Großes Fischsterben im Steinbach

Baden-Baden (cn) – Bis auf wenige Stellen ausgetrocknet ist der Steinbach, der durch Neuweier und Steinbach verläuft. Am Dienstag starben dort mehrere Tausend Fische.

Im Steinbach im Rebland schwimmen die Fische mit dem Bauch nach oben an der Wasseroberfläche.  Foto: Christina Nickweiler

© cn

Im Steinbach im Rebland schwimmen die Fische mit dem Bauch nach oben an der Wasseroberfläche. Foto: Christina Nickweiler

Wer in diesen Tagen im Baden-Badener Rebland die Fußgängerbrücken des Steinbachs überquert oder am Steinbach entlang geht, der entdeckt Furchtbares: einen bis auf wenige Stellen ausgetrockneten Bach und tote Fische in den noch letzten verbliebenen Tümpeln. „Es stinkt wie auf dem Hamburger Fischmarkt“, sagte eine Passantin gestern bei einem Vorort-Termin mit dem BT.

Tatsächlich ist im Bach in der Höhe der Hänferstraße in Steinbach eine Gumpe zu sehen, wo viele Fische mit der Bauchseite nach oben an der Wasseroberfläche schwimmen. Silbern glänzt die Bauchseite im Sonnenlicht. Weiter sind in dem Wasser noch einzelne lebende Fische zu entdecken. Sie bewegen sich in dem trüben und sauerstoffarmen Gewässer zwischen den toten Fischen schnell hin und her.

Der trocken gelegte Steinbach offenbart aber noch weiteres Leben des Wasserlaufs. Denn daneben sind im Wasser größere Bachkrebse zu entdecken, die auf den Steinen krabbeln. Immer wieder greifen sie mit ihren Zangen die toten Fische, um die Kadaver zu verspeisen.

Unweit davon ist ein länglicher Tümpel zu entdecken. Aus der Ferne sieht man, wie die Fische längs liegend mit den Schwanzflossen schlagen. Aufmerksam verfolgt ein danebenstehender Reiher die Todeskämpfe der Fische, immer wieder sticht er blitzschnell mit seinem Schnabel in die Pfütze, schnappt sich die arglose Beute und verschlingt sie. „So tickt die Natur“, kommentiert ein anderer Fußgänger die Jagd des Reihers.

Anwohnerin enttäuscht von der Verwaltung

Anwohnerin Andrea Znojemszky sorgt sich schon einigen Wochen um die Situation im Bach. „Ich habe schon mit sämtlichen Abteilungen der Stadt telefoniert“, dort wurde von Forellen im Bach gesprochen, aber es seien gar keine Forellen, berichtet sie im Gespräch mit dem BT. „Dafür sind wir nicht zuständig“, hätte sie von ihrer ersten Anlaufstelle im Steinbacher Rathaus von Ortsvorsteher Ulrich Hildner als Antwort bekommen. Die Anwohnerin zeigt sich enttäuscht über die Reaktionen. „Jedem ist es gleichgültig, wenn die Fische den Erstickungstod sterben“, äußert sie sich entrüstet. „Wenigstens die Feuerwehr hätte eine Ladung Wasser reinpumpen können, dann hätten die Fische eine Chance. Ich will die Fische retten“, sagt sie. Daher habe sie sich kurzerhand einen Eimer geschnappt, in der Bäckerei und beim Friseur um Wasser gebeten und habe die Fische „mit den Händen in die Eimer gesetzt und in eine tiefere Gumpe umgesiedelt.“

Die Trockenheit im Bach mit all ihren Konsequenzen sei naturbedingt, informiert die Stadt auf Anfrage. Außerdem sei Grundwasser aus der Leitung dem Bachwasser nicht gleichzusetzen, mahnt die Stadt.

Das könnte Sie ebenfalls interessieren:

Vier Fragen an Wolfgang Hennegriff. Aufgrund der kritischen Wasserstände in Bächen und Flüssen hat das Landratsamt Rastatt die Einwohner des Landkreises in einer Pressemitteilung von Dienstag, 28. Juli, darum gebeten, Wasserentnahmen zum Schutz der Gewässer zu unterlassen. Wolfgang Hennegriff, der Leiter des Umweltamtes im Landratsamt Rastatt, erläutert, warum diese Maßnahme ergriffen wurde.

Ihr Autor

Christina Nickweiler

Zum Artikel

Erstellt:
12. August 2020, 13:11 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 27sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Themen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.