Große Sorgen in der Transportbranche

Karlsruhe/Pforzheim/Baden-Baden (BT/BNN) – Die Stimmung bei Taxifirmen ist wegen der explodierenden Spritpreise „katastrophal“. Auch der ÖPNV ächzt unter den steigenden Kosten.

Teurer Diesel macht Taxi-Unternehmen zu schaffen: „Das wird ein Unternehmenssterben geben“, lautet das düstere Fazit eines Anbieters. Foto: Andreas Arnold/dpa

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Teurer Diesel macht Taxi-Unternehmen zu schaffen: „Das wird ein Unternehmenssterben geben“, lautet das düstere Fazit eines Anbieters. Foto: Andreas Arnold/dpa

Solche Zeiten hat Axel Hofsäß in 30 Berufsjahren nicht erlebt. Die rasanten Preissteigerungen beim Diesel machen dem Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Pforzheim-Enzkreis große Sorgen. „Wir können das nicht einfach auf die Kunden umlegen. Wir haben schon durch Corona viele Fahrgäste verloren“, sagt er. „Aber wir werden nicht umhinkönnen, die Fahrpreise zu erhöhen“ – aber wohl erst zum Jahresende.

10.000 Euro mehr pro Tag

20.000 Liter Diesel verbrauchen die rund 350 Busse im Verbund in und um Pforzheim an einem Werktag. Bei einem Preisunterschied von 50 Cent im Vergleich zum Jahresbeginn sind das 10.000 Euro mehr – pro Tag. Aufs Jahr gerechnet kommen da rasch Millionensummen zusammen. „Und wir wissen noch lange nicht, ob das der Höchststand ist“, befürchtet Hofsäß, der entgegen mancher Expertenvoraussagen hofft, dass bei 2,50 bis 2,60 Euro das Ende der Fahnenstange erreicht ist.

„Die Unternehmen sind am Limit“

Der Preisanstieg bei Kraftstoff ist für alle Autofahrer immens – und explosionsartig. Diesel ist seit Kriegsbeginn in der Region zwischen 32 Cent (Achern, Baden-Baden) und 36 Cent (Ettlingen) je Liter teurer geworden, Super und E10 zwischen 23 und 26 Cent. Das entspricht allein binnen dieser anderthalb Wochen einer Steigerung zwischen 11,5 Prozent beim Benzin und 20,7 Prozent beim Diesel. Seit Anfang März ist Diesel sogar teurer als E10.

„Bei uns häufen sich die Rückmeldungen von Mitgliedern, die angesichts des explodierenden Dieselpreises nicht mehr weiterwissen“, berichtet Witgar Weber vom Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen. Er appelliert an die Politik, die Branche nicht im Regen stehen zu lassen. „Die Energiesteuer auf Treibstoffe muss schnellstmöglich gesenkt werden“, fordert Weber: „Die Unternehmen sind am Limit“. Zwei Jahre Corona-Pandemie hätten ihren Tribut gefordert. Und nun die explodierenden Spritpreise: „Das kann kein Verkehr, der an Laufzeiten gebunden ist, durchhalten.“

Auch bei Taxibetreibern ist die Stimmung „katastrophal“, wie Dirk Holl berichtet. Sein Unternehmen mit Sitz in Gaggenau ist auch in Karlsruhe, Baden-Baden und Rastatt vertreten – und verkauft gerade Autos, um wieder an Kapital zu kommen. Denn Holl fährt momentan „voll in die Verluste rein“. Die Tarife werden von den Kommunen festgelegt und sind nach seinen Erfahrungen oft jahrelang gleich hoch – die gestiegenen Kosten können hier nicht aufgefangen werden.

„Wir können das nicht überleben“

Schon Corona und der höhere Mindestlohn seien eine zu starke Belastung für das Taxigewerbe. Und jetzt der Dieselpreis: „Das wird ein Unternehmenssterben geben“, lautet das düstere Fazit seines Unternehmerkollegen Roland Koffler, Geschäftsführer von Taxiruf Karlsruhe. Auch sein Appell geht jetzt in Richtung Steuerentlastungen durch die Politik. „Wir können das nicht überleben, selbst wenn der Preis wieder zurückgeht.“

Spediteuren hilft der Diesel-Floater

Spediteure kommen mit den gestiegenen Spritkosten dagegen besser klar. In der Branche ist in der Regel ein sogenannter Diesel-Floater üblich, der schwankende Kraftstoffkosten automatisch mit in die Kalkulation einfließen lässt. So auch bei der IKG-Spedition in Baden-Baden-Steinbach. „Viele Großkunden haben in der Regel ihren eigenen Floater, damit sie nicht mit den vielen Transportdienstleistern ein jeweils eigenes Abrechnungsmodell bauen müssen“, sagt Geschäftsführer Ingo Kaiser. Anders sehe es bei kleineren Firmen aus, für die ab und zu mal gefahren werde. Hier seien die Transportpreise eigentlich nur einmal im Jahr Thema. Ändere sich in der Kalkulation etwas, spreche man miteinander, sagt Kaiser. „Doch im Moment sind die steigenden Spritpreise nicht mehr verhandelbar, man kommt schlicht nicht hinterher.“ Deswegen baut IKG derzeit in diese Verträge eine eigene Preisgleitklausel ein.

„Wer solche Floater nicht in seiner Kalkulation hat, der überlebt nicht lange“, sagt Karlhubert Dischinger, der Präsident des Verbandes Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL) in Stuttgart und Inhaber der Fachspedition Karldischinger. Das Unternehmen unterhält am Baden-Airpark in Rheinmünster einen Standort und ist in die Produktionsabläufe des nahe gelegenen Daimler-Werks in Rastatt und der jeweiligen Zulieferer integriert. Allerdings müssten viele Spediteure die Kosten über ein bis zwei Monate vorfinanzieren. „Wer viele Fahrzeuge hat, für den ist das schon ein größerer Kraftakt“, sagt Dischinger.


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