Grünes Licht für Sanierung und Neubau

Karlsruhe (win) – Der Karlsruher Gemeinderat hat trotz erheblicher Kostensteigerung mit deutlicher Mehrheit für die Sanierung und den Neubau am Badischen Staatstheater gestimmt.

Das Badische Staatstheater mit dem fast fertigen neuen Foyer (links), das bereits ab Herbst als Eingang dient. Foto: Thomas Viering

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Das Badische Staatstheater mit dem fast fertigen neuen Foyer (links), das bereits ab Herbst als Eingang dient. Foto: Thomas Viering

Die Sanierung und der Neubau am Badischen Staatstheater können fortgeführt werden: Der Karlsruher Gemeinderat stimmte nach wochenlanger und erregter öffentlicher Debatte jetzt mit 42 Ja-Stimmen, bei fünf Nein-Stimmen (CDU/Freie Wähler) und zwei Enthaltungen überraschend deutlich dem inzwischen auf knapp 600 Millionen Euro veranschlagten Projekt zu.

Insbesondere die beiden größten Fraktionen im Gemeinderat, die Grünen und die CDU, hatten bis zuletzt gezögert und ihre Zustimmung an Bedingungen geknüpft. So forderten die Grünen, dass die Mehrkosten nicht zu Lasten der städtischen Klimaschutzkampagne gehen dürfen, was Oberbürgermeister Frank Mentrup zusagte.

Kritik hatte es an der erheblichen Kostensteigerung gegeben, denn in einem ersten, damals einstimmigen Grundsatzbeschluss war der Gemeinderat im Jahr 2017 noch von Gesamtkosten in Höhe von 325 Millionen ausgegangen. Nun wurden aber deutlich größere Puffer für Baupreissteigerungen und eine größere Risikopauschale im Kostenansatz mit einberechnet, hinzu kommen noch zweistellige Millionenbeträge für die Gestaltung des Vorplatzes, die zusätzliche Möblierung des Gebäudes und eine Interimslösung, die in der dritten Bauphase ab 2028 nötig sein wird.

Land und Stadt teilen sich Ausgaben

Land und Stadt teilen sich gemäß Staatsvertrag die Ausgaben je zur Hälfte, so dass auf Karlsruhe selbst knapp 300 Millionen Euro als Kosten zukommen werden.

Obwohl bereits 37 Millionen Euro für Vorarbeiten und Planungen ausgegeben wurden, hatte sich zuletzt unter anderen der CDU-Bundestagsabgeordnete Ingo Wellenreuther für einen Neubau des Staatstheaters an anderer Stelle stark gemacht und den Karlsruher Messplatz ins Spiel gebracht. Für den FDP-Gemeinderat und ehemaligen Grönlandminister Dänemarks, Tom Høyem, sind solche Überlegungen „Schnapsideen“. Das Staatstheater gehöre ins Zentrum der Stadt, also genau an den Platz, wo es seit 1975 steht, meinte Høyem.

Das „neue“ Staatstheater soll ein offenes Haus werden, dessen Foyer den Bürgen ganzjährig zur Verfügung stehen wird. Alternative Veranstaltungen – Theateraufführungen, Konzerte, zwanglose Begegnungen – werden in diesem Raum im Herzen der Stadt ebenso möglich sein, wie der Blick auf den Probenbetrieb im Haus. An der neugestalteten Kriegsstraße, direkt am Ettlinger Tor, soll auf diese Weise ein neues urbanes Zentrum als „echtes Bürgerzentrum“ (OB Mentrup) entstehen.

Ab kommendem Jahr soll nun zunächst als erstes Modul ein neues Schauspielhaus entstehen, anschließend wird als Modul 2 ein neuer Trakt für den musikalischen Apparat gebaut. Erst danach wird der Bestandsbau generalsaniert.

Nicht mehr zeitgemäße Arbeitsbedingungen

Notwendig wurde das Vorhaben wegen der längst nicht mehr zeitgemäßen Arbeitsbedingungen der rund 700 Mitarbeiter, mangelhaftem Brandschutz und einer längst veralteten Technik. Der Bau der zusätzlichen Gebäudeteile soll den Betrieb des Theaters nur minimal beeinträchtigen, wie Ivica Fulir, der Technische Betriebsdirektor des Staatstheaters, am Rande der Sitzung bestätigte.

Fulir sprach nach dem klaren Votum des Gemeinderats von grenzenloser Erleichterung, die Freude werde sich nach der wochenlangen Hängepartie wohl erst später einstellen.

Ihr Autor

Winfried Heck

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Erstellt:
23. Juni 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
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