Großer Woche fehlt Atmosphäre

Iffezheim (fk) – Mehr als 500 Zuschauer dürfen bei der am Samstag gestarteten Iffezheimer Großen Woche nicht aufs Gelände. Vor Ort wie in der gesamten Rennsportszene sorgt das für Unverständnis.

Allein, allein...: Auf den Tribünen in Iffezheim ist am Sonntag wegen der Corona-Einschränkungen viel Platz. Foto: Frank Vetter

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Allein, allein...: Auf den Tribünen in Iffezheim ist am Sonntag wegen der Corona-Einschränkungen viel Platz. Foto: Frank Vetter

Eckhard Sauren verdient sein Geld damit, Dinge zu analysieren. Meist geht es dabei um Fonds und deren Manager. Doch gestern sitzt der 49-jährige Unternehmer und Präsident des Kölner Rennvereins, der in Personalunion auch noch Vizepräsident des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln ist, im Members-Club der Iffezheimer Rennbahn. In der Hand hat er einen Wettschein, draußen startet gerade das vierte Rennen des zweiten Renntags der Großen Woche. Und Sauren analysiert.

Fiebermessen am Eingang war Pflicht. Foto: Frank Vetter

Fiebermessen am Eingang war Pflicht. Foto: Frank Vetter

Keine Fonds und auch keine Wettquoten, er analysiert die Corona-Verordnung, wonach nur 500 Zuschauer auf die Iffezheimer Rennbahn dürfen. Verstehen kann er sie nicht.

Der Fußball und der Galoppsport sitzen als Sportveranstaltungen im gleichen Boot, sagt Sauren. Sie würden beide sehr restriktiv behandelt – schlechter als Messen, die Gastronomie und andere Veranstaltungen. Wenn man die in NRW geltende Grenze für Verkaufsflächen, Ausstellungen und Tierparks von einer Person pro sieben Quadratmeter zugrunde legen würde, dürften viel mehr Leute auf die Iffezheimer und die Kölner Rennbahn – „und natürlich auch ins Fußballstadion des FC“, sagt Sauren. „Beim Galopprennen wäre das noch leichter umzusetzen als im Stadion“. In das gleiche Horn bläst auch Baden-Racing-Geschäftsführerin Jutta Hofmeister. Sie könne nicht verstehen, warum in den Europa-Park 15000 Menschen dürften und auf die Rennbahn bloß 500. Doch die Regeln sind, wie sie sind.

Knapp 900 Menschen auf Bahngelände

Und so kommt es, dass Frank Much ziemlich allein auf der Iffezheimer Tribüne sitzet. Der Essener kommt seit Jahren in die Renngemeinde zur Großen Woche. Auch diesmal hat er eine der wenigen Karten ergattert, die Baden-Racing kurzfristig per Onlineverfahren verkauft. Mehr als 200 sind allerdings nie verfügbar, so Baden-Racing-Chefin Hofmeister. Der Rest der 500 erlaubten Plätze geht an Sponsoren. Das notwendige Personal oder etwa die Trainer und Betreuer eines Pferdes zählten nicht in das Kontingent – summa summarum seien so knapp 900 Menschen auf dem Rennplatz, sagt Hofmeister.

Direkt nach den schweißtreibenden Rennen heißt es für die Jockeys wieder: Maske auf. Foto: Frank Vetter

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Direkt nach den schweißtreibenden Rennen heißt es für die Jockeys wieder: Maske auf. Foto: Frank Vetter

Für Frank Much fühlt sich das komisch an, ihm fehlt die Atmosphäre, aber irgendwie ist er auch froh, dass er die Galopper wieder live sehen kann. So ähnlich geht das auch Andreas Jacobs. Der Baden-Racing-Präsident sieht dabei aber auch noch die wirtschaftliche Seite. Iffezheim sei eine „Zuschauer-Bahn“. Die fehlenden Einnahmen durch die wegfallenden Eintrittsgelder und vor allem die Wetten vor Ort würden durch die Onlinewetten nur zu einem geringen Teil abgedeckt. Das sei ein echtes Dilemma, das Iffezheim noch stärker treffe als andere Rennbahnen in Deutschland, die weniger Geld durch das Publikum vor Ort generierten. Die fehlende Atmosphäre wiege aber nicht minder schwer. „An so einem Tag wie heute wären sicherlich 12000 Zuschauer da“, so Jacobs gestern. „Für die Region ist das tragisch.“

Rennen sind wichtig für die Zucht

Dennoch sei es wichtig, Rennen abzuhalten, um den Tausenden Menschen, die vom Rennsport abhängen, zumindest ein paar Einnahmen zu gewähren und die Pflege sowie das Training der Pferde zu finanzieren. Jutta Hofmeister erinnert auch an die Pflicht zu Leistungsprüfungen für die Pferde. Um das deutsche Vollblut zu züchten, müssten diese regelmäßig durchgeführt werden. Immerhin, eine Erleichterung für die Jockeys gibt es. Zumindest beim Ritt muss keine Maske mehr getragen werden.

Die Große Woche hat letztlich zwar etwas mehr Leben als das Frühjahrsmeeting, das noch ganz ohne Zuschauer auskommen musste. Aber dennoch ist die coronabedingt verkürzte Traditionswoche ein Schatten ihrer selbst. Sie liefert zwar – das muss man zugestehen – packenden Sport, aber „eine Dauerlösung kann das nicht sein“, spricht der Acherner Pferdebesitzer Heiko Volz die auch im elitären Members-Club vorherrschende Meinung aus. Volz hatte einst zusammen mit seinem Vater die Wunderstute Danedream, die Millionen an Preisgeld gewann, in Iffezheim für nur 9000 Euro erworben.

Den Bericht vom Frühjahrsmeeting unter Corona-Bedingungen können Sie hier nachlesen.


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