BT-Stallparade: Gute Struktur im Bocskai-Stall

Iffezheim (wb) – Galoppertrainerin Carmen Bocskai hat das erste Pandemie-Jahr gut überstanden, in der neuen Saison setzt sie große Hoffnungen in Kamaron und Utamaro.

Schmucke Zweijährige: Carmen Bocskai mit Winterlilie, einer Halbschwester des tragisch verunglückten Winterfuchs. Foto: Wolfram Braxmaier

Schmucke Zweijährige: Carmen Bocskai mit Winterlilie, einer Halbschwester des tragisch verunglückten Winterfuchs. Foto: Wolfram Braxmaier

Es herrscht eine ungewöhnliche Ruhe am Rennstall von Carmen Bocskai in der Iffezheimer Trainingszentrale. Die Hälfte aller Boxentüren steht offen, der Stall wird geputzt und gewienert, ein Helfer ist auch mit Farbe und Pinsel unterwegs. Familienhund Nico liegt in einer Ecke und lässt sich genüsslich die Frühlingssonne auf das braune Fell scheinen, sein Gartenstuhl ist noch im Winterschlaf.

Für die Galopper ist es noch früh im Jahr, zudem waren die Trainingsmöglichkeiten durch den Bau der Sandbahn eingeschränkt. Gut die Hälfte der 38 Rennpferde ist nicht vor Ort, sondern wird von Ehemann Georg – einst deutscher Spitzenjockey – und Stalljockey Sibylle Vogt im elsässischen Wissembourg auf die Grasbahnsaison vorbereitet. Für Carmen Bocskai und ihr Team natürlich ein großer Mehraufwand, der auch Kosten verursacht. Die Aufenthaltsdauer der Pferde in Frankreich ist allerdings auf drei Monate beschränkt, dann müssen sie zurück. „Bis Mitte April dürfen wir im Elsass trainieren“, so die Trainerin, die natürlich darauf hofft, dass bis dahin die neue Sandbahn fertiggestellt ist. In Iffezheim betreut sie die restlichen Pferde und kümmert sich um die neue Wohnung im Haus direkt am Rennstall. Die Armaturen im Bad installiert sie gleich selbst (Bocskai: „Selbst ist die Frau“). Der Umzug von Haueneberstein ist nicht mehr weit entfernt.

„Utamaro muss Farbe bekennen“

Das erste Jahr der Pandemie hat Bocskai mit ihrem Rennstall ganz gut überstanden. 29 Sieg wie im Vorjahr waren natürlich nicht drin, aber 20 sollten es dann schon sein. „Das ist die Mindestzahl, die ich mir vorgenommen habe, seit ich Trainerin bin. Am Ende ist das ja auch gelungen“, ist sie unter dem Strich mit dem Jahr 2020 nicht unzufrieden. Nachträglich kam durch eine Disqualifikation sogar noch ein Sieg hinzu, einschließlich Prämien wurden rund 440.000 Euro eingaloppiert.

Den 400. Sieg der Trainerkarriere will Carmen Bocskai in diesem Jahr einfahren, bislang stehen 386 zu Buche. Die Marke sollte also leicht zu übertreffen sein, zumal die Trainerin durchaus optimistisch nach vorne blickt: „Wir haben mit zehn Zweijährigen und acht Dreijährigen eine gute Altersstruktur.“

Große Erwartungen hat sie mit dem letztjährigen Dreifachsieger Kamaron: „Er wird es jetzt aber schwerer haben. Mal sehen, wohin der Weg führt.“ Auch Darshano besitzt großes Vertrauen der Trainerin. Auf ihm schaffte Sibylle Vogt in Deauville ihren ersten Sieg in einem Tierce-Rennen, vergleichbar mit einem Ausgleich I in Deutschland. Auch der formstarke Gourmet soll wieder Freude im Stall verbreiten. Tragisch: Besitzer Ingo Koblischek verstarb am Vormittag des 6. Juli im Alter von 86 Jahren, nachmittags gewann Gourmet in Deauville sein zweites Saisonrennen.

Ein Pferd im Bocskai-Stall hat gar eine Nennung für das deutsche Derby: Utamaro aus dem Besitz von Paul Vielsäcker, dem das Stallgelände gemeinsam mit Hans Simon gehört. „Utamaro muss Farbe bekennen. Da leitet uns nicht das olympische Motto: ,Dabei sein ist alles‘“, so die Trainerin. Ob es fürs Derby reicht, bleibt abzuwarten. Nach dem tragischen Unfall von Winterfuchs im Vorjahr hat Jochen Henner Delius (Mannheim) vom Gestüt Ravensberg erneut ein Pferd nach Iffezheim beordert. Winterlilie heißt die schmucke Zweijährige und ist eine Halbschwester zum einstigen Stallcrack. „Sie sieht ihm sogar etwas ähnlich“, findet Bocskai. Insgesamt ist auch ihr Stall wegen des strengen Winters etwas hintendran, was Bocskai allerdings nicht als besonders tragisch empfindet.

Nach wie vor als Stalljockey tätig ist Sibylle Vogt, deren märchenhafter Aufstieg mit der Wahl zum Jockey des Jahres 2020 ihren Höhepunkt fand. Insgesamt 60 Siege feierte die sympathische Schweizerin, obwohl sie vor allem in Frankreich von den Turfrichtern recht oft bestraft wurde. „Das waren teilweise sehr ungerechtfertigte Strafen, aber sie hat sich nicht unterkriegen lassen und macht den männlichen Kollegen dort auch mächtig Dampf“, ist Bocskai froh, dass ihre „Ziehtochter“ den ersten Ruf am Bocskai-Stall beibehalten hat. Den zweiten Ruf hat Vogt an den Kölner Asterblüte-Stall von Peter Schiergen vergeben.

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