Gymnasium Achern: Unterricht per Videostream

Achern (jo) – Das Gymnasium Achern hat im Rahmen der Digitalisierung seine Serverstruktur von Grund auf erneuert. Auf das Netzwerk greifen rund 950 Schüler zu.

Hier schlägt das Herz der IT-Technik des Gymnasiums Achern: Netzwerkbetreuer Johannes Börsig zeigt den Schulserver. Foto: Joachim Eiermann

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Hier schlägt das Herz der IT-Technik des Gymnasiums Achern: Netzwerkbetreuer Johannes Börsig zeigt den Schulserver. Foto: Joachim Eiermann

Wenn Covid-19 etwas Positives bewirkt hat, dann ist es ein Schub, der die Digitalisierung der Schulen vorantreibt. Daraus machen die Verantwortlichen des Gymnasiums Achern keinen Hehl. Allerdings verfügte die Schule bereits über gute IT-Voraussetzungen, als der erste Lockdown kam.

„Wir hatten schon vor Corona die Server-Infrastruktur von Grund auf erneuert“, so Schulleiter Stefan Weih. Rund 1.200 Benutzer, darunter 950 Schüler, greifen auf das Netzwerk zu – nicht nur intern, sondern auch von außen per Internet über personalisierte Zugänge. Schüler, Lehrer und die Beschäftigten der Schulverwaltung loggen sich dazu mit ihrer gymnasialen Mail-Adresse und einem Kennwort ein – am schuleigenen Notebook oder Tablet im Unterricht oder an einem Bildschirm zuhause. Der Gerätetyp spielt keine Rolle. „Wir konnten so die digitale Kommunikation enorm verbessern“, erklärt Johannes Börsig, der mit seinem Lehrerkollegen Stefan Hunn das Schulnetzwerk betreut.

Grundstein für einheitliche Lernplattform

Mit dem neuen Gerätemanagement auf Microsoft-Basis war der Grundstein für eine einheitliche digitale Lernplattform gelegt. Um sie auszubauen, kam die Regionalstiftung der Sparkasse Offenburg/Ortenau ins Spiel. Deren Stiftungsrat fördert gemeinnützige Vorhaben, die nicht von anderer Seite unterstützt werden. Den Antrag des Gymnasiums Achern zu bewilligen, sei sehr leicht gefallen, verdeutlichte das Vorstandsmitglied Karl Bähr, gehe es doch um Bildung, „ein wertvolles Gut“. Er sei beeindruckt, mit wie viel Herzblut der Prozess der Digitalisierung in Achern umgesetzt werde. Mit 20.000 Euro ermöglichte die Stiftung den Kauf der Software-Lizenzen.

„Die digitale Lernplattform hat uns zu Beginn der Coronazeit gute Dienste erwiesen“, schildert Börsig. So konnte das Gymnasium im März von einem Standard profitieren, „um den uns andere beneideten“, wie Weih sagt. Ob Schulverwaltung, Klassenbuchführung, Austausch von Lernmitteln oder gruppenweisen Digitalunterricht, um nur einige Beispiele zu nennen. All dies erfolgt in einem geschützten Netz mit Datenspeicherung auf dem Schulserver oder in einer Cloud.

Unterricht per Videostream

Schüler, die zu Hause in Quarantäne sind, nehmen laut Börsig dennoch am Unterricht teil: per Videostream. Im Bedarfsfall werde dazu eines der 190 iPads verliehen, die sich das Gymnasium aus dem Corona-Sofortprogramm der Bundesregierung angeschafft hat. Insgesamt verwalten die beiden Netzbetreuer rund 500 schuleigene Endgeräte.

Oberbürgermeister Klaus Muttach erkundigte sich nach dem Datenschutz beim Klassenbuch. Die Zugänge zu den einzelnen Rubriken, versicherte Administrator Börsig, seien für Schüler und Lehrer unterschiedlich geregelt und somit nur autorisierte Felder sichtbar. Der Datenschutz endet jedoch beim Schulschwänzen: Fehlt ein Schüler im Unterricht generiert das System automatisch eine Mail an die Eltern. Und Klassenarbeiten digital zu schreiben sei zwar technisch möglich, antwortet Weih, „aber rechtlich geht das nicht“.

Eine „Riesenherausforderung für die Politik“ sieht der Schulleiter in der personellen Ausstattung, denn die Digitalisierung der Schulen erfordere Fachkräfte. Eine Reduzierung des Deputats um ein paar Stunden könne den großen zeitlichen Aufwand eines Netzwerkbetreuers nicht abdecken.

Dass am Acherner Gymnasium die neue Technik dennoch läuft, sei letztlich dem besonderen Engagement der beiden damit befassten Pädagogen zu verdanken. Weih: „Da steckt viel Idealismus drin.“ Und die Aufgabe ist noch nicht erledigt. Der Medienentwicklungsplan der Schule sieht für 2021 vor, mit den Mitteln des Digitalpakts die Infrastruktur in den Unterrichtsräumen zu modernisieren. Unter anderem geht es darum, die Projektionstechnik zu erneuern, eine Gesamtinvestition in der Größenordnung von 450.000 Euro.

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Erstellt:
14. Dezember 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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