Großer Ansturm auf Ausbildungsmesse in Gernsbach

Gernsbach (kos) – Die erste Ausbildungsmesse in Gernsbach seit 2019 lockt am Dienstag zahlreiche Schüler zu mehr als 40 Arbeitgebern in die Stadthalle. Hohen Zulauf spürt etwa die Bundeswehr.

Volles Haus: Das Interesse an der Ausbildungsmesse in der Stadthalle ist riesig. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Volles Haus: Das Interesse an der Ausbildungsmesse in der Stadthalle ist riesig. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Bei strahlendem Frühlingswetter präsentierten sich am Dienstag mehr als 40 Arbeitgeber aus der ganzen Region in der Stadthalle Gernsbach den Schülern, die sich dort für ihre berufliche Zukunft beraten lassen konnten. Zwischen Beratung und Ausprobieren konnten die Jugendlichen auf der Ausbildungsmesse „Superjob“ ein breites Spektrum von Berufen und Arbeitsfeldern kennenlernen. Von klassischen Handwerkern über Versicherungsfirmen und Gastronomiebetrieben bis hin zu Polizei und Bundeswehr: Die Palette war bunt. Im Vordergrund standen aber die künftigen Arbeitnehmer, nicht die Unternehmen. „Die Schüler sollen es nutzen“, betonte der Gernsbacher Realschulleiter Marcus Mössner, der als Pädagoge um die Bedeutung frühzeitiger Berufsorientierung weiß. Im Idealfall sollten die Schüler mehr Klarheit darüber erhalten, was sie später einmal machen wollen – oder sie gehen vielleicht sogar mit einem Praktikumsplatz nach Hause. Noch vor Eröffnung der Messe sagte Mössner: „Dann hoffen wir mal auf viel Besuch.“ Der ließ dann auch nicht lange auf sich warten.

Betriebe klagen über Fachkräftemangel

Im Gespräch mit den Organisatoren der Ausbildungsmesse (darunter Daimler Trucks, die Firma Glatfelter Gernsbach GmbH, die Realschule Gernsbach und die Volksbank Karlsruhe Baden-Baden) wurde deutlich, wie wichtig es für die Zukunft der Unternehmen in der Region ist, sich präsentieren zu können – und das branchenübergreifend. „Alle unsere Betriebe klagen über Fachkräftemangel“, sagte Helmut Bohn, der bei der IHK Karlsruhe als Fachberater für die Berufsorientierung zuständig ist. Den Personalmangel führte er auch auf Veränderungen im Schulsystem zurück: „Heutzutage will jeder studieren“, bemängelte er. Für die Handwerksberufe sei das mitunter fatal. Spürbar werden die Folgen etwa dadurch, dass im vergangenen Jahr rund 600 Ausbildungsplätze offen geblieben seien. „Wir sind abhängig von der Jugend“, fügte Mössner hinzu. Von mangelnden Anmeldezahlen ausgenommen sei nur die Polizei, meinte der Rektor. Dort gebe es regelmäßig sogar zu viele Bewerber. Über Zulauf freute sich auch der Stand der Bundeswehr. Das sei natürlich auch durch den Ukraine-Krieg bedingt, vermutete Bundeswehr-Karriereberaterin Susanne Harant.

Probieren geht über Studieren: Wie hier bei der Firma Kohlbecker gibt es viel zu entdecken. Foto: Konstantin Stoll

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Probieren geht über Studieren: Wie hier bei der Firma Kohlbecker gibt es viel zu entdecken. Foto: Konstantin Stoll

Personalerin Dagmar Potyka von der Papierfabrik Glatfelter vermutete, dass die Arbeitsumstände gerade in Berufen mit Schichtsystem verbessert werden müssen, um die Attraktivität zu stärken. Das gelte besonders angesichts des immer höher werdenden Renteneintrittsalters, betonte sie. Dass die Ausbildungsmesse überhaupt stattfinden konnte, sei „bis vor Kurzem noch nicht klar gewesen“, so Mössner. Seit September vergangenen Jahres liefen die Planungen, die wegen der sich stetig verändernden Corona-Vorgaben angepasst werden mussten. Umso größer war die Freude bei den Veranstaltern, dass die Messe erstmals seit 2019 wieder starten konnte.

Ihr Autor

BT-Volontär Konstantin Stoll

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Erstellt:
13. April 2022, 09:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 17sec

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