Güter-Tram soll Karlsruher Innenstadt entlasten

Karlsruhe (vo) – Eine Güter-Tram soll die verkehrsgeplagte Karlsruher Innenstadt von Warenladungs- und Lieferverkehr entlasten, indem man ihn von der Straße auf die Schiene verlagert.

Soll künftig auch Pakete und Päckchen statt Personen liefern: Eine Bahn der Verkehrsbetriebe Karlsruhe.  Foto: AVG

© PaulGaertner

Soll künftig auch Pakete und Päckchen statt Personen liefern: Eine Bahn der Verkehrsbetriebe Karlsruhe. Foto: AVG

Die sogenannte „letzte Meile“ gilt als Königsdisziplin der Logistik. Bundesweit suchen Transportunternehmen und Kommunen nach Lösungen, wie der Warenladungs- und Lieferverkehr für Geschäfte, aber auch an die private Haustür, möglichst emissionsfrei, sicher und leise vonstattengehen kann. In Karlsruhe und der umliegenden Region läuft derzeit ein Projekt „regioKArgo“, das solche Verkehre von der Straße auf die Schiene bringen will – in Form einer neuartigen Güter-Tram.
Der zunehmende Onlinehandel sorgt für einen verstärkten Lieferverkehr, der wiederum vor allem den Innenstädten zu schaffen macht. Inzwischen werden bundesweit mehr als dreieinhalb Milliarden Päckchen und Pakete pro Jahr verschickt. Deren Zustellung macht in vielerlei Hinsicht Probleme. Auf kommunaler Seite sorgen verstopfte Innenstädte für Ärger, bei den Logistikern ist die „letzte Meile“ besonders (personal-)kostenintensiv. Daher wird schon seit längerem nach Lösungen gesucht.

In Karlsruhe haben sich mehrere Projektpartner zusammengefunden. Ihr gemeinsames Ziel: Eine dauerhafte Entlastung und mehr Klima- und Umweltschutz. Dafür könnten unter anderem umgebaute Trams für den Transport von Waren eingesetzt werden. Der Austausch zwischen den Städten und die Belieferung würde dann künftig mit diesen Güter-Trams gebündelt erfolgen – ausgehend von sogenannten „Konsolidierungscentern“. In Karlsruhe und möglicherweise auch anderen Städten und Gemeinden würden „City-Hubs“ entstehen, von denen aus die Waren dann innerhalb der Stadt in der „Feinverteilung“, etwa mit Lastenrädern, weiter ausgeliefert werden können.

Karlsruher Modell als Grundlage

„Das vom öffentlichen Personennahverkehr bekannte und von VBK und AVG seit vielen Jahren erfolgreich betriebene Karlsruher Modell bietet auch für diese Anwendung beste Voraussetzungen, um die Verkehrswende auch im Güter- und Warentransport zu ermöglichen“, ist sich Ascan Egerer, technischer Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Karlsruhe und der Albtal-Verkehrsgesellschaft, sicher.

Bei „regioKArgo“ mit von der Partie sind namhafte Partner. Die Stadt Karlsruhe ist mit dem Stadtplanungsamt beteiligt. „Die Stadtqualität steht für uns an erster Stelle und innovative Logistik- und Lieferkonzepte können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Verkehrsbelastungen zu reduzieren“, sagt Bürgermeister Daniel Fluhrer. Auf wissenschaftlicher Seite sind die Hochschule Offenburg, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das Forschungszentrum Informatik (FZI) sowie MARLO-Consultants an Bord. Aus dem Bereich der Verkehrsunternehmen ist neben VBK und AVG die DB Engineering & Consulting GmbH mit ihrem Standort in Karlsruhe beteiligt. Hinzu kommen mehrere Speditionen, Logistikdienstleister und weitere Dienstleistungsunternehmen. Die gesamten Aktivitäten werden vom Mobilitätsnetzwerk der Region, Automotive Engineering Network (aen), gelenkt. „Das Gesamtprojekt bietet eine große Chance, die Klimawende für die Stadt Karlsruhe und die Region durch nachhaltige Konzepte als Alternative zur bisherigen Form des Gütertransports zu beschleunigen“, sagt Waldemar Epple, Vorstandsvorsitzender des aen.

Innerhalb des Projekts wurden Arbeitspakete definiert, die die erforderlichen Teilaspekte vertiefend behandeln und vorantreiben. So bereitet beispielsweise eine Gruppe aus Forschungspartnern und Industrieunternehmen unter Führung der AVG das Projekt „LogIKTram“ vor. Dieses hat neben ersten Logistik- und Lieferkonzepten sowie Grundbausteinen zur IKT-gestützter Konsolidierung und Transportplanung vor allem das Ziel, einen ersten Demonstrator für eine Güter-Tram zu konzipieren und diesen bereits in 2022 als Pilotanwendung zu testen. Dabei ist angedacht, die Güter-Tram so auszuführen, dass diese in Hauptverkehrszeiten exklusiv für die Personenbeförderung und in den Schwachlastzeiten im kombinierten Betrieb mit Personen- und Güterbeförderung eingesetzt werden kann.


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