Große Woche: Bilanz auf der Iffezheimer Rennbahn

Iffezheim (kgö) – Nach dem Ende der Großen Woche in Iffezheim resümiert Betreiber Baden Galopp: Trotz guter Stimmung gibt es noch viel Luft nach oben. Vor allem sportlich muss nachgebessert werden.

Einziger Heimsieger: Plain Beau mit Jockey Rene Piechulek und Trainerin Conny Whitfield (rechts).  Foto: Klaus-Jörg Tuchel

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Einziger Heimsieger: Plain Beau mit Jockey Rene Piechulek und Trainerin Conny Whitfield (rechts). Foto: Klaus-Jörg Tuchel

Es war eine Mischung aus Erleichterung, Freude und Hoffnung. Erleichterung darüber, dass es in der Kürze der Zeit seit der Übernahme der Iffezheimer Rennbahn durch Baden Galopp überhaupt eine Große Woche gegeben hat. Freude darüber, wie prima es die „Mannheimer Macher“ Peter Gaul und Stephan Buchner hinbekommen haben. Die Steigerungsmöglichkeiten nach oben sind indes großkalibrig. Und beim Thema Hoffnung werden Erinnerungen an die Baden-Racing-Gesellschaft wach. Denn auch vor etwas mehr als zehn Jahren war der Jubel nach dem ersten Meeting groß. Die Hoffnungen erfüllten sich leider nicht, wie man mittlerweile weiß. Immerhin haben Gaul und Buchner es vermieden zu sagen: „Wir wollen in allem die Besten sein.“

Die überwiegende Zahl der insgesamt gemeldeten 27.383 Besucher sorgte für eine gute Stimmung auf dem Platz. Es war erfreulich, dass Baden Galopp glaubhafte Zahlen verkündete und keine schön- und hochgerechneten. 8.600 Besucher am Finaltag bei tollem Wetter sind in Corona-Zeiten ebenso positiv wie der Gesamtwettumsatz von 2,56 Millionen Euro und damit einer zweckgebunden zu verwendenden Rendite von etwa 515.159 Euro. Im Sponsorenbereich tauchten schon noch viele Partner aus den eigenen Reihen des Galoppsports auf – es war Hilfe zur Selbsthilfe. An der Spitze der Große Preis von Baden mit dem Verbandsunternehmen Wettstar.

Einmaligkeitsanspruch in Iffezheim verfolgen

Die Reihenfolge der Renntage mit den Abständen von drei Tagen wird so nicht bleiben. Die kritischen Stimmen über die frühen Anfangszeiten wegen der lukrativen Liveübertragungen nach Frankreich verstummen dagegen zunehmend. Eine positive Folge war ein früheres Ende. Gut für die Heimreisen der zwingend notwendigen Gäste aus NRW, aber auch für die Fans der Region. Auch ein Marathon mit elf oder zwölf Rennen sind nicht geplant, acht oder neun „Prüfungen“ wie in England und Frankreich sind ausreichend.

Aus sportlicher Sicht war der Sieg von Torquator Tasso als „Galopper des Jahres“ sowie der zweite Platz des Derbysiegers Sisfahan im Grand Prix gegen einen zweitklassigen Engländer wichtig. Von der stimmungstötenden Siegerehrung auf dem Geläuf bei der viel stimmungsvolleren Alternative im Absattelring sollte man indes absehen.

Dass es dem Trainer Frank Fuhrmann aus Möser bei Magdeburg gelang, ein Trainer-Championat bei der Großen Woche zu gewinnen, das ist von Fuhrmann eine herausragende Leistung. Der schlitzohrige Trainer und Besitzer agiert bundesweit mit einer Schiffsladung unterklassiger Pferde, die er überaus geschickt und erfolgreich managt. Wie die Stute Jungle Spirit, die drei Mal lief und beim dritten Mal gewann. Der Fuhrmann-Erfolg ist aber auch ein untrüglicher Beweis für den mit dramatischem Rückgang am Wettumsatz der vergangenen Jahre einhergehenden Einbruch an sportlicher Qualität. Andere Rennbahnen wie Hoppegarten, Hannover, Köln, Düsseldorf, München, Mannheim und Mülheim bieten tolle Rennen und gute Unterhaltung. Seinen Einmaligkeitsanspruch hat Iffezheim schon lange verloren.

Investition in bessere Pferde unumgänglich

Bleibt die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass zwei Pferde aus der Galoppsport-Diaspora Spanien die Rennen um die Goldene Peitsche und das Oettingen-Rennen gewinnen konnten? Es war wunderbar für die gern gepriesene Internationalität, aber auch bedenklich. Als Ursache vermutet ein seit Jahren international tätiger Agent: „Es sind in den letzten Jahren fast massenweise deutsche Stuten hochpreisig ins Ausland verkauft worden. Aber es wurde versäumt, in neue Stuten und damit in frisches Blut zu investieren.“

Es dauerte bis zum letzten Tag, ehe Conny Whitfield durch Plain Beau der einzige Iffezheimer Treffer gelang. Viele der Starter aus der 5.000-Einwohner-Gemeinde hatten es schwer gegen die bundesweite Konkurrenz. Der Neubau der Trainingsbahn ist sicher eine Maßnahme für die Zukunft. Es wird für die Besitzer aus der Region aber nicht ohne Investitionen in bessere Pferde gehen, wenn die angekündigten Leistungssteigerungen wahrhaftig werden sollen.

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Erstellt:
6. September 2021, 15:00 Uhr
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