Große Freude über treue Kunden in Gaggenau

Gaggenau (stn) – Seit Montag sind Buchhandlungen, Bau- und Gartenmärkte sowie der Einzelhandel nach zwölf Wochen Lockdown wieder geöffnet. Die Erleichterung hierüber ist auch bei den Kunden groß.

Andrea Biedermann von der Buchhandlung „Bücherwurm“ freut sich auf den Austausch mit ihren Kundinnen und Kunden. Foto: Nora Strupp

© stn

Andrea Biedermann von der Buchhandlung „Bücherwurm“ freut sich auf den Austausch mit ihren Kundinnen und Kunden. Foto: Nora Strupp

Die Erleichterung bei den Inhabern und Filialleitern der Buchhandlungen, Bau- und Gartenmärkte und des Einzelhandels ist riesig. Gemäß der neuesten Corona-Verordnung des Landes dürfen sie seit Montag – nach zwölfwöchigem Lockdown – endlich wieder öffnen und Kunden empfangen. Das BT hat sich bei der Buchhandlung „Bücherwurm“, bei Profi Schiffmacher und beim „Kauflädle“ umgehört.

„Wir haben uns wahnsinnig darauf gefreut“, zeigt sich Andrea Biedermann, Inhaberin der Buchhandlung „Bücherwurm“ in der Hauptstraße, euphorisch: „Dass man sich wieder begegnen und austauschen, dass man einfach nur schauen und entdecken und in der Fülle von Neuerscheinungen schwelgen kann. Gerade der inhabergeführte Buchhandel lebt von Begegnung.“

Einen Termin benötigt man für einen Besuch im „Bücherwurm“ nicht. „Man kann einfach reinkommen und stöbern. Unser Hygienekonzept ist gut und erprobt. Ich mache mir keine Sorgen, dass etwas passiert. Wir sind gewappnet und gut aufgestellt“, ist sich Biedermann sicher.

Dennoch sei bei einigen Kunden eine gewisse Zurückhaltung zu beobachten. So fragt etwa eine Kundin vor dem Betreten des Ladens unsicher: „Darf ich rein?“.

„Man merkt, dass die Kunden verhalten, vorsichtig und zögerlich sind. Aber ich finde es schön, dass sie darauf achten und aufmerksam sind. Und dass man sich der Verantwortung füreinander bewusst ist“, erläutert Biedermann.

Ein Schritt in Richtung Normalität

Trotz aller Vorsicht überwiegt bei den Kunden die Erleichterung. „Es ist eine große Freude, wieder in einen Buchladen gehen zu dürfen“, meint zum Beispiel Susanne Rodenfels, die auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk in den „Bücherwurm“ gekommen ist. Sie war selbst jahrelang Inhaberin des Buchladens.

„Es ist einfach toll und erleichternd. Man hat das Gefühl, dass es doch wieder in Richtung Normalität geht“, stimmt Jutta Götz ihr zu.

Ein bestimmtes Genre sei bei ihren Kunden derzeit nicht gefragt, erzählt Biedermann. Vielmehr würden diese „querbeet“ kaufen. Besonders begeistert zeigten sie sich von Neuerscheinungen wie etwa „Hard Land“ vom deutsch-schweizerischen Schriftsteller Benedict Wells. Aber auch Barack Obamas „Ein verheißenes Land“ sei nach wie vor gefragt.

Nachdem der Baumarkt „Profi Schiffmacher“ vergangene Woche schon sein Gartencenter wieder für die Kunden öffnete, darf er seit Montag das komplette Sortiment zum Verkauf anbieten. Dies macht sich laut Marktleiter Sandro Di Carlo auch im Kundenaufkommen bemerkbar: Am Montag sei bereits deutlich mehr los gewesen.

„Wir sind froh und erleichtert, dass unsere Kunden wieder rein dürfen. ,Click & Collect‘ war schwierig, weil sie manchmal nicht wissen, wie ein Gerät oder Werkzeug heißt. Jetzt ist das einfacher, weil man wieder alles erklären kann.“ Besonders oft gehen derzeit Gartenzubehör oder Material für kleinere Reparaturen über den Ladentisch.

Darf seine Kunden endlich wieder persönlich beraten: Sandro Di Carlo von Profi Schiffmacher. Foto: Nora Strupp

© stn

Darf seine Kunden endlich wieder persönlich beraten: Sandro Di Carlo von Profi Schiffmacher. Foto: Nora Strupp

Persönliche Beratung vor Ort wird geschätzt

Glückliche Gesichter sieht man auch unter den Kunden, die sich an diesem Tag in den Gängen von Profi Schiffmacher tummeln. „Wir freuen uns, dass wieder geöffnet ist“, sagt Katharina Tremmel, die gemeinsam mit ihrem Mann Sven Quilitzsch den Baumarkt besucht. Die Vorzüge von geöffneten Geschäften wissen beide zu schätzen. „Es ist ein Vorteil, sich beraten lassen und alles anfassen zu können“, so Tremmel. In den vergangenen Wochen haben sie versucht, Online-Shopping gänzlich zu vermeiden, „um den Einzelhandel vor Ort zu unterstützen.“ Da die beiden gerade ihr Haus renovieren, war der Lockdown für sie besonders ärgerlich. „Wir können nicht noch Monate warten“, meint Tremmel. „Es schränkt einen ein. Wenn man in ein Geschäft gehen kann, um etwas zu kaufen, ist das schon etwas anderes“, weiß Quilitzsch.

Auch im Gang nebenan ist ein Kunde froh, dass der Einzelhandel wieder geöffnet hat. „Das ist sehr gut. Darauf habe ich lange gewartet. Es ist schon besser, wenn man das, was man kaufen möchte, sehen kann anstatt es im Internet zu bestellen“, sagt er.

Einkaufen nach Terminvereinbarung

Vom Lockdown hingegen nicht betroffen war in den vergangenen Monaten das Gaggenauer Geschäft „Ihr Kauflädle“. „Da wir Lebensmittel, Drogerieprodukte, Passbilder, Tiernahrung und generell Dinge des täglichen Bedarfs im Sortiment haben, waren wir systemrelevant und hatten deshalb komplett geöffnet“, erläutert Inhaber Andreas Fruhen. Doch nicht bei allen Kunden sei dies bekannt gewesen. „Wir hatten einige Anrufe, ob wir geöffnet haben.“ Dass er seinen Laden während des Lockdowns nicht schließen musste, erleichtert ihn. „Wir sind im grünen Bereich. Wir überleben finanziell und geschäftlich“, lautet seine Bilanz.

Während in manchen Geschäften wieder Normalität einzukehren scheint, herrscht andernorts nach wie vor Ausnahmezustand. Doch Melitta Strack, die Vorsitzende der Werbegemeinschaft Gaggenau und Mitinhaberin der Jeans Box in Gaggenau sagt: „Es ist grundsätzlich zu begrüßen, dass nun Einkaufen nach Terminvereinbarung möglich ist.“

Nach derzeitiger Corona-Verordnung kann sie in ihrem 300-Quadratmeter-Geschäft bis zu sieben Kunden gleichzeitig bedienen. Man habe normale Öffnungszeiten, „es gibt auch schon Buchungen“ freut sie sich und ermuntert die Kauflustigen, in Gaggenau einzukaufen: „Einfach anrufen und Termin ausmachen, es gibt auch kurzfristige Möglichkeiten.“

Letztlich blickt auch sie täglich auf die Inzidenzzahlen. Die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis wurde am 8. März mit 87,3 angegeben; für Gaggenau bilanzierte Ordnungsamtsleiter Dieter Spannagel den Wert von 43,3 – also die Hälfte. Melitta Strack: „Wir hoffen, hoffen und hoffen, dass die Inzidenzzahlen nach unten gehen. Und wir hoffen, dass sich alle Bevölkerungsgruppen als verantwortungsbewusst erweisen.“

Sven Quilitzsch und Katharina Tremmel haben während des Lockdowns bewusst auf Online-Shopping verzichtet, um den lokalen Einzelhandel zu unterstützen. Foto: Nora Strupp

© stn

Sven Quilitzsch und Katharina Tremmel haben während des Lockdowns bewusst auf Online-Shopping verzichtet, um den lokalen Einzelhandel zu unterstützen. Foto: Nora Strupp

Ihr Autor

BT-Volontärin N. Strupp, BT-Redakteur T. Senger

Zum Artikel

Erstellt:
8. März 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 39sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.