Große Solidarität und viel geschenkte Zeit

Rastatt (as/ema/fuv) – Es war ein vermaledeites Jahr. Doch trotz Corona erinnern sich Menschen auch dankbar an gute Dinge.

Andrea Flackus. Foto: Anja Groß/Archiv

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Andrea Flackus. Foto: Anja Groß/Archiv

Es war ein Jahr, das viele heute wohl liebend gerne verabschieden: Das Corona-Jahr 2020, in dem vieles so anders oder einfach unmöglich war. Auch die Arbeit der BT-Lokalredaktion wurde durch die Pandemie ziemlich auf den Kopf gestellt. Und wir mussten über viele negative Auswirkungen berichten. Dennoch hat die Redaktion immer wieder erlebt, dass die Krise auch Positives hervorgebracht hat. Auf diese schönen Aspekte wollen wir deshalb zum Jahresabschluss die Aufmerksamkeit lenken und unsere Leserinnen und Leser mit hoffentlich ebenfalls positiven Gedanken ins neue Jahr schicken.

Toni Huber. Foto: Stephan Kaminski

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Toni Huber. Foto: Stephan Kaminski

Für ihn war es auch persönlich ein schwieriges Jahr: Landrat Toni Huber war infolge von Komplikationen nach einer Operation lange Zeit außer Gefecht. Im Rückblick ist er für zwei Dinge dankbar: „Zum einen, dass es den Forschern in der Welt mit einem Kraftakt über Ländergrenzen hinweg gelungen ist, einen Impfstoff zu finden, der uns die Hoffnung auf ein sorgenfreieres Leben zurückgibt.“ Zum anderen sei er persönlich dankbar dafür, „dass mich sehr viele Menschen durch meinen langen Genesungsprozess in der zweiten Jahreshälfte mit Gedanken und Mut machenden Gesprächen hindurchgetragen haben.“ Beides habe ihm in diesem schwierigen Jahr eins besonders bewusst gemacht, sagt der Landrat: „Gesundheit ist ein unschätzbar hohes Gut!“

Brachliegende Hobbys leben auf

Besondere Belastungen haben auch die Bürgermeister in der Corona-Krise meistern müssen: Immer wieder neue Verordnungen, die kurzfristig umgesetzt werden mussten, geschlossene Rathäuser, die trotzdem den Betrieb am Laufen halten müssen. Zwar hatten sie aufgrund vieler abgesagter Veranstaltungen unerwartet viel freie Zeit, doch wirklich froh war wohl keiner darüber. Muggensturms Bürgermeister Dietmar Späth sagt, es seien gerade mal zwei Bereiche, die er im Corona-Jahr als positiv empfinden konnte: „Zum ersten Mal wurde in unserem wirtschaftswunderreichen Deutschland offensichtlich, welche Menschen beziehungsweise meist unterbezahlten Berufsgruppen wirklich elementar, also systemrelevant für uns alle und unsere als selbstverständlich empfundene Lebensqualität sind.“ Er sei gespannt, wie lange dieser „Lerneffekt“ anhält. Persönlich habe er völlig unerwartet eine „Familien-Vereinigung“ erlebt, „da unsere Studenten-Söhne Raphael aus Köln und David aus Freiburg sich entschieden, den Lockdown mit Ausgangssperre und geschlossenen Feier-Begegnungsstätten sowohl im Frühjahr als auch jetzt aktuell lieber im ,Hotel Mama‘ als im sonst so attraktiven Großstadtleben ertragen zu wollen“. Es sei fast wie früher mit den Kindern, „nur dass Mama und Papa bei den Spieleabenden inzwischen wenig Gewinnchancen mehr haben“, sagt Späth. Aber ansonsten könne er „wirklich die nächsten 50 Jahre auf Corona verzichten“.

Dietmar Späth. Foto: Späth

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Dietmar Späth. Foto: Späth

Eine, die immer die helfende Hand reicht und aktiv wird, wenn es irgendwo brennt, ist die Rastatterin Andrea Flackus. Die Bürgerpreisträgerin 2019 fackelte auch in der Corona-Pandemie nicht lang: Dass das Maskennähen zur Unterstützung eines Frauenhilfsprojekts ein nie geahnter Erfolg wurde, freut sie rückblickend besonders. Sie sei dankbar, dass in der Familie alle weiter arbeiten durften und bis jetzt alle von einer Infektion verschont blieben, sagt sie. Besondere Momente habe die Familie mit Pflegekind Max erlebt, der gerade ersten Geburtstag hatte: „Wir hatten so viel Freude an unserem kleinen Sonnenschein, er ist gesund und munter, fast immer quietschvergnügt und entwickelt sich gut“, sagt die Mutter von fünf erwachsenen Kindern. Durch die freie Zeit infolge vieler abgesagter Termine habe sie zudem brachliegende Hobbys wieder aufleben lassen können. Bei ihrer Arbeit im Gesundheitsamt habe sie „viele gute Telefonate mit überwiegend besonnenen Menschen führen“ können. In der schwierigen Zeit sei der Zusammenhalt unter den Kollegen enorm und die Wertschätzung der Vorgesetzten für den Einsatz aller sehr groß, freut sie sich auch über eine große Solidarität, die nicht selbstverständlich sei.

Marita Franz mit einer Backwarenspende vor dem Gabenzaun. Foto: Frank Vetter

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Marita Franz mit einer Backwarenspende vor dem Gabenzaun. Foto: Frank Vetter

Diese Solidarität veranlasste auch das Rastatter Ehepaar Marita und Daniel Franz, kurz nach dem ersten Lockdown im März im Dörfel einen sogenannten Gabenzaun für Bedürftige und Wohnsitzlose zu initiieren. Ein Teil des Gartenzauns des ehemaligen Notariats in der Carl-Friedrichstraße wurde zur Ablage- und Abholstelle für Kleidung und Tiernahrung. Die Spendenaktion wurde gut angenommen, Privatleute und zwei Einzelhandelsketten unterstützen die Aktion noch immer, erzählt Marita Franz. „Für mich und meinen Mann war es ein wunderschönes Gefühl zu sehen, wie die ersten Bedürftigen sich am Gabenzaun bedienten“, blickt sie auf das Jahr zurück.


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