Große Reiselust, aber auch Unwägbarkeiten

Stuttgart (ela) – Nach zwei Jahren stark eingeschränkter Reisemöglichkeiten haben viele Menschen große Lust auf Urlaub. Das ist ein Ergebnis der jüngsten Reiseanalyse.

Mit Aussicht: Der Schwarzwald gehört zu den bekanntesten Urlaubs-Destinationen im Inland. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

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Mit Aussicht: Der Schwarzwald gehört zu den bekanntesten Urlaubs-Destinationen im Inland. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Der Nachholbedarf ist groß: Nach zwei Jahren mit stark eingeschränkten Möglichkeiten infolge der Corona-Pandemie verspüren die Menschen große Lust auf Urlaubsreisen. Dr. Martin Lohmann, wissenschaftlicher Berater der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR), dämpfte bei der Online-Vorstellung der jährlichen Reiseanalyse anlässlich der erneut ausgefallenen Reisemesse CMT aber gleichzeitig die Erwartungen für die Branche. „Auch wenn das Urlaubsbarometer auf einem Höchststand ist – das führt noch nicht automatisch zu einer entsprechenden Nachfrage.“ 61 Prozent (Vorjahr 51 Prozent) der 2.500 Befragten haben in diesem Jahr große Lust auf Urlaub. Gleichzeitig schätzen wieder mehr Menschen (22 Prozent, Vorjahr 17 Prozent) ihre persönliche Lage günstiger ein. 54 Prozent sehen für sich eine wirtschaftlich stabile Situation – eine wichtige Voraussetzung für Urlaubspläne.

Trend zu kurzfristigen Buchungen

Dagegen stehen rasch wechselnde Corona-Vorschriften in den Reiseländern und Unwägbarkeiten des Pandemieverlaufs, die das Urlaubsgeschehen weiterhin bremsen und hin zu einem kurzfristigeren Buchungsverhalten verändern. Der Informationsbedarf ist hoch. Von den Veranstaltern erwarten die Interessenten viel Flexibilität und Kulanz.

Insgesamt erwartet Lohmann auch 22 eine geringere Nachfrage als 2019 – also vor Covid-19. Dennoch zeichne sich nach den starken Einbrüchen 2020 und 2021 mit rund 60 Millionen erwarteten Urlaubsreisen der deutschsprachigen Bevölkerung ein Schritt hin zur Normalisierung ab, der Anteil an Flugreisen bleibt jedoch wohl geringer.

Der internationale Tourismus ging laut Lohmann 2021 im Vergleich zu 2019 um mehr als 70 Prozent zurück. Weltweit werde die Zahl der Ankünfte voraussichtlich bei rund 351 Millionen liegen, nach 381 Millionen 2020 und 1,46 Milliarden 2019. „Damit liegt das Volumen etwa auf dem Niveau von 1987“, so Lohmann.

Jüngere Gäste in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg mussten die Gastgeber 2021 bis Ende November im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vor-Corona-Jahr drastische Einbrüche von mehr als 30 Prozent bei Übernachtungen verkraften, teilte die Schwarzwald-Tourismus GmbH auf BT-Nachfrage mit. Im Vergleich zum 2020 seien die Novemberzahlen im Schwarzwald mit Zuwächsen um 362 Prozent bei den Ankünften und 157 Prozent bei den Übernachtungen „exorbitant gut“. Auch die Sommerzahlen hätten sich hervorragend entwickelt. Eine Vorhersage für 2022 will man allerdings noch nicht wagen. Nur so viel: „Ohne weitere Beherbergungs- und Reiseverbote könnten die Gastgeber im Schwarzwald spätestens 2023 wieder annähernd ihre Vor-Corona-Bilanzen erreichen.“

Laut der FUR-Analyse hat Corona in manchen Regionen auch die Gästestruktur vorübergehend verändert. Baden-Württemberg war laut Lohmann vor Pandemiebeginn vorrangig ein Ziel für ältere Reisende. 2021 gab es deutliche Zuwächse bei jüngeren Gästen.

Deutschland bleibt nach der Reiseanalyse das beliebteste Urlaubsland der Deutschen, gefolgt von den klassischen Mittelmeer- und Alpenzielen. „Für Fernreisen bleibt das Interesse verhalten“, erklärt Lohmann. Deutliche Wachstumsraten gibt es bei Urlaub mit dem Wohnwagen und Wohnmobil sowie für Wellness. Ziele an der deutschen Küste und in den Bergen seien stark gefragt. Die hohe Inflation sieht Lohmann 22 und 23 nicht als Bremse, da 20 und 21 Geld gespart wurde. Auf Dauer erwartet der Reiseexperte wieder eine Entwicklung hin zum Reiseverhalten wie vor Corona. „Die Menschen und Präferenzen bleiben ja die gleichen.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Daniela Jörger

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Erstellt:
22. Januar 2022, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 33sec

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