Grundeinkommen für freischaffende Künstler?

Schwetzingen/Stuttgart (sr) – Der kulturpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Landtag, Manfred Kern, spricht sich für ein monatliches Grundeinkommen für Soloselbstständige im Kulturbereich aus.

Während der Corona-Krise sind für viele sogenannte „Freelancer“ alle Einnahmen weggebrochen. Damit Künstler nicht auf der Straße enden, fordern  verschiedene Aktive ein Umdenken in der Politik. Foto: Wolfram Kastl/dpa

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Während der Corona-Krise sind für viele sogenannte „Freelancer“ alle Einnahmen weggebrochen. Damit Künstler nicht auf der Straße enden, fordern verschiedene Aktive ein Umdenken in der Politik. Foto: Wolfram Kastl/dpa

Mit der Soforthilfe Corona für Künstler und Kulturschaffende (und andere Soloselbstständige) hat das Land Baden-Württemberg eine Pioniertat hingelegt: Schon bald nach dem Lockdown präsentierte die grün-schwarze Landesregierung ein Förderprogramm, das mittlerweile bis Dezember 2020 verlängert wurde und das Fördermittel zwischen 590 und 1.180 Euro monatlich für die Antragsteller garantiert. So will man Autoren, freien Musikern und Schauspielern, Comedians und den vielen anderen Angehörigen der Freien Berufe im Bereich Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft das Überbrücken dieser veranstaltungslosen Zeit ermöglichen, die für viele eine düstere Phase ohne jegliche Einnahmen bedeutet.

Diese Soforthilfe ist in Baden-Württemberg vorbildlich gelungen und wurde von anderen Bundesländern in Teilen übernommen. Der Karlsruher Autor Matthias Kehle, bis 2013 auch Landesvorsitzender des Verbands deutscher Schriftsteller (VS), hat bereits am 1. April im Badischen Tagblatt gefordert, weitergehende Maßnahmen für ein generelles Grundeinkommen dieser Berufsgruppe zu überdenken. Im „Land der Dichter und Denker“ geht sonst nach seiner Einschätzung ziemlich schnell der Vorhang runter.

In dieser Überzeugung hat Kehle einen Mitstreiter im kulturpolitischen Sprecher der Fraktion Grüne im Landtag Baden-Württemberg gefunden. Manfred Kern, Abgeordneter aus Schwetzingen und selbst passionierter Sänger im Heidelberger Hard-Chor, einem semiprofessionellen Ensemble zwischen Männergesangverein und Kabarett, kennt die Probleme der sogenannten Freelancer im Kulturbereich, die seit März dieses Jahres kaum mehr angefordert werden, ohne die aber bis dahin viele Großprojekte nicht denkbar gewesen wären.

Mehr und erfolgreichere Arbeit ohne Alltagssorgen

Auch Kern verficht die Idee eines Grundeinkommens für Soloselbstständige im Kulturbereich, die er zukünftig auf Bundesebene im Grundsatzprogramm seiner Partei sehen will. „Die Kunst muss frei sein“, sagt der Schwetzinger, und der freie Künstler würde nach seiner Einschätzung noch mehr und erfolgreicher arbeiten, wenn er ohne Alltagssorgen bliebe. Die gängigen Gegenargumente, die bei jeder Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen auf den Tisch kommen, sind bekannt: Wer Geld fürs Nichtstun bekommt, bleibe auf der Coach liegen, heißt es da oft.

Über welche Summen die Politik da nachdenken müsste, ist noch nicht bekannt, da die derzeitige Corona-Förderung auch Soloselbstständige anderer Berufsrichtungen betrifft und deshalb keine separaten Zahlen bereithält. Kern geht davon aus, dass es als Berechtigung für dieses Grundeinkommen genüge, Mitglied in der Künstlersozialkasse zu sein. Matthias Kehle schlägt weitergehend vor, dass die Berechtigten außerdem Mitglied in einer der großen Verwertungsgesellschaft sein sollten, also bei der GEMA, bei der VG Wort oder VG Bild-Kunst. Damit sei garantiert, dass der berechtigte Künstler tatsächlich Werke hervorbringt. Bei der Einkommenssteuer könne man dann gegebenenfalls die Förderung kippen, wenn sie als nicht notwendig erkannt wird.

Was ein bisschen wie Schlaraffenland klingt, hat auch im reichen Baden-Württemberg einen ernsten Hintergrund: Autoren zum Beispiel verdienen, so sagte es Matthias Kehle schon im April, so gut wir gar nichts mehr, die Verlagslandschaft war schon vor Corona „nahezu zusammengebrochen“. Im bisherigen System können Autoren nur Hartz IV beantragen. „Auch namhafte Autoren sind tatsächlich Hartz-IV-Aufstocker“, betonte Kehle.

Ihr Autor

Sabine Rahner

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Erstellt:
30. September 2020, 08:20 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 30sec

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