Gute Voraussetzungen im Gernsbacher Wald

Gernsbach (vgk) – Bei der Vorstellung des Nutzungs- und Kulturplans für den Stadtwald im Ortschaftsrat Obertsrot machte sich Revierförster Uwe Meyer für den Einstieg in den Vertragsnaturschutz stark.

Waldbesitzer können mit Altholzbeständen oder Höhlenbäumen Fördermittel generieren. Foto: Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

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Waldbesitzer können mit Altholzbeständen oder Höhlenbäumen Fördermittel generieren. Foto: Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

Vor fünf Jahren wurde im Rahmen der Forsteinrichtung das Alt- und Totholzkonzept im Stadtwald Gernsbach eingeführt. In der Zwischenzeit werden 43 Waldrefugien mit einer Gesamtbetriebsfläche von rund 119 Hektar sowie 280 Habitat-Baumgruppen ausgewiesen. Auf diese Weise entstand ein großflächiges Netz aus Totholzstrukturen, das vielen Arten Lebensraum bietet, bewertet mit knapp 4,7 Millionen Ökopunkten.

Am Montag haben sich im Rahmen ihrer Sitzung die Gernsbacher Gemeinderäte mit diesem Thema zu befassen und diesbezüglich eine Grundsatzentscheidung zu treffen. Der Ortschaftsrat Obertsrot hat bereits in seiner Sitzung am Mittwochabend einstimmig die Zustimmung zum Vertragsnaturschutzkonzept gegeben.

Das Land Baden-Württemberg will zukünftig finanziell zur Entwicklung von Altbäumen und Habitat-Baumgruppen beitragen. Das im Juli beschlossene Naturvertragsschutzkonzept bietet neue Möglichkeiten für die Stadt, die nachhaltige Waldwirtschaft zu fördern. Waldrefugien, die bereits mit Ökopunkten bewertet sind, erhalten keine Förderung mehr. Darauf machte Orts- und Gemeinderat sowie Revierförster Uwe Meyer (FBVG) aufmerksam.

Einschlag aktuell nur auf Bestellung

Das Grundprinzip des Vertragsnaturschutzes stellte den Ortschaftsräten Joschka Meles vor. Er ist Student der Forstwirtschaft. Für jeden einzelnen Baum, der wahlweise zehn oder 20 Jahre aus der Nutzung genommen wird, erhält der Waldbesitzer je nach Baumart unterschiedlich hohe Förderbeträge. Es können maximal fünf Altbäume je Hektar Bestandsfläche gefördert werden. Ebenso müssen die Bäume einen Mindestdurchmesser erfüllen und Habitat-Strukturen wie Höhlen oder Faulstellen aufweisen.

Habitat-Baumgruppen sollen entwickelt und langfristig erhalten werden. Der finanzielle Verlust durch Nutzungsverzicht sei gering. Zudem sei das Konzept im Stadtwald sehr gut umsetzbar, warb Meyer für diese Möglichkeit.

Der städtische Forst habe die Klimaveränderungen im Vergleich mit Wäldern im Süden des Landes bisher recht gut weggesteckt, betonte der Revierförster bei der Vorstellung des Nutzungs- und Kulturplans für den Gemeindewald Obertsrot und Hilpertsau. Gleichwohl setzten auch dem städtischen Wald Trockenheit und Borkenkäfer zu – mit Auswirkungen auf das finanzielle Ergebnis des Forstbetriebs.

Als grundsätzliche Strategie bezeichnete der Revierförster deshalb den reduzierten Hiebsatz. Die Holzpreise bei Fichten und Tannen sowie den Nebensortimenten seien „nicht mehr akzeptabel“, sprach Meyer vom Sinn und Unsinn, derzeit gesundes Holz einzuschlagen. Der Einschlag erfolge aktuell nur auf Bestellung, verbunden mit dem Verzicht auf schwierig abzusetzende Sortimente.

Die Aufarbeitung von Schadhölzern wird an jenen Stellen durchgeführt, wo dies aus Forstschutzgründen zwingend notwendig ist. In den Bereichen, in denen es akzeptabel ist, bleibe das Borkenkäferholz stehen.

Von dem auf einer Fläche von 14,6 Hektar geplanten teilmechanisierten Sortimentshieb mit 1.250 Festmetern ergaben sich nur 950 Festmeter. Das Sturmtief Sabine bescherte dem Förster 110 Festmeter Sturmholz. Die Menge des Käferholzes wird mit 500 Festmetern beziffert.

Zu dem im vierten Quartal dieses Jahres geplanten Hieb am Raidenberg mit einer geplanten Menge von 1.250 Festmetern werde es nicht mehr kommen. Dieser wird aufgrund der prekären Holzmarktsituation auf das kommende Jahr verschoben. Zudem sind für 2021 weitere Hieb-Reduzierungen geplant.

Als Strategie für die Zukunft nannte der Revierförster die Förderung klimatoleranter Baumarten wie Eiche, Laubholzbeimischung oder Douglasie. Baumhasel und Tulpenbaum seien ebenfalls standortgeeignet. Zu verzeichnen sei außerdem eine höhere Brennholznachfrage.


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