Gummis sind tödliche Gefahr für Störche

Rastatt (stn) – Störche fressen Kunststoff, hat Studentin Franziska Fritz herausgefunden – sie halten ihn für Nahrung. Schlimmstenfalls können sie dadurch verhungern.

Ein Storch verschluckt ein Stück Folie. „Ob er das überlebt, bleibt abzuwarten“, sorgt sich Stefan Eisenbarth. Foto: Matthias Zoller

© pr

Ein Storch verschluckt ein Stück Folie. „Ob er das überlebt, bleibt abzuwarten“, sorgt sich Stefan Eisenbarth. Foto: Matthias Zoller

Die Karlsruher Studentin Franziska Fritz hat für ihre Masterarbeit die Speiballen, sogenannte Gewölle, von Störchen untersucht, um festzustellen, wie viel Plastik- und Kunststoffmüll darin enthalten ist. Die erschreckende Bilanz: In jedem dritten Gewölle fanden sich Dinge wie Haushaltsgummis, Dichtungsringe und Teile von Plastikfolien, die die Adebare verschluckt haben.

Gummiringe mit Würmern verwechselt

Gewölle sind die wieder hochgewürgten Nahrungsreste vom Storch. Sie sehen aus wie große Klumpen und bestehen aus den unverdaulichen Teilen ihrer Beute wie beispielsweise den Scheren von Kalikokrebsen. Doch mittlerweile sind auch immer öfter Plastik- und Kunststoffteile in den Speiballen zu finden. Warum ist das so? „Von der Form und der Farbgebung her verwechseln Storche Gummiringe zum Beispiel mit Würmern“, erklärt Fritz.

Gewölle sehen aus wie große Klumpen und bestehen aus unverdaulichen Nahrungsresten – hier mit Haushaltsgummis. Foto: Franziska Fritz

© pr

Gewölle sehen aus wie große Klumpen und bestehen aus unverdaulichen Nahrungsresten – hier mit Haushaltsgummis. Foto: Franziska Fritz

Zwischen Iffezheim und Altlußheim hat sie an insgesamt 30 Standorten die Horste untersucht. „Ich habe darin 172 Gewölle gefunden, 56 davon enthielten Müll“, erzählt Fritz, die an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe Biodiversität und Umweltbildung studiert hat. Beim präzisen Auseinandernehmen der Speiballen seien insgesamt 316 Müllteile zum Vorschein gekommen. 182 Stück davon fanden sich alleine nur in einem Horst beim Tiergehege Muggensturm – dieser Standort ist damit der traurige Spitzenreiter in der Untersuchung.

Schwerwiegende Folgen

Aufgrund der großen Menge ist davon auszugehen dass die Störche den Müll nicht nur aus Versehen, sondern ganz bewusst aufnehmen, weil sie ihn für Nahrung halten.

Gelingt es den Tieren nicht, die Fremdkörper wieder hochzuwürgen, hat das schwerwiegende Folgen: „Sie haben den Magen voll, nehmen deshalb keine Nahrung mehr auf und verhungern irgendwann“, verdeutlicht der ehrenamtliche Storchenbetreuer Stefan Eisenbarth. Vergangenes Jahr sei ein Jungstorch an einem Luftballon im Magen verendet. Die Analyse von Fritz ist laut Eisenbarth bedeutend, denn es sei die erste Arbeit über Plastik und Kunststoffe in Speiballen von Störchen.

Franziska Fritz zeigt die Gummiringe, die sie in den Gewöllen gefunden hat. Stefan Eisenbarth appelliert, keinen Müll in der Natur herumliegen zu lassen. Foto: Nora Strupp

© stn

Franziska Fritz zeigt die Gummiringe, die sie in den Gewöllen gefunden hat. Stefan Eisenbarth appelliert, keinen Müll in der Natur herumliegen zu lassen. Foto: Nora Strupp

Doch nicht nur in Gewöllen taucht der Müll auf. Eisenbarth hat die Beobachtung gemacht, dass Störche ihn außerdem für den Nestbau verwenden. In einigen Horsten habe er zum Beispiel Vliesreste oder eine Tüte gefunden. Auch das kann weitreichende Konsequenzen haben, wie er ausführt: „Wenn es regnet, kann das Wasser durch das Plastik im Horst nicht mehr abfließen. Dann bildet sich Staunässe und die Jungtiere unterkühlen. Die Kombination aus Nässe und Kälte ist ganz schlimm.“

„Müll nicht in der Gegend rumschmeißen“

Er habe auch schon erlebt, dass ein Altstorch ein Junges aus dem Nest geschmissen hat, weil es zu schwach war. „Das Junge hatte einen harten Bauch. Ich habe es zu Pierre Fingermann gebracht.“ Nachdem der Rastatter Vogelexperte dem kleinen Storch Abführmittel gegeben habe und sich keine Fremdkörper mehr im Magen befunden haben, hat er wieder normal gefressen.

Um weitere Adebare vor solch einem Schicksal zu bewahren, haben Fritz und Eisenbarth ein großes Anliegen: „Die Leute sollen ihren Müll nicht in der Gegend herumschmeißen“, appellieren sie.

Das könnte Sie auch interessieren:

Neue Betreuerin für die Südschienen-Störche

Ihr Autor

BT-Volontärin Nora Strupp

Zum Artikel

Erstellt:
2. Mai 2021, 18:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 28sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.