Grenke reagiert auf Anleger-Vorwurf der Intransparenz

Baden-Baden (vo) – Der Grenke-Aufsichtsratsvorsitzender Ernst-Moritz Lipp legt die Gründe für die Trennung von Vorstand Mark Kindermann dar und wirbt bei den Investoren um Vertrauen.

Ernst-Moritz Lipp. Foto: Alexander Fischer/Grenke AG

© ALEXANDER FISCHER

Ernst-Moritz Lipp. Foto: Alexander Fischer/Grenke AG

„Wir haben ihren Ruf nach mehr Transparenz hinsichtlich der Amtsniederlegung unseres Vorstandsmitglieds Mark Kindermann laut und deutlich vernommen und möchten dem hiermit umfassend nachkommen“. Mit diesem Satz beginnt ein Schreiben des Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst-Moritz Lipp an die Investoren der Grenke-Gruppe nach der Trennung von Kindermann am Montag.

Kritik an der Kommunikation

Nach Bekanntgabe der brisanten Personalie hatte es von Anleger-Seite herbe Kritik an der Kommunikation durch Unternehmen und Aufsichtsrat gegeben. Die pauschal erhobenen Vorwürfe gegen den langjährigen Vorstand mit Blick auf Unregelmäßigkeiten in der internen Kontrolle waren für kaum jemanden nachvollziehbar. Gestern nun hat der Aufsichtsratschef mit einem Brief an die Investoren reagiert. Darin wirbt er um Vertrauen.

Demnach habe es im Rahmen der laufenden Untersuchungen durch die beiden Prüfungsgesellschaften KPMG und Mazars einige qualitative Hinweise und Feststellungen bezüglich der Internen Revision und Compliance-Organisation gegeben. Beide Gesellschaften waren von Grenke nach der Attacke des Shortsellers Viceroy und den Vorwürfen des Investors Fraser Perring in Bezug auf das Franchisegeschäft im Herbst vergangenen Jahres zur Klärung des Sachverhalts eingesetzt worden.

Keine unmittelbaren Auswirkungen auf Bilanz

Letztendlich hätten jedoch Kritikpunkte der Finanzaufsicht Bafin – die ebenfalls den Vorwürfen nachgeht – an Prozessen der Internen Revision und der Compliance dazu geführt, dass Vorstand Kindermann seinen Vertrag vorzeitig beendete. Aufsichtsratschef Lipp hebt in dem Schreiben an die Investoren hervor, dass keiner der Kritikpunkte der Bafin auf unmittelbare Auswirkungen auf die Bilanz oder die Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens schließen lasse. Im Bereich der Internen Revision betraf die Bafin-Kritik laut Lipp unter anderem die Qualität von Arbeitspapieren, die zu wenigen Mitarbeiter in der Kontrollabteilung sowie deren eingeschränkten Zugang zu Firmengeheimnissen.

Die Kritik im Bereich Compliance hätte sich beispielsweise auf prozessuale Schwächen bei der Dokumentation, bei den Messgrößen für die Bewertung der Compliance-Risiken und ebenfalls auf eine unzureichende personelle Ausstattung der Compliance-Funktion bezogen.

„Laufende Prüfungen zügig fortsetzen“

Daher habe die Bafin eine Stellungnahme des Unternehmens angefordert und angekündigt, anschließend über eine Abberufung von Mark Kindermann als Vorstand zu entscheiden. Nach Gesprächen mit dem Aufsichtsrat habe Kindermann diesen dann selbst darüber informiert, sein Vorstandsamt sowie alle weiteren Konzernmandate niederzulegen.

„Die seit September bestehende Unsicherheit lastet schwer auf unserer Aktie und unseren Anleihen“, schreibt Lipp. „Für die Gesellschaft hat es höchste Priorität, dass wir die laufenden Prüfungen zügig fortsetzen und abschließen. Selbstverständlich greifen wir die Ergebnisse aus diesen Prüfungen konsequent auf und entwickeln die Prozesse weiter.“

Aufgaben neu verteilt

Nach dem Weggang von Kindermann hat der Aufsichtsrat die Aufgaben inzwischen neu verteilt. Die Vorstandsvorsitzende Antje Leminsky wird das Personalressort übernehmen. Isabel Rösler übernimmt ab sofort auch wesentliche administrative Funktionen der Marktfolge. Sebastian Hirsch, der im Oktober 2020 zum Chief Financial Officer (CFO) ernannt worden war, erhält zusätzlich die Verantwortung für das Konzernrechnungswesen. Dies wäre nach der Veröffentlichung des Jahresabschlusses ohnehin angestanden und sei jetzt vorgezogen worden, so Lipp.

Lage an den Börsen beruhigt sich wieder

Wann letztendlich die Prüfungen abgeschlossen sein werden, hänge vom Zeitplan der Prüfer ab. Aktuell könne man dazu keine verbindlichen Aussagen treffen, so Lipp. „Seien Sie versichert: Wir werden alles daran setzen, die Prüfungen so schnell wie möglich abzuschließen und als Unternehmen gestärkt aus dieser Krisensituation hervorzugehen“, heißt es im Schreiben an die Investoren abschließend.

Nach den Turbulenzen vom Montag, als der Kurs der Aktie der Grenke AG um nahezu ein Drittel dramatisch eingebrochen war, hat sich gestern die Lage an den Börsen zunächst beruhigt. Die Aktie legte gegen Handelsschluss um 6,6 Prozent auf 28,64 Euro zu.


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