Grünes Licht für Aufspaltung von Daimler

Stuttgart (tas) – Mit großer Mehrheit haben die Aktionäre des Autoherstellers Daimler die Abspaltung der Nutzfahrzeugsparte Daimler Truck abgesegnet.

Daimler-Truck-Chef Martin Daum: „Wir sind bereit, harte Entscheidungen zu treffen.“ Foto: Britta Pedersen/dpa

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Daimler-Truck-Chef Martin Daum: „Wir sind bereit, harte Entscheidungen zu treffen.“ Foto: Britta Pedersen/dpa

Fünf Minuten hatten die Aktionäre Zeit, dann war einer der wichtigsten Meilensteine in der Geschichte des Daimler-Konzerns gesetzt: die Trennung von Pkw- und Lkw-Geschäft in zwei unabhängige Einheiten. Bei der virtuellen Hauptversammlung votierten am Freitag 99,9 Prozent der abstimmenden Aktionäre für das Vorhaben.

Die Daimler-Macher versprechen sich viel von dem „historischen Schritt“. „Wir wollen erstens unser Ertragspotenzial voll ausschöpfen, und wir wollen zweitens die Transformation unserer Branche aktiv gestalten“, warb Martin Daum, der vorstandsvorsitzende von Daimler Trucks, für das Vorhaben.

Mit der Zustimmung der Anteilseigner können die Verantwortlichen Konzernmanager nun ihre Pläne umsetzen. Daum sagte, dass sich das Management ehrgeizige Rendite-Ziele gesteckt habe. Je nachdem, wie die Industriekonjunktur gerade läuft, sind drei Korridore für den geplanten Gewinn des Nutzfahrzeuggeschäfts angepeilt. „Bei ungünstigen Marktbedingungen, wie wir sie zum Beispiel im vergangenen Jahr erlebt haben, wollen wir trotzdem noch eine Umsatzrendite von sechs bis sieben Prozent erreichen“, sagte Daum. „Das ist unser regnerisches Szenario.“

Fixkosten senken


In einem normalen Marktumfeld werde eine Rendite von acht bis neun Prozent angepeilt. „Und in einem starken Marktumfeld – unserem sonnigen Szenario – streben wir eine Umsatzrendite von mehr als zehn Prozent an.“ Der gesamte Daimler-Truck-Vorstand stehe entschlossen und geschlossen hinter diesen Rendite-Zielen. „Wir sind deshalb auch bereit, harte Entscheidungen zu treffen, um diese Zielmarken zu erreichen. Ausreden werden wir nicht gelten lassen.“ Eine der Maßnahmen: Die Fixkosten sollen bis 2025 um 15 Prozent gegenüber 2019 gesenkt werden.

Der Manager bekräftigte zudem die langfristige Strategie, den Verbrenner auch bei Lastern und Bussen aufs Abstellgleis zu stellen. Ab kommender Woche werde im Lkw-Werk in Wörth der E-Actros vom Band laufen, der seine Energie vollständig aus Batterien bezieht. Der Lastwagen ist für kürzere bis mittlere Strecken konzipiert und soll im Verteilverkehr zum Einsatz kommen. Auf der Langstrecke soll die Brennstoffzelle zur Nummer eins werden, die ersten Vorserienfahrzeuge des GenH2-Trucks sollen 2024 kommen, vom Band rollen soll das Nutzfahrzeug schließlich ab 2027.

Dass Daimler künftig auch andere Antriebskonzepte bei seinen Nutzfahrzeugen einsetzen wird, schloss Daum aus. „Wir stecken unsere Ressourcen nicht in Sackgassen-Technologien wie Erdgas-Antriebe oder Oberleitungs-Lkw – und wir mahnen auch politische Entscheider in Berlin und Brüssel, hierfür weder Zeit noch Geld zu verschwenden.“ Mit seiner Aussage kritisiert der Automanager auch Projekte wie den eWayBW, ein Test zur Erforschung von elektrisch betriebenen Oberleitungs-Hybrid-Lkw, der derzeit auf der B462 zwischen Kuppenheim und Gernsbach-Obertsrot läuft.

Die Trennung, die für Daimler-Aktionäre zusätzliche Truck-Aktien im Depot bedeuten, lassen sich die Stuttgarter einmalig rund 700 Millionen Euro kosten, weitere dreistellige Millionenbeträge ergeben sich durch Steuerlasten und höhere laufende Kosten gerade zu Beginn des Neustarts. Trotzdem sehen die Unternehmenslenker durch den Neustart unter dem Strich deutlich mehr positive als negative Effekte. Denn die Synergien zwischen Pkw und Nutzfahrzeugen seien auch durch den Wechsel des Antriebsstrangs vom Verbrenner zum CO2-neutralen Antrieb überschaubar.

Name Daimler AG verschwindet


Während im Pkw-Geschäft die Batterie dominiere, sei im Nutzfahrzeugbereich auch die Brennstoffzelle im Fokus, sagte Daimler-Chef Ola Källenius. „Trucks und Pkw sind zwei völlig unterschiedliche Geschäfte“, fasste er zusammen.

Zur Zukunft der Pkw-Sparte, zu der auch die Vans zählen, sagte Källenius: „2025 gibt es für jedes Modell eine elektrische Alternative.“ Bis zum Ende des Jahrzehnts soll, wo der Markt es zulasse, vollständig auf elektrische Antriebe umgestellt werden. Der Zwischenschritt im Jahr 2025 liege bei 50 Prozent an produzierten Batterie- und Hybridfahrzeugen in der Angebotspalette.

Firmieren sollen die beiden eigenständigen Unternehmen künftig unter den Namen Mercedes-Benz Group AG (Pkw) und Daimler Truck Holding AG (Lkw, Busse). Der Name Daimler AG als Dachkonzern werde im kommenden Jahr ganz verschwinden. Die Aktionäre stimmten auch in diesem Punkt mit 99,9 Prozent der abgegebenen Stimmen zu. Mit Blick auf das Mercedes-Logo sagte Daimler-Chef Källenius: „Dieser Stern leuchtet künftig zweimal – und das so hell wie nie zuvor.“


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