Gute Gespräche, aber keine klaren Aussagen

Rastatt (naf) – In einer Informationsveranstaltung will das Klinikum Mittelbaden am Dienstagabend über die Zukunft der Rastatter Geburtenstation sprechen.

Bereits im Sommer 2020 befürchteten Befürworter der Rastatter Geburtenstation deren Schließung und versammelten sich zum Protest. Foto: Frank Vetter/Archiv

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Bereits im Sommer 2020 befürchteten Befürworter der Rastatter Geburtenstation deren Schließung und versammelten sich zum Protest. Foto: Frank Vetter/Archiv

Seit eineinhalb Jahren ist die Geburtsstation in Rastatt bereits geschlossen, seit eineinhalb Jahren betonen Verantwortliche von Klinik und Politik, dass sie so bald wie möglich wieder geöffnet wird. Nun lädt das Klinikum Mittelbaden aber zu einer Informationsveranstaltung zur „Frage nach einer Fortführung der Geburtenstation“ ein. Kritiker horchen auf: Ist die Zukunft der Station nun doch unsicher?

„Die Geburtenstation in Rastatt bleibt definitiv bestehen. Eine Schließung steht nicht zur Debatte“, hatte Klinikpressesprecherin Sabine Müller-Zuber auf BT-Anfrage im November vergangenen Jahres noch betont. Auch wenn das Strukturgutachten des Klinikums genau das empfiehlt. Im Businessplan wird nämlich von den Gutachtern zur Kostenreduktion eine Schließung der Rastatter Geburtenstation ab 2021 durchgespielt und positiv bewertet. 900.000 Euro an Einsparungen bringe das dem Klinikum. Dennoch wurde eine Schließung immer wieder verneint.

„Wohnortnahe Geburtshilfe sichern“

Doch bereits kurz nachdem die Arbeit im Rastatter Kreißsaal im März 2020 gestoppt wurde, kamen langsam Zweifel auf, kritische Stimmen wurden lauter. Unter anderem protestierte ein Runder Tisch, dem Mitglieder der SPD, der Linken, des Vereins Motherhood, Eltern und Klinikmitarbeiter angehören, für eine schnellstmögliche Wiedereröffnung. „Um eine wohnortnahe und familienzentrierte Geburtshilfe sicherzustellen“, wie es bei ihren Forderungen heißt. „Geburtshilfe darf nicht zum reinen betriebswirtschaftlichen Prozess verkommen.“

Die Räume des Kreißsaals wurden als Reservekapazitäten für Intensivbetten in der Corona-Krise vorgehalten. Auch im Mai dieses Jahres hielt der medizinische Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden, Dr. Thomas Iber, die Bündelung der Kapazitäten für die Behandlung von Covid-Patienten weiterhin für „notwendig und sinnvoll“. „Die Pandemie ist für uns leider noch nicht vorbei“, sagte der Mediziner damals.

Mittlerweile sieht das anders aus, das Klinikum erwartet das Ende der Pandemie im ersten Quartal 2022. Über die Zukunft der Geburtenstation müssten nun aber die Gesellschafter, also der Rastatter Kreistag und der Gemeinderat Baden-Baden, entscheiden, heißt es vonseiten des Unternehmens. Im Vorfeld wolle man die Bevölkerung einbinden und lädt deshalb zur heutigen Informationsveranstaltung „Zukunft Geburtshilfe“ um 18.30 Uhr in der Veranstaltungshalle Kuppenheim ein. Ob es dort um eine mögliche Schließung der Geburtenstation geht, dazu wollte sich das Klinikum vorab nicht äußern.

Motherhood-Vertreterinnen rechnen mit Schließung

„Wir gehen davon aus, dass die Station nicht mehr geöffnet wird“, sind sich indes Tanja Sölter und Anja Lehnertz sicher. Die Mitglieder von Motherhood setzen sich für den Erhalt der Station ein und waren bereits bei mehreren Demonstrationen in Rastatt vor Ort. An eine Wiedereröffnung glauben sie mittlerweile nicht mehr, ihr Wunsch: „Es soll endlich jemand aussprechen.“ Dann könne man gemeinsam nach Lösungen für die aktuell prekäre Situation suchen. Denn eins sei klar: So wie es ist, kann es nicht bleiben. „Der ständige Kapazitätsmangel ist eine Zumutung für die Eltern“, sagt Lehnertz. Das Problem sei nicht neu und herrscht nicht nur in Mittelbaden. Umso mehr Handlungsbedarf sehen die Motherhood-Vertreterinnen, auch die Alternativen in Karlsruhe oder der Ortenau schwinden.

Mittlerweile habe es zumindest ein konstruktives Gespräch zwischen ihnen und Verantwortlichen des Klinikums gegeben, das Lehnertz als sehr positiv bewertet. „So viel Offenheit und Bereitschaft, Lösungsansätze anzugehen, findet man selten“, sagt sie. Der Personalmangel – der laut Sölter allerdings „auch ein bisschen selbst gemacht ist“ – sei ein großes Thema gewesen. Das Rastatter Geburtshilfeteam ist lange im Unklaren gelassen worden, einige Personen haben sich umorientiert, sagt Sölter. Sollte die Station nun wirklich schließen, so müssten schnellstmöglich andere Lösungen gefunden werden, „gemeinsam mit den Eltern der Region“, sagt Lehnertz.


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