Grundschul-Außenstelle Wintersdorf hat Vorrang

Rastatt (dm) – Wintersdorf soll eine Außenstelle der Grundschule Ottersdorf erhalten. Doch das bringt den zweisprachigen Zug in Gefahr – und sorgt für Streit in der Rastatter Kommunalpolitik.

„Spreche die Sprache deines Nachbarn“: Die Stadt soll sich um den Verbleib eines bilingualen Grundschulzugs in Rastatt bemühen (Symbolbild). Foto: Oliver Berg/dpa

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„Spreche die Sprache deines Nachbarn“: Die Stadt soll sich um den Verbleib eines bilingualen Grundschulzugs in Rastatt bemühen (Symbolbild). Foto: Oliver Berg/dpa

Eine Grundschulaußenstelle für Wintersdorf und/oder den bilingualen Zug an der Ottersdorfer Grundschule erhalten? Wie gerne hätte der Rastatter Gemeinderat hier ein sowohl als auch entschieden. Nach jetzigem Stand der Dinge ist dies aber eine Frage des entweder oder. Und so beschloss das Gremium, den Weg weiter Richtung Schulangebot in Wintersdorf zu gehen. Die Verwaltung beauftragte man gleichwohl, beim Land doch noch um den Erhalt eines deutsch-französischen Zugs zu kämpfen.
„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, meinte Herbert Köllner, der für Freie Wähler und FuR den entsprechenden Antrag zum bilingualen Angebot einbrachte, dem anschließend alle zustimmten. Nach Auffassung des Staatlichen Schulamts wäre dies indes mit einer Außenstelle Wintersdorf nicht möglich, da der Zug strikt an Ottersdorf gebunden ist, wo bisher auch die Wintersdorfer Kinder zur Schule gehen.

OB: Es geht nicht um Sieger oder Verlierer

Allein: FW und FuR argumentierten auf politischer Ebene und forderten, alles zu versuchen und dabei die Abgeordneten sowie die Regierungspräsidentin einzubinden. Zwar renne man bei der Stadtverwaltung damit offene Türen ein, wie OB Hans Jürgen Pütsch und Bürgermeister Arne Pfirrmann wissen ließen. Dies jedoch direkt an den Beschluss in Sachen Wintersdorf zu binden, wie von Simone Walker (FuR) gefordert, wollte man nicht zulassen. Was diese – und auch die Ottersdorfer Stadträtin Nicole Maier-Rechenbach (SPD) – am Engagement der Verwaltung hierfür zweifeln ließ.

OB Pütsch hatte angesichts der konträren Auffassungen in den beiden betroffenen Riedorten eingangs betont, dass nicht der Eindruck entstehen solle, dass letztlich der eine als Sieger und der andere als Verlierer aus der Sache hervorgehe. „Am Ende ist es so, dass es ein schulisches Angebot in allen Ortsteilen geben kann.“ Derzeit ist Wintersdorf der einzige, in dem das nicht so ist.

Kritik am Prozedere

Die Argumentation der Wintersdorfer Fraktion: Angesichts steigender Schülerzahlen bestehe nun endlich eine „realistische Chance“, dies zu ändern (Ortsvorsteherin Daniela Schneider, CDU), es sei Gleichbehandlung gefordert, Nachteile wie Busfahrten und lange Weg- sowie Wartezeiten für die Kleinen fielen weg (Inge Bellan-Payrault, SPD). Der bilinguale Faktor sei zwar wichtig, aber nicht in der Abwägung gegen das Schulangebot in Wintersdorf.

Die Ottersdorfer erinnerten indes daran, dass man jahrelang um die Etablierung dieses deutsch-französischen Angebots gekämpft habe (Ortsvorsteher Stefan Lott, CDU) und dass ein Angebot in Wintersdorf nicht zu dessen Lasten gehen dürfe, wie Nicole Maier-Rechenbach (SPD) ausführte. Sie kritisierte auch, dass es ursprünglich geheißen habe, dass bei der Einrichtung einer Außenstelle in Wintersdorf der bilinguale Zug vielleicht bestehen bleiben könne. „Ich fühle mich da etwas vorgeführt.“

„Zum Wohle der Kinder entscheiden“

Letztlich gelte es, „zum Wohle der Kinder zu entscheiden“, so Grünen-Stadträtin Barbara Dürr. Mit 31 Ja- und fünf Neinstimmen bei sechs Enthaltungen fiel diese recht deutlich zugunsten der Einrichtung einer Wintersdorfer Außenstelle aus. „Wir wünschen aber, dass die Verwaltung mit Nachdruck daran arbeitet, dass ein bilingualer Zug erhalten bleibt“, sagte auch CDU-Fraktionschefin Brigitta Lenhard. Ob dies gelingen kann, steht in den Sternen. „Vielleicht“, so OB Pütsch, „finden wir zwar nicht im Ried, aber woanders in der Gesamtstadt die Möglichkeit.“

Mit der Ratsentscheidung kommt nun ein Verfahren in Gang, an dessen Ende, sofern das Land zustimmt, „frühestens zum Schuljahr 2023/24“ die neue Außenstelle in Räumen der früheren Hauptschule in Wintersdorf eingerichtet wird.

Scharfe Kritik an dem Beschluss übt bereits der ehemalige OB Klaus-Eckhard Walker, in dessen Amtszeit der Start des bilingualen Zugs in Ottersdorf im Jahr 2005 fiel. Die Entscheidung laufe jedem politischen Willen entgegen, mit den französischen Nachbarn enger zusammenzurücken: „Wir leben im Pamina-Raum“, sagt Walker. Mit solchen Entwicklungen würden „Mauern über den Rhein“ gezogen. An ein erfolgreiches Bemühen der Stadtverwaltung, den Zug aufrecht zu erhalten, glaube er nicht. Die Wirkung, die das im Elsass habe, sei verheerend.

Ihr Autor

BT-Redakteur Daniel Melcher

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Erstellt:
2. Februar 2022, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 57sec

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