Grenkes Neugeschäft auf Erholungskurs

Baden-Baden (vo) – Das Geschäft des Baden-Badener Leasingunternehmens Grenke erholt sich wieder. Im zweiten Quartal übertrafen die Neuverträge erstmals seit Corona-Ausbruch den Vorjahreswert.

Finanzvorstand Sebastian Hirsch.  Foto: Alexander Fischer/Grenke

© ALEXANDER FISCHER

Finanzvorstand Sebastian Hirsch. Foto: Alexander Fischer/Grenke

Positive Nachrichten von der Grenke AG: Im zweiten Quartal lag das Leasing-Neugeschäft mit knapp 399 Millionen Euro nahezu auf Vorjahresniveau. Die Zahl der Neuverträge habe dabei erstmals seit Beginn der Pandemie sogar über dem Vorjahreswert gelegen, teilte das Unternehmen gestern mit.

Unterm Strich konnte Grenke insgesamt 56.078 neue Leasingverträge abschließen (2020: 50.381). Die erwartete Erholung nach Corona habe bereits eingesetzt, sagte Finanzvorstand Sebastian Hirsch gestern gegenüber dem Badischen Tagblatt. Grenke hält aufgrund der verbesserten Rahmenbedingungen an seiner Zielmarke von 1,7 bis 2 Milliarden Euro beim Neugeschäft für das Gesamtjahr fest. „Eine knappe Milliarde brauchen wir hierfür noch“, so der Finanzchef. Insbesondere in den Kernmärkten Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es nach Rückgängen wegen Corona nun Nachholbedarf.

Die im S-DAX notierte Aktie des Unternehmens legte nach den Daten zum Neugeschäft zeitweise um 3,5 Prozent zu. Zum Xetra-Handelsschluss stand sie bei 38,30 Euro (plus 2,57 Prozent). Die Investmentbank Warburg Research beließ die Einstufung für Grenke gestern auf „Buy“ mit einem Kursziel von 47 Euro.

Fokus auf profitablere Geschäfte

„Wenn wir uns die vergangenen Monate anschauen, dann sehen wir, es geht jetzt wieder bergauf. Gleichwohl befinden wir uns weiterhin in einem von der Pandemie geprägten Marktumfeld“, sagte Hirsch. „Mit Beginn der Covid-19-Krise haben wir in unseren Neugeschäftsaktivitäten gezielt auf Risikolimitierung und kleinteiliges Geschäft gesetzt. Diese Strategie ist aufgegangen. Doch nun steht der nächste Schritt an, wir wollen auch das Volumen sukzessive steigern“.

Ein Ende Juni abgeschlossener Kreditrahmen mit sieben Banken über 250 Millionen Euro ist dafür eine wesentliche Voraussetzung. „Es ist ein wichtiger Schritt zurück an den Kapitalmarkt“, so Hirsch gegenüber dem BT. Der Deckungsbeitrag des Leasingneugeschäfts stieg den Angaben zufolge um rund zwei Prozent auf 72 Millionen Euro. Der Deckungsbeitrag ist die Differenz zwischen den Erlösen und den variablen Kosten und zeigt den Beitrag des Neugeschäfts zur Deckung der Fixkosten.

Die Deckungsbeitragsmarge legte dementsprechend auf 18,1 Prozent (Vorjahr: 17,5 Prozent) zu. Dies sei vor allem auf den Fokus auf profitablere Geschäfte mit kleineren Leasingverträgen zurückzuführen. Der durchschnittliche Wert eines Leasingvertragsabschlusses sank auf etwas mehr als 7.100 Euro. Vor einem Jahr hatte er noch bei knapp 8.000 Euro gelegen.

Wachstum beruht auf deutlichem Plus in Deutschland

Im Factoringneugeschäft erzielte Grenke mit einem angekauften Forderungsvolumen von 175,2 Millionen Euro ein signifikantes Wachstum von 23,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Es beruhte insbesondere auf einem deutlichen Plus in Deutschland.

Bei der Grenke Bank sank das Kreditneugeschäft im zweiten Quartal erwartungsgemäß um nahezu 90 Prozent auf 6,1 Millionen Euro. Hier hatten die externen Prüfungen in Folge von Vorwürfen des britischen Leerverkäufers Fraser Perring entsprechende Anpassungen im Kreditgeschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen nahegelegt. Unabhängig davon bleiben die Einlagen mit einem Bestandsvolumen von 1,5 Milliarden Euro zur Jahresmitte eine Säule der Konzernrefinanzierung, so Hirsch.

Der Finanzverantwortliche hat nach dem Abschied von Unternehmenschefin Antje Leminsky zu Monatsbeginn vorübergehend auch Aufgaben eines Vorstandsvorsitzenden übernommen. Am 1. August kommt dann der neue Mann an der Spitze von Grenke: Michael Bücker, der zuletzt Mitglied des Vorstands der Bayerischen Landesbank war.

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Erstellt:
3. Juli 2021, 10:00 Uhr
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