Großpfarrei zuständig von Lichtental bis Lichtenau

Baden-Baden (hol) – Die katholische Kirche stellt sich neu auf: Die „Pfarrei Neu“ soll künftig die komplette Süd-Region betreuen. Dadurch werden acht Seelsorgeeinheiten zusammengefasst.

Baustelle katholische Kirche: Die neue Struktur der Großpfarrei soll ab 2025 gelten. Foto: Michael Teipel

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Baustelle katholische Kirche: Die neue Struktur der Großpfarrei soll ab 2025 gelten. Foto: Michael Teipel

Die katholische Kirche in der Region stellt sich völlig neu auf: Aus den derzeit acht Seelsorgeeinheiten mit 33 Pfarreien zwischen Baden-Baden und Lichtenau wird eine einzige Pfarrei. Etwa 58.000 Katholiken stehen dann unter der Leitung eines Geistlichen. Die Verschmelzung zur „Pfarrei Neu“, wie das Konstrukt vorläufig heißt, weckt gemischte Gefühle.

Die endgültige Entscheidung für die Großpfarrei ist auch nicht vor Ort gefallen. Zu unterschiedlich waren die Meinungen. Im Zuge des Projekts „Kirchenentwicklung 2030“ habe der Freiburger Erzbischof Stephan Burger in den vergangenen drei Jahren Voten eingeholt, hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung von Dekan Michael Teipel. In mehreren Anhörungsrunden hätten sich verschiedene Modelle herausgebildet, bis schließlich zwei Varianten übrig geblieben seien: Entweder eine Pfarrei oder zwei Pfarreien mit den Hauptorten Baden-Baden und Bühl. Nun habe der Erzbischof entschieden, dass das Dekanat zu einer Pfarrei wird.

Nicht mehr Volkskirche wie vor 50 Jahren

Die neue Einheit umfasst die Seelsorgeeinheiten Baden-Baden, Baden-Baden-Oos, Baden-Baden-Rebland, Bühl-Vimbuch, Bühlertal, Ottersweier Maria Linden, Rheinmünster-Lichtenau und Sinzheim-Hügelsheim. Die Leitung wird höchstwahrscheinlich Teipel übernehmen – gemeinsam mit dem kürzlich eingestellten Verwaltungschef Johannes-Jürgen Laub. Er ist seit September der erste weltliche Verwaltungsleiter im gesamten Bereich des Erzbistums Freiburg.

So unterschiedlich wie die Voten, seien auch die ersten Reaktionen im Dekanat auf die Entscheidung gewesen, so Teipel. „Gerade die Pfarreien im Stadtgebiet von Baden-Baden wären gerne im vertrauten Rahmen beieinandergeblieben.“ Doch Baden-Baden alleine sei für eine eigenständige Pfarrei zu klein. So wurde auch darüber nachgedacht, den Bereich Iffezheim mit der Kurstadt zusammenzufassen. Aber auch das wurde am Ende zugunsten der Großpfarrei verworfen.

In anderen Seelsorgeeinheiten sei man erleichtert, so Teipel. Der Bühler Pastoralreferent Nikolaus Wisser erwartet beispielsweise nicht, dass die neue Großpfarrei für die Gläubigen in Bühl viele Veränderungen bringen wird. Bei der Strukturreform gehe es in erster Linie darum, die Verwaltungsangelegenheiten der Kirche in einer neuen Steuerungs- und Verwaltungseinheit zusammenzulegen.

Neue Struktur ab 2025

Teipel selbst freut sich vor allem, dass es jetzt Planungssicherheit gibt. Lange Zeit sei die katholische Kirche bemüht gewesen, Strukturen der Vergangenheit zu bewahren. „Aber wir sind nicht mehr die Volkskirche wie vor 50 oder 70 Jahren. Jetzt geht es darum, die Zukunft aktiv zu gestalten.“ Natürlich sei die Leitung der neuen Großpfarrei eine große Aufgabe, und die Arbeit werde sich in vielen Bereichen ändern. „Aber der Kapitän dieses Schiffes sitzt ja woanders. Der eigentliche Auftraggeber ist Jesus Christus. Es ist seine Kirche, und das gibt mir auch ein bisschen Gelassenheit“, so Teipel. Fest stehe für ihn: „Auch der leitende Pfarrer einer so großen Einheit wird Gottesdienste feiern.“ Es werde darum gehen, Teams zu bilden für die verschiedenen Aufgaben. Welchen Namen die neue Pfarrei am Ende tragen wird, sei noch nicht klar. „Vielleicht finden wir einen Heiligen, der passt“, meint der Dekan.

2022 wird Erzbischof Burger bei der Diözesanen Pastoralkonferenz mit den Räten über die inhaltliche und strukturelle Neuordnung sprechen. Bis 2025 wird die jetzige Struktur beibehalten, ab 2025 gilt die Form der „Pfarrei Neu“.


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