Grenke soll mehr eigenes Kapital vorhalten

Baden-Baden/Bonn (vo) – Die Finanzaufsicht Bafin hat sich lange Zeit gelassen – und nun dem Leasing-Spezialisten Grenke eine klare Ansage gemacht.

Seit August bei Grenke am Ruder: Vorstandschef Michael Bücker. Foto: Grenke

Seit August bei Grenke am Ruder: Vorstandschef Michael Bücker. Foto: Grenke

Das Unternehmen muss sein Eigenkapital deutlich erhöhen und künftig 10,5 statt bislang neun Prozent an entsprechenden Mitteln vorhalten. Bei der Tochtergesellschaft Grenke Bank verlangt die Finanzaufsicht sogar einen Aufschlag von drei auf 11,5 Prozent.

Weil die Sonderprüfungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) im Zeitraum von Herbst 2020 bis Frühjahr 2021 außerdem zum Teil gravierende organisatorische Mängel unter anderem in der Geldwäscheprävention zutage förderten, wird Grenke dazu verpflichtet, für die Zukunft eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation sicherzustellen.

„Zurück in der Normalität“

Das Baden-Badener Unternehmen reagierte auf die gestrige Mitteilung der Bonner Behörde erleichtert. „Wir begrüßen es sehr, dass mit dieser Entscheidung das intensive Prüfungsverfahren jetzt abgeschlossen ist und wir damit zurück in der Normalität sind“, sagte Michael Bücker in einer betont kurz gehaltenen Stellungnahme.

Der 59-Jährige hatte nach erheblichen wirtschaftlichen und personellen Turbulenzen den Vorstandsvorsitz Anfang August vergangenen Jahres übernommen und zuletzt einen Konzerngewinn in Höhe von 60 bis 80 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2021 sowie weiteres Wachstum in Aussicht gestellt. „Der Kapitalzuschlag wird das geplante Portfoliowachstum in 2022 nicht beeinträchtigen“, sagte am Mittwoch Finanzchef Sebastian Hirsch. Gleichzeitig setze das Unternehmen darauf, dass die von der Bafin verlangte höhere Kapitalforderung schnellstmöglich wieder aufgehoben werde, so Hirsch. Man rechnet damit spätestens im Zuge der üblichen Nachschauprüfung.

Von Bilanzfälschung bis hin zu Betrug

Die Finanzaufsicht hatte die Sonderprüfung eingeleitet, nachdem Grenke im Herbst 2020 ins Kreuzfeuer des britischen Leerverkäufers Fraser Perring geraten war. Danach standen neben der Kritik am Geschäftsmodell lange Zeit auch erhebliche Vorwürfe gegen das Unternehmen im Raum – von Bilanzfälschung bis hin zu Betrug. Wesentliche Vorwürfe konnte Grenke seither ausräumen, unter anderem hat sich der Vorwurf der Geldwäsche nicht bestätigt. Allerdings blieb nach eingehender Untersuchung verschiedener involvierter Prüfungsgesellschaften eine umfassende Mängelliste zurück.

Der Konzern, dessen Gründer Wolfgang Grenke sich im vergangenen Jahr komplett zurückgezogen hat, konnte nach eigenen Angaben inzwischen einen großen Teil der unter anderem von der Bafin geforderten Maßnahmen abarbeiten, etwa mit Blick auf die Bilanzierung des Franchisegeschäfts, das interne Kontrollsystem sowie die Revision und Compliance-Organisation. Auch personell wurde im Vorstand nachgerüstet. Vom wirtschaftlichen Tiefschlag erholt hat sich Grenke aber noch nicht ansatzweise.

Gleichwohl wurde an der Börse am Mittwoch der Abschluss der Bafin-Sonderprüfung offenbar mit Erleichterung aufgenommen. Die im S-DAX notierte Aktie war im Zuge der Leerverkäufer-Attacke eingebrochen und zuletzt sogar unter die Marke von 27 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren gefallen. Am Mittwoch konnte sie im Xetra-Handel nach starken Schwankungen am Ende um mehr als vier Prozent zulegen.

Ihr Autor

Jürgen Volz

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Erstellt:
16. Februar 2022, 19:30 Uhr
Lesedauer:
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