Große Kulleraugen zum Verlieben

Bühlertal (gim) – Drei Alpakas halten die Landschaft in Bühlertal am Engelsfelsen offen. Carolin Braun und Stefan Kohler haben sich mit dem Kauf der Tiere einen Traum erfüllt.

Carolin Braun und Stefan Kohler füttern die Alpakas mit Löwenzahn, um eine Bindung zu den Tieren aufzubauen.  Foto: Gina Meier

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Carolin Braun und Stefan Kohler füttern die Alpakas mit Löwenzahn, um eine Bindung zu den Tieren aufzubauen. Foto: Gina Meier

Alpakas statt Motorsense: Carolin Braun und Stefan Kohler halten in Bühlertal am Engelsfelsen seit drei Monaten Alpakas. Die Tiere sollen die steilen Hänge freihalten.

Außer Vogelgezwitscher ist es ruhig in Bühlertal am Engelsfelsen. Zwischen Trockenmauern und Reben – versteckt unter den Bäumen im Schatten – grasen ein weißes und zwei kleinere braune Alpakas gemütlich vor sich hin. Als Carolin Braun und Stefan Kohler das Tor öffnen und den steilen Hang in das Gehege hinunter gehen, kommen Anton, Alfi und Konrad, wie die drei heißen, sofort neugierig hergelaufen. Den Löwenzahn, den die Besitzer ihnen hinhalten, fressen sie begierig. „Wer in die großen, braunen Kulleraugen von Alpakas schaut, verliebt sich sofort“, meint Braun. Schon seit fünf Jahren schwirrt Kohler die Idee von der Alpaka-Haltung im Kopf herum. Am 1. Mai war es dann soweit, die Alpakas, die Braun und Kohler vier Wochen zuvor bei einem Züchter angeschaut hatten, konnten auf der Schwäbischen Alb abgeholt und in ihr neues Zuhause in Bühlertal gebracht werden.

Bei der Haltung geht es um Landschaftspflege

Laut Kohler geht es der Familie bei der Haltung hauptsächlich um die Landschaftspflege. Früher musste das Grundstück mit einer Motorsense gemäht werden, was wegen der Steillage der Fläche sehr anstrengend und zeitaufwendig ist. Durch die ein und zwei Jahre alten Tiere, die die Fläche von fast einem halben Hektar abgrasen, hat Kohler, der hobbymäßig auch Reben bewirtschaftet, nun deutlich weniger Arbeit. Theoretisch würde es reichen, wenn Kraftfutter und Heu, das die Alpakas zusätzlich für die Verdauung bekommen, abends aufgefüllt werden, aber die Besitzer besuchen ihre Tiere weitaus öfter. Auch Kohlers Mutter, die nahe am Gehege wohnt, schaut fast jeden Morgen nach den Alpakas. Es helfen alle mit. Für die Wasserzufuhr hat Kohler eine Leitung von einer Quelle im oberen Teil ihres Grundstückes in das Gehege gelegt. Außer Fressen, Trinken und ein wenig Schatten brauchen die Tiere nichts. „Sie sind ziemlich pflegeleicht“, erzählt Braun. Außerdem seien Alpakas, die eigentlich aus den Anden in Südamerika stammen, sehr anpassungsfähig. Sie haben sich nahezu perfekt an die klimatischen Verhältnisse in Deutschland angepasst.

Alpaka Alfi grast genüsslich das Grundstück am Engelsfelsen ab. Foto: Gina Meier

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Alpaka Alfi grast genüsslich das Grundstück am Engelsfelsen ab. Foto: Gina Meier

Einmal im Jahr, bestenfalls Mitte Mai, müssen sie von ihrem dicken Winterfell befreit werden. Die Wolle, die samtweich ist, kann entweder zu Kissen oder Kleidung verarbeitet werden. Oder man kann sie unter einer Pflanze eingraben, wo die Wolle wegen des hohen Stickstoffgehalts als Dünger fungiert. Doch nicht nur die Wolle wird im Hause Kohler zum Düngen verwendet, auch der Kot der Tiere wird getrocknet und anschließend gehäckselt und kann so als Dünger benutzt werden. Dieser organische Dünger wird auch „Alpaka-Gold“ genannt, da er als hochwertiger Langzeitdünger und Bodenverbesserer gilt.

Als das Paar im Dezember das Grundstück von Kohlers Eltern einzäunte, waren auch Ziegen, die bekanntlich fast alles abfressen, im Gespräch. Doch bald war für die beiden klar, dass man sich den lange gehegten Traum Kohlers von Alpakas erfüllt. Alpakas sind in der Abweidung zwar nicht ganz so effektiv wie Ziegen, aber dafür sind sie „einfach goldig und machen Spaß“, so Braun. Das Paar nahm auch an einem Kurs über Alpakas teil, der vom Veterinäramt vorgeschrieben wurde. Zuvor hatte sie jedoch schon der Züchter über wesentliche Punkte in der Alpakahaltung informiert. Mit diesem Züchter stehen Braun und Kohler in regelmäßigem Kontakt, um eventuelle Fragen zu klären.

Auch Probleme mit Jakobskreuzkraut

Das Paar hält die Tiere zwar privat, doch der Förderverein Engelsberg begrüßt die Tierhaltung zur Offenhaltung der Landschaft sehr. Vor allem Franz Tilgner vom Förderverein schaut öfter bei den Alpakas vorbei und hilft den Besitzern. Im Gegenzug mäht Kohler Teilgebiete des Engelsbergs mit. „Es ist ein Geben und Nehmen“, merkt er an. Wichtig sei nur, dass man sich um die Offenhaltung der Landschaft kümmere. „Bühlertal wächst nach und nach zu“, so Kohler. Gefährlich sei hierbei vor allem das Jakobskreuzkraut. Die Pflanze mit den gelben Blüten verbreitet sich bei zurückhaltender Bekämpfung sehr schnell – auch über die Feldergrenzen hinaus – und ist schädlich für Mensch und Tier. So sind Braun und Kohler oft damit beschäftigt, das Gehege nach dem giftigen Kraut zu durchsuchen und es zu entfernen. Das Fressen von Jakobskreuzkraut führt bei Alpakas zu Leberschäden, wodurch die eigentliche Lebenserwartung von circa 20 Jahren halbiert wird. Deshalb appelliert das Paar an die Besitzer von Feldern und an die Gemeinde, sich besser um die Landschaftspflege im Ort zu kümmern.

Spaziergang mit Tieren an der Leine

Derzeit verbringen Kohler und Braun viel Zeit mit den Alpakas, um eine Bindung zu den Tieren aufzubauen. Ein großer Wunsch der beiden ist es, dass sie eines Tages mit Anton, Alfi und Konrad an der Leine auf den Wanderwegen des Engelsbergs durch hoffentlich gepflegte Felder spazieren können.

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