Grundschule: Rieddörfer auf Konfrontationskurs

Rastatt (ema) – Das Ringen um die Etablierung eines Grundschulstandorts in Wintersdorf wird erwartungsgemäß zum Kräftemessen zweier Rieddörfer.

Der deutsch-französische Zug in der Grundschule Ottersdorf kann faktisch nur erhalten werden, wenn Wintersdorf auf einen Schulstandort verzichtet. Foto: Egbert Mauderer

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Der deutsch-französische Zug in der Grundschule Ottersdorf kann faktisch nur erhalten werden, wenn Wintersdorf auf einen Schulstandort verzichtet. Foto: Egbert Mauderer

Der Ortschaftsrat Ottersdorf hat sich jetzt einstimmig dafür ausgesprochen, den derzeitigen Zustand zu erhalten. Das würde heißen: Wintersdorf geht leer aus; im Nachbardorf hingegen würde die zweizügige Grundschule mit dem deutsch-französischen Zug fortbestehen.
Der Ortschaftsrat Wintersdorf hatte sich zuvor mit 8:1 Stimmen für die Gründung einer eigenständigen Grundschule im Dorf ausgesprochen – ungeachtet der Signale aus dem staatlichen Schulamt, dass das Kultusministerium einen solchen Standort wohl nicht genehmigen würde.

Am Ratstisch in Ottersdorf herrschte die Auffassung, dass allenfalls eine Außenstelle in Wintersdorf denkbar wäre. Doch diese Variante wollten die Ortschaftsräte nicht akzeptieren – vor dem Hintergrund der bei den Informationsveranstaltungen genannten Tatsache, dass auch bei einer Zweier-Lösung mit Rektorat in Ottersdorf der bilinguale Zug sterben würde. Doch das soll verhindert werden.

„Falsche Fakten“

Nicole Maier-Rechenbach (SPD) zeigte sich verärgert, dass im Vorfeld offenkundig von Stadtverwaltung und Schulamt „falsche Fakten“ genannt wurden. Die Einschätzung in der Analyse, dass bei einer Außenstelle Wintersdorf der bilinguale Zug erhalten werden könne, habe nur die „rechtliche Möglichkeit“ abgebildet, erklärte der Leiter des staatlichen Schulamts, Wolfgang Held, auf Nachfrage. Faktisch wäre eine solche Lösung indes „unsinnig“. Grund: Der bilinguale Zug ist als Regelangebot an Ottersdorf gebunden. Die Konsequenz: Schüler des deutsch-französischen Zugs aus Wintersdorf müssten nach Ottersdorf gefahren werden; jene Ottersdorfer, die den normalen Regelzug wählen, müssten nach Wintersdorf transportiert werden. Ein solcher Fahrdienst in beide Richtungen würde dem Grundsatz „Kurze Beine, kurze Wege“ aber widersprechen, so Held.

Darauf hob in der Debatte auch Michael Tropf ab (FW). Er verwies darauf, dass die Außenstellenlösung „nicht zukunftsfähig“ sei und man den guten Ruf der Ottersdorfer Grundschule aufs Spiel setze. Ortsvorsteher Stefan Lott (CDU) gab darüber hinaus zu bedenken, dass man bei der Aufgabe des Sprachprofils die bisherige Kette der bilingualen Bildung ab Kindergarten bis zur Möglichkeit des deutsch-französischen Abiturs Abi-Bac am Tulla-Gymnasium unterbrechen würde.

Die Entscheidung über einen möglichen Antrag beim Kultusministerium muss der Gemeinderat treffen. Angehört werden noch Elternbeirat und Gesamtlehrerkonferenz.


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