Großer Bahnhof für Wagen Nr. 1

Baden-Baden (co) – Der ausgemusterte Merkur-Bergbahnwagen steht nun im Garten der Familie Scheurer in Steinbach. Seine Reise aus dem Busdepot in Oberbeuern bis ins Rebland hat das BT hautnah verfolgt.

Das Aufladen des Bergbahnwagens erfolgt im Busdepot in Oberbeuern.  Foto: Hecker-Stock

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Das Aufladen des Bergbahnwagens erfolgt im Busdepot in Oberbeuern. Foto: Hecker-Stock

Der einzige Spielverderber bei der ganzen Aktion war Petrus. Ansonsten klappten Verladung, Transport und letzter Halt des Merkur-Bergbahnwagens Nr. 1 vom Oberbeuerner Busdepot in den Vorgarten der Steinbacher Familie Scheurer am Samstagmorgen wie am Schnürchen.
Niemand war bei der ganzen Aktion aufgeregter als Stefan Scheurer, der die entspannten Nerven seiner Frau Maren bewunderte. Erst am Samstagmorgen waren auf dem Betonpodest im heimischen Garten im strömenden Regen die beiden Schienenstücke angeschweißt worden, auf denen der rückwärtige Teil des Wagens ruht. Doch während er haderte, ob das auch rechtzeitig fertig wird, blieb die Bauingenieurin, nach deren Berechnungen und Vorarbeiten alles ablief, ganz cool. Bereits am frühen Morgen war der Bergbahnwagen im Busdepot in Oberbeuern von Marc Westermann und seinem Team an den Haken genommen und per Kran auf den Tieflader gehoben worden. Für Westermann, der bereits einmal bei „Verstehen Sie Spaß?“ veräppelt wurde, weil er angeblich das falsche Haus abgerissen hatte, war der Transport des Bergbahnwagens ein Kinderspiel. „Da sind wir andere Kaliber gewohnt“, meinte er grinsend.

„Bei Stefan Scheurer ist er sehr gut aufgehoben“

Ralf Geiger, bei den Stadtwerken als technischer Betriebsleiter für die Bergbahn zuständig, hatte es sich nicht nehmen lassen, beim Abschied des Wagens Nr. 1 dabei zu sein. Er erläuterte dem neuen Besitzer noch kurz einige technische Details, etwa wie Licht und Hupe an dem Wagen funktionieren, und war sich ganz sicher: „Bei Stefan Scheurer ist er sehr gut aufgehoben, da weiß ich, dass er beste Pflege bekommt.“ Auch der Chef der Stadtwerke, Helmut Oehler, zeigte sich sehr glücklich über die jetzt gefundene Lösung. Es sei alles versucht worden, innerstädtisch einen letzten Halt für einen der beiden Waggons mit historischem Erinnerungswert zu bekommen, doch da sei nichts zu machen gewesen. Der zweite Wagen ist bereits verschrottet worden.

Die Reise des Trosses über den Bertholdplatz, entlang der Lichtentaler Allee und des Stadtmuseums in Richtung Rebland verlief problemlos, da er dank der nur zweieinhalb Meter Breite des Bergbahnwagens formal nicht als Schwertransport galt. Richtig eng wurde es erst in der heimatlichen Umgebung der Scheurers in der an dieser Stelle sehr schmalen Umweger Straße.

Abladen wird von vielen Interessierten mit Spannung verfolgt

Doch die Millimeterarbeit war für Fahrer Heiko Schulze kein Problem. Die Nachbarschaft bereitete dem Bergbahnwagen einen großen Bahnhof, überall wurde gefilmt und fotografiert, auch auf dem Balkon der Scheurers versammelten sich etliche Freunde, um das spannende Abladen und Einpassen des Wagens bei bestem Überblick mitzuerleben. „Jetzt wird es aber Zeit, dass der den Arm ausfährt“, maulte die siebenjährige Tochter Zoé angesichts der langen Warterei ungeduldig. Zusammen mit ihrer fünf Jahre alten Schwester Luca und ihrem gemeinsamen Freund Tim planen sie als erste Aktion, ihrem riesigen SWR-3-Elch in dem Bergbahnwagen ein neues Zuhause zu geben.

Der Himmel hatte längst sämtliche Schleusen geöffnet, dennoch musste alles für das Schwergewicht von sechs Tonnen sorgfältig justiert und austariert werden. Dann war es nach insgesamt etwas über drei Stunden vollbracht, und der Wagen wird an seinem neuen Standort nun sicher für viel Bewunderung sorgen. In der Landesschau heute Abend, 25. Mai, kann die ganze Aktion auch am Fernseher mitverfolgt werden.

Im Rebland findet Wagen Nr. 1 sein neues Zuhause.  Foto: Hecker-Stock

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Im Rebland findet Wagen Nr. 1 sein neues Zuhause. Foto: Hecker-Stock

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Erstellt:
25. Mai 2020, 08:45 Uhr
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