitig geht unser Blick nach vorne. Wir nutzen diese Situation auch als Chance und arbeiten an einem Zukunftsbild, das vor allem den gestiegenen Erwartungen an Governance und Transparenz unseres stark gewachsenen Unternehmens gerecht wird“, wird die Grenke-Vorstandsvorsitzende Antje Leminsky in der Mitteilung zitiert.

Finanzchef Sebastian Hirsch ergänzt: „Wir wollen den finalen Prüfungsergebnissen nicht vorgreifen. Wir werden daher erst abschließend darüber berichten, wenn die Ergebnisse validiert und belegt wurden. Gleichzeitig möchten wir aber über den derzeitigen Stand informieren. Überdies prüfen wir selbst verschiedene Optionen für eine Weiterentwicklung des Franchisemodells. Auch hier wollen wir schnell vorankommen.“

WKGT hat dem Aufsichtsrat der Gesellschaft ihre vorläufigen Zwischenergebnisse mitgeteilt. Danach generieren die seit 2008 übernommenen Franchiseunternehmen zusammengenommen Ergebnisbeiträge für den Konzern. Diese fallen direkt in den einzelnen Landesgesellschaften sowie in anderen Konzerngesellschaften an. Insgesamt lägen diese im Rahmen von Ergebniserwartungen, die eine Investition in Beteiligungen rechtfertigen, so die WKGT. Die Übernahmen könnten daher für den Grenke-Konzern als positiv bezeichnet werden, heißt es in der Mitteilung. Auch dies steht einem Vorwurf von Fraser Perring deutlich entgegen.