Große Nachfrage: Noch kein Booster für alle

Rastatt (dm) – Die Nachfrage ist riesig: Aus der gesamten Region kommen Menschen insbesondere zur Drittimpfung ins Rossi-Haus nach Rastatt. Dort wird nach Empfehlung der Impfkommission „geboostert“.

Impfangebot im Rossi-Haus: Ungebrochen groß ist die Nachfrage und damit auch die Warteschlange.Foto: Egbert Mauderer

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Impfangebot im Rossi-Haus: Ungebrochen groß ist die Nachfrage und damit auch die Warteschlange.Foto: Egbert Mauderer

Auffrischungsimpfungen sind bei der werktäglichen Impfaktion im Rossi-Haus (montags bis freitags) derzeit besonders gefragt. Das Team der Praxis Holzapfel orientiert sich dabei an der aktuellen Empfehlung der Ständigen Impfkommission (StIKo). Das heißt: Angeboten wird sie für Menschen, deren Zweitimpfung mindestens sechs Monate zurückliegt und mindestens 60 Jahre alt sind oder die an einer Immunschwäche leiden oder Pflegeheimbewohner/-personal oder medizinisches Personal mit Kontakt zu Patienten sind oder die zwei Impfungen mit Astrazeneca erhalten haben. Wer den Einmalstoff von Johnson&Johnson erhalten hat, kann den Schutz bereits nach vier Wochen auffrischen lassen.

Priorisierung bei der Auffrischung

Das heißt: Den „Booster für alle“ gibt es dort noch nicht. Am Dienstag hatte die Regel für Unmut unter Booster-Impfwilligen gesorgt, die nicht unter die genannten Gruppen fallen und nach zweieinhalb Stunden in der Warteschlange letztlich fortgeschickt worden seien. Dies berichtet eine Betroffene, deren Biontech-Impfung zwar länger als sechs Monate zurückliegt, die aber erst 53 Jahre alt ist. Die Frau ärgert sich, weil ihrer Ansicht nach doch früher schon jemand in der Warteschlange über dieses Vorgehen hätte informieren können; zumal aus der Politik aktuell immer wieder der „Booster für alle“ propagiert werde und sich grundsätzlich alle, deren zweite Impfung sechs Monate oder länger zurückliegt, eine Auffrischungsimpfung geben lassen könnten – im Prinzip.

Doch dafür ist die Nachfrage im Rossi-Haus wohl einfach zu groß. Noch mehr Menschen als ohnehin schon im Rahmen dieser Aktion zu impfen, das sei angesichts der Infrastruktur im Rossi-Haus derzeit nicht zu leisten, bittet man bei der Stadt um Verständnis. Aus ärztlicher Sicht sei es daher richtig, die Priorisierung nach StIKo-Empfehlung vorzunehmen, damit zunächst diejenigen drankommen, die die Auffrischung am dringendsten benötigen. Weiterhin werden zudem auch wie gewohnt Erst- und Zweitimpfungen angeboten.

Rastatter Angebot als Strohhalm

Gleichwohl bedauere man es, so die städtische Pressesprecherin Heike Dießelberg, wenn sich Betroffene falsch informiert gefühlt haben und nach langer Wartezeit unverrichteter Dinge wieder gehen mussten. Inzwischen informieren auch Aufsteller vor dem Rossi-Haus über die dort geltenden Voraussetzungen für die Drittimpfung. In die größere Reithalle ziehen, wo in der Vergangenheit einzelne Impfaktionen stattgefunden hatten, könne man mit dem Angebot derweil nicht: Dort finden längst wieder Veranstaltungen statt.

Rund 2.500 Impfungen sind laut Stadt bis Donnerstagnachmittag im Rossi-Haus geleistet worden. Das Rastatter Angebot ist in der weiteren Umgebung trotz steigender Coronainfektionen immer noch einzigartig und wird laut Pressestelle daher auch zu einem großen Teil von Menschen aus der gesamten Region bis hin nach Karlsruhe wahrgenommen.

Unterdessen ist immer wieder zu hören, dass bei Arztpraxen lange Wartelisten bis in den Januar hinein bestehen. Die Rastatter Aktion dient da offensichtlich vielen als „Strohhalm“. Die oben erwähnte 53-Jährige etwa war eigenen Angaben zufolge von der eigenen Hausarztpraxis ermutigt worden, zum Rossi-Haus zu gehen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Daniel Melcher

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Erstellt:
12. November 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 26sec

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