Grenke sieht sich wieder auf Kurs

Baden-Baden (tas) – Der Leasingspezialist Grenke hält an seiner Prognose fürs Gesamtjahr fest. Finanzvorstand Sebastian Hirsch verspricht ein „zusätzliches Neugeschäft im weiteren Jahresverlauf“.

Im ersten Halbjahr 2021 hatten die Baden-Badener einen Gewinn von 32,3 Millionen Euro eingefahren. Foto: Uli Deck/dpa

© dpa

Im ersten Halbjahr 2021 hatten die Baden-Badener einen Gewinn von 32,3 Millionen Euro eingefahren. Foto: Uli Deck/dpa

Der Start ins Jahr war verhalten, doch langsam dreht der Leasingspezialist Grenke auf. Gestern präsentierte das börsennotierte Unternehmen seine Geschäftszahlen zum ersten Halbjahr und bestätigte die Prognose fürs Gesamtjahr.

„Wir sind auf Kurs, gewinnen an Schwung und erzielen trotz Pandemie Gewinne“, sagte Grenke-Finanzvorstand Sebastian Hirsch. „Im weiteren Jahresverlauf wollen wir jetzt zusätzliches Neugeschäft generieren.“ Geplant ist ein Leasing-Neugeschäft im Volumen zwischen 1,7 und 2 Milliarden Euro. Würde das Unternehmen die obere Marke erreichen, wäre der Wert von 2020 geschafft. Der Konzerngewinn nach Steuern soll im Bereich zwischen 60 und 80 Millionen Euro liegen.

Auch beim Thema Sonderprüfungen will Grenke wieder in ruhigere Fahrwasser kommen. Das im vergangenen Jahr durch Manipulationsvorwürfe arg gebeutelte Unternehmen wurde nicht nur von der Finanzaufsicht Bafin durchleuchtet, sondern hatte auch selbst eigene Gutachten in Auftrag gegeben, und danach Strukturveränderungen im Konzern eingeleitet. In diesem Prozess gab es unter anderem einen Führungswechsel an der Spitze des Unternehmens – seit Kurzem hält der frühere BayernLB-Manager Michael Bücker die Fäden bei den Baden-Badenern in der Hand.

Er sehe es als eine seiner wichtigsten Aufgaben, das erforderliche hohe Niveau der internen Kontrollfunktionen und -prozesse sicherzustellen und nachhaltig in der Unternehmenskultur im gesamten Grenke-Konzern zu verankern, sagte er gestern. „Diesen gebotenen Wandlungsprozess werden wir mit größtmöglicher Ernsthaftigkeit vorantreiben. Deshalb werde ich mich in den nächsten Wochen aktiv in den Dialog mit den Aufsichtsbehörden einbringen.“

Integration der Franchisegesellschaften abschließen

Auch das Thema Integration der Franchisegesellschaften, mit denen Grenke seine Expansion im Ausland bislang vorantrieb, soll im laufenden Geschäftsjahr weitgehend abgeschlossen werden. Wie Grenke gestern noch einmal bekräftigte, sollen die ersten Gesellschaften bis Jahresende übernommen werden – der gesamte Prozess soll im kommenden Jahr abgeschlossen sein. Künftige Neugründungen im Ausland erfolgen nun aus dem eigenen Haus heraus – und mit eigener Finanzierung.

Im vergangenen Jahr hatte der britische Shortseller Fraser Perring die Franchise-Praktik Grenkes kritisiert und dem Unternehmen vorgeworfen, verlustreiche Franchiseunternehmen, deren Eigentümer mit Grenke eng verbunden waren, zu teuer gekauft zu haben. Weitere Anschuldigungen kamen hinzu und hatten das Unternehmen auch an der Börse unter Druck gebracht.

Gestern legte die Grenke-Aktie in einem freundlichen Börsenumfeld zu. Bis zum Börsenschluss stieg der Wert des Anteilsscheins um 2,49 Prozent auf 36,18 Euro. Die Kursverluste aus dem vergangenen Jahr sind jedoch nicht annähern aufgeholt. Im August stand das Papier noch bei mehr als 70 Euro.

Im ersten Halbjahr 2021 hatten die Baden-Badener einen Gewinn von 32,3 Millionen Euro eingefahren, nach 33,2 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Die Bilanzsumme lag zum 30. Juni bei 6,8 Milliarden Euro, am 31. Dezember waren es noch 7,3 Milliarden Euro.

Grenke ist auf die Finanzierung von Betriebsmitteln in mittelständischen Unternehmen spezialisiert – vom Gabelstapler bis hin zur Kaffeemaschine. Firmengründer Wolfgang Grenke startete damit 1978 und vermietete Telefonanlagen, Kopierer und Computer mit kleinen Anschaffungswerten. Heute ist das Unternehmen mit einem weitaus breiteren Leistungsspektrum in 33 Ländern aktiv.

Ihr Autor

BT-Redakteur Tobias Symanski

Zum Artikel

Erstellt:
4. August 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 31sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.